Axel Springer verkauft Paket an Zeitungen und Zeitschriften an die Funke Mediengruppe – Zukunftsgerichteter Geniestreich oder vorzeitiges Aufgeben im Printjournalismus?

25. Juli 2013 — Hinterlasse einen Kommentar

Funke Mediengruppe übernimmt Regionalzeitungen und Teile des Zeitschriftenportfolios von Axel Springer. Gemäss heutiger Pressemitteilung sollen zukünftig die Regionalzeitungen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt, die Anzeigenblätter in Berlin und Hamburg sowie die fünf Programm- und zwei Frauenzeitschriften von Axel Springer (Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche, TV Neu, Bild der Frau, Frau von heute) sowie die dazugehörigen Digitalmarken unter dem Dach der Funke Mediengruppe erscheinen und deren bestehendes Regionalzeitungs-, Anzeigenblatt- und Zeitschriftenportfolio ergänzen. Die Regionalzeitungsgruppen sowie die Programm- und Frauenzeitschriften trugen im Geschäftsjahr 2012 94,8 Mio. EUR zum EBITDA und 512,4 Mio. EUR zum Umsatz des Axel Springer-Konzerns bei. Im letzten Jahr haben die Bereiche „Zeitungen National“ mit 23% EBITDA-Marge und Zeitschriften National mit 21% EBITDA-Marge zumindest gleich hohe EBITDA-Margen wie der Bereich „Digitale Medien“ mit einer EBITDA-Marge von 21% erzielt. Der Kaufpreis beträgt 920 Mio. EUR.

Seit ich von diesem Verkauf gehört habe, kann ich mich nicht richtig entscheiden, was ich von diesem Verkauf halten soll. Ist das ein zukunftsgerichteter Geniestreich? Kann man nur mit Radikalität die Digitalisierung gewinnen? Oder ist der Verkauf ein vorzeitiges Aufgeben im Printjournalismus. Stellt der Printjournalismus nicht das Fundament dar, um die Digitalisierung vorantreiben zu können? Oder ist das lediglich eine Fokussierung im Printjournalismus?

Zukunftsgerichteter Geniestreich?

Axel Springer hat sicherlich die Vision, im digitalen Geschäft ganz vorne mitwirken zu können. Wie man in der Präsentation zur Hauptversammlung 2013 lesen kann, sind die Prioritäten für 2013 auf das Digitale fokussiert: Digitale Transformation, Digitale Abonnements, Unternehmenskultur. Von dieser Perspektive geht Axel Springer konsequent und mutig den Weg der Digitalisierung. Axel Springer agiert und wartet die Entwicklung nicht erst ab. Man darf gespannt sein, welchen digitalen Coup Axel Springer in den nächsten Monaten landet. Wer nicht an alten Dingen wie gedruckten Zeitungen klebt und mutig Neuland entdeckt, wird in Zukunft belohnt.

Vorzeitiges Aufgeben im Printjournalismus? Oder Fokussierung?

Glaubt Axel Springer nicht mehr daran, dass man mit (Print-)Journalismus in Zukunft Geld verdienen kann? Die Strategie von Axel Springer umfasst drei Schwerpunkte: „Marktführerschaft im deutschsprachigen Kerngeschäft, Internationalisierung und Digitalisierung. Von diesen hat die konsequente Digitalisierung die höchste Priorität.“ Wenn diese Strategie immer noch gelebt wird, heisst es, dass die verkauften Printtitel nicht (mehr) zum Kerngeschäft von Axel Springer zählen. Scheinbar hat der Verlag die Sieger der Konsolidierung ausgemacht und die verkauften Produkte gehören nicht dazu. Scheinbar fokussiert Axel Springer auf die grossen Player „Bild-“ und „Die Welt-Gruppe“ und wird damit den Printjournalismus sichern.

Fazit: Das Wort „Verleger“ brauchen wir nicht mehr, sonder eher „Content-Producer“

Es meiner Sicht wird es in Zukunft nicht mehr ums Verlegen, sondern um die Produktion von Content gehen. Eine Zeitung aus Papier wird dabei nichts anderes mehr als einer der vielen Vertriebskanäle für diesen Inhalt sein. Journalismus wird überleben. Jedoch müssen neue Geschäftsmodelle für Digital-Journalismus erfunden werden. Denn bisher gelang es lediglich wenigen Verlagen, mit Digital-Journalismus Geld zu verdienen. Die grössten EBITDA-Margen-Bringer sind auch bei Axel Springer immer noch Digital Classifieds (Rubrikenportale für Jobs, Immobilien, etc.), welche im ersten Quartal 2013 wiederum mit einer EBITDA-Marge von 41.1% insgesamt 40.9 Mio. EUR EBITDA generierten. Und Rubrikenportale haben meines Wissens wenig mit Journalismus zu tun.

Es bleibt spannend. Denn wer den Satz der Prioritäten zu Ende gelesen hat, weiss auch den Zweck der drei Prioritäten für 2013 von Axel Springer: Unsere Prioritäten für 2013… Digitale Transformation, Digitale Abonnements, Unternehmenskultur … zur Zukunftssicherung des Journalismus. 

Bildschirmfoto 2013-07-25 um 21.40.39

Quellen:

http://www.axelspringer.de/presse/FUNKE-MEDIENGRUPPE-uebernimmt-Regionalzeitungen-und-Teile-des-Zeitschriftenportfolios-von-Axel-Springer-Gruendung-von-Gemeinschaftsunternehmen-fuer-Anzeigenvermarktung-und-Vertrieb_18994020.html

http://www.axelspringer.de/publikationen/cw_publikation_de_17584010.html

http://www.axelspringer.de/dl/15913772/13-04-24_HV_Presentation.pdf

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/dem-springer-verlag-fehlen-ideen-und-visionen-a-913081.html#js-article-comments-box-pager

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