„Ein Online-Journalist verwendet lediglich 5% seiner gesamten Arbeitszeit für die eigenständige Textproduktion“ (Literature Review, 6. Teil)

15. August 2013 — Hinterlasse einen Kommentar

Heutiger Artikel im Fokus: (R)Evolution des Journalismus? Online Journalismus zwischen Tradition und Innovation (Quandt, 2005)

Quandt versucht in seiner Studie herauszufinden, ob sich das journalistische Arbeiten als Online-Journalisten gegenüber dem traditionellen Journalisten verändert hat. Ziel der Erforschung ist es, Muster im Handeln von Online-Journalisten zu identifizieren. Bei verschiedenen Online-Reaktionen hat er dazu eine empirische Beobachtungsstudie durchgeführt.[1] 10‘826 Handlungen oder eine kumulierte Arbeitsdauer von 405 Stunden fanden Eingang in die Studie.[2]

Online-Journalisten weisen eine extrem hohe Handlungsfrequenz auf. Eine durchschnittliche Arbeitshandlung dauert lediglich 2 Minuten und 14 Sekunden.[3] Die Online-Journalisten scheinen journalistisch zu arbeiten. Einen Grossteil der Arbeitszeit wird für journalistische Tätigkeiten wie Kommunikation (ca. 15% der Gesamtzeit), Such- und Selektionstätigkeiten (ca. 32 % der Gesamtzeit) sowie das Schreiben (ca. 22% der Gesamtzeit) aufgewendet.[4] Mehr als die Hälfte der für das Schreiben aufgebrachten Zeit wird für das Umarbeiten und Redigieren verwendet. Lediglich 24% der Zeit fürs Schreiben wird für das selbstständige Schreiben verwendet.[5] Somit verwendet ein Online-Journalist lediglich 5% (0.24 x 22%) seiner gesamten Arbeitszeit für die eigenständige Textproduktion. Für Produktionstätigkeiten wird lediglich 6% der Gesamtarbeitszeit aufgewendet.[6] Dies spricht dafür, dass die Online-Journalisten keine multimedialen Inhalte selbständig produzieren. Diese Untersuchung widerspricht den früheren Vermutungen vieler, wie beispielsweise jener von Bardoel & Deute.[7]

Aus der Studie lässt sich der Trend erkennen, dass Online-Journalisten vermehrt zu Distributions-Journalisten werden, welche sich stark am Material der Nachrichtenagenturen und Netzquellen bedienen und dieses lediglich noch umschreiben. Der Online-Journalist verwendet mehr Zeit für das Redigieren und Umschreiben von existierenden Ausgangstexten als für das Schreiben von eigenen Beiträgen. Die Studie von Quandt zeigte, dass sich die Tätigkeiten der Journalisten im Online-Bereich verändern, jedoch blieb eine Revolution des Journalismus aus. Da die Studie bereits mehrere Jahre zurückliegt, wäre es interessant, diese Beobachtung zu wiederholen und zu eruieren, wie sich die Rolle in den letzten drei Jahren verändert hat.

Quandt


[1] Vgl. Quandt, 2005, S. 163.

[2] Vgl. Quandt, 2005, S. 175.

[3] Vgl. Quandt, 2005, S. 176.

[4] Vgl. Quandt, 2005, S. 178.

[5] Vgl. Quandt, 2005, S. 179.

[6] Vgl. Quandt, 2005, S. 177.

[7] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

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