The order of things in broadcast is „filter, then publish“. The order in communities is „publish, then filter“ (Literature Review, 5. Teil)

14. August 2013 — Hinterlasse einen Kommentar

Heutiger Artikel im Fokus: Vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus (Bücher & Büffel, 2005)

Bucher und Büffel untersuchen die Veränderungen vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus am Beispiel Weblogs. Sie zeigen auf, dass mehrere Studien die klassische Journalismus-Perspektive einnehmen. In deren Sinn ist journalistisch, was redaktionell organisiert ist.[1] Dies klammert die neuen globalen und netzwerkorientieren Medienunternehmen aus, welche nicht mehr an Institutionen im klassischen Sinn gekoppelt sind. Bucher und Büffel erklären die Begrenztheit bisheriger Definitionen von Online-Journalismus und definieren den Begriff neu. Sie verstehen unter Online-Journalismus sowohl eine Ausdifferenzierung des klassischen Journalismus als auch eine der öffentlichen Kommunikation.[2] Am Beispiel Weblogs versuchen sie die These zu überprüfen, dass im Internet ein nicht-institutionalisierter Journalismus entstanden ist, welcher eine Netzwerkorientierung aufweist.[3] Die Kommunikationsform Weblogs charakterisieren sie wie folgt: Die hochgradige Vernetzung zu einer Art Blogosphere, die Beschleunigung der Kommunikation und ihre Globalität, die Interaktivität und Multimedialität, aber auch die Grenzauflösung zwischen personeller, öffentlicher, institutioneller und journalistischer Kommunikation.[4]

Deuze versucht Systematik in die verschiedenen Weblogs zu bringen. In einer vier-Felder-Matrix mit den Achsen „Kommunikation zwischen den Endpunkten“ und „Selbstbestimmungsgrad“ identifiziert er vier verschiedene Arten: Mainstream Newssites, Index and Categorysites, Meta und Commentsites und Share und Discussionsites.[5] Gemäss Deuze zählen alle vier von ihm identifizierten Typen zum professionellen Journalismus, da alle den Bürgern die Informationen anbieten, welche sie benötigen, um frei und selbstbestimmt zu sein.[6] Anders argumentiert Blood. Sie verwendet für Blogger den Ausdruck „participatory media“ und explizit nicht den Begriff „Journalism“.[7] Diese netzwerkbasierten journalistischen Kommunikationsformen bringen mit sich, dass die traditionelle Gatekeeper-Funktion von Journalisten nicht mehr funktioniert und die steilen Hierarchien in den traditionellen Medien flachen Hierarchien im Internet gegenüberstehen.

Bucher & Büffel beschreiben die spezifischen Charakteristiken von Weblogs auf den Journalismus in Bezug auf journalistische Handlungsweisen und Programme, die Selbstorganisation in der Weblog-Kommunikation und die kommunikative Funktion von Weblogs. Dabei bringen sie einige Merkmale von Weblogs auf den Punkt. Die Qualitätskontrolle wird dezentralisiert und erst nach der Publikation vorgenommen. Clay Shirky, ein Professor an der New York University, formulierte diese Änderung sehr präzise: „The order of things in broadcast is „filter, then publish“. The order in communities is “publish, then filter””.[8]

Bucher und Büffel stellen die Organisationsformen der klassischen Medien deren der neuen Medien gegenüber. Auf der einen Seite sind die neuen Medien netzwerkorientiert. Netzwerke als Organisationsformen zeichnen sich durch Merkmale wie Flexibilität, Dezentralisierung, horizontale Strukturen und flache Hierarchien aus. Auf der anderen Seite befinden sich die traditionellen Medien bei den hierarchischen Organisationsformen, welche durch Zentralismus, Effizienz, schnelle Instrumentalisierbarkeit und vertikale Strukturen bestimmt sind. Die hierarchischen Kommunikationsstrukturen der traditionellen Medien werden durch Netzwerkkommunikation abgelöst.[9] Diese Evolution bringt mit sich, dass sich die Rolle von Journalisten grundlegend verändert. Vom Gatekeeper wird der Journalist zum Informations-Guide.[10] Die offene Netzwerkstruktur hat zur Folge, dass sich die Themenvielfalt ausweitet, die Themensetzung liberalisiert wird, das Informationsangebot ausgeweitet wird, neue Zugangsmöglichkeiten zur Medienkommunikation für Laien entstehen, Journalisten ein Steuerungsverlust erleiden und die Reflexivität der Medienkommunikation ausgeweitet wird.[11]

Bücher und Büffel


[1] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 86.

[2] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 89.

[3] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, 89.

[4] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 91.

[5] Vgl. Deuze, 2001.

[6] Vgl. Deuze, 2001.

[7] Vgl. Blood, 2003, S. 62.

[8] Vgl. Shirky, 2003.

[9] Vgl. Bucher & Büffel, 2005. S. 106-107.

[10] Vgl. Bucher & Büffel, 2005. S. 112.

[11] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 107.

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