Die Paywall des Tages-Anzeigers: Ein Gewinn von 7’400 digitalen Abos versus ein Verlust von monatlich 50 Mio. Page Impressions

24. August 2014 — 5 Kommentare

Vor knapp fünf Monaten wurde das Bezahlmodell des Tages-Anzeigers eingeführt. Seither zählt der Tages-Anzeiger deutlich weniger Page Impressions. In den ersten vier Monaten waren es jeweils mehr als 50 Mio. Page Impressions weniger als vor der Einführung der Paywall im März 2014. Dafür werden nun auch Erträge über digitale Abonnements erzielt. Gemäss Tamedia wurden bis Anfang August rund 7’400 digitale Abonnements verkauft. Diese Abonnements teilen sich wie folgt auf:

  • Ca. 2’000 Digital Light (Desktop & Smarthphone)
  • Ca. 4’900 Digital (Desktop, Smartphone & Tablet
  • Ca. 500 Weekend (Sa Tages-Anzeiger, So Sonntagszeitung sowohl Print als auch Digital)

Ein erstes Fazit

  • Der monatliche Verlust von 50 Mio. Page Impressions schmerzt. Bei der Annahme, dass jeder Page Impressions mit einem halben Rappen monetarisiert werden könnte, fehlen bei der Vermarktung monatlich 250’000 CHF. Jährlich kumulieren sich die Mindereinnahmen im Werbemarkt auf 3 Mio. CHF. 
  • Um den Verlust der Page Impressions zu minimieren, muss am Metered-Modell geschraubt werden. Dabei soll nicht nur das Know-how der Techniker berücksichtigt werden, sondern insbesondere das der Psychologen und der Kommunikationsexperten. Aus meiner Perspektive handelt es sich um eine psychologische Fragestellung der Knappheit.
  • Die Trafficzahlen müssen genaustens beobachtet werden. Falls in den nächsten Monaten auch die Zahl der Unique Clients sinkt, wäre dies ein grosses Warnsignal.
  • Die Zahl der 7’400 digitalen Abonnenten tönt vielversprechend. Die meisten davon sind jedoch vermutlich Aktions-Abos. Die entscheidende Frage wird sein, wie hoch die Konversionsrate sein wird vom Aktions-Abo zum Preis von 1 CHF auf ein richtiges Abo. Wenn momentan sämtliche reine Digital-Abonnenten (Digital Light und Digital) auf das Jahresabo umsteigen würden, ergäbe dies einen Umsatz von 2 Mio. CHF (2’000 x 218 CHF = 436’000 CHF, 5’000 x 314 CHF = 1’570’000 CHF) für Digitalabos. 
  • Der symbolische Preis von 1 CHF für den ersten Monat ist sehr klug gewählt. Die zukünftigen Abonnenten müssen bereits ihre Kreditkarte zücken. Dadurch wird sicherlich eine höhere Konversionsrate zum normalen Abopreis erzielt, als wenn man den ersten Monat kostenlos erhalten würde.

Kurz und gut: Für eine abschliessende Beurteilung der Tages-Anzeiger-Paywall ist es noch deutlich zu früh. Entscheidend wird sein, wie sich der Traffic und die Zahl der Digitalabos weiter entwickeln. Der Entscheid für die Einführung der Paywall beim Tages-Anzeiger erachte ich als richtig und sinnvoll. Denn aus meiner Sicht gibt es nicht viele weitere Geschäftsmodelle für den Qualitätsjournalismus, wie er ins digitale Zeitalter übertragen werden kann. Der Weg in die digitale Zukunft wird aber steinig und hart bleiben.

Paywall

Quelle: Screenshot https://abo.tagesanzeiger.ch

 

Ähnlicher Artikel: Massiver Trafficrückgang beim Tages-Anzeiger nach Einführung der Metered Paywall – 20% weniger Visits – 37% weniger Page Impressions

Tamedia

TRANSPARENZ-BOX: Der Autor dieses Blogposts ist Unternehmensentwickler bei watson.ch und hat davor als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung bei Tamedia gearbeitet. Der Autor ist gefühlt seit seiner Kindheit treuer Leser und grosser Fan vom Tages-Anzeiger. Dem Autor vertritt die Meinung, dass neue Geschäftsmodelle für digitale Inhalte ausprobiert werden müssen. Leider erhält er den Tages-Anzeiger seit 01. Februar 2014 nicht mehr. Sehr gerne hätte er ein weiteres Jahresabonnement gekauft, der Tages-Anzeiger hat ihm jedoch nie eine Zahlungseinladung geschickt. 

Tamedia

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5 Antworten zu Die Paywall des Tages-Anzeigers: Ein Gewinn von 7’400 digitalen Abos versus ein Verlust von monatlich 50 Mio. Page Impressions

  1. 

    Spannender Beitrag, die Sache mit dem Abo werde ich mal weiterleiten…

  2. 

    TA Media und „Qualitätsjournismus“? Das Problem beginnt schon dort.

  3. 
    Holunder Gwunder 29. August 2014 um 20:15

    Wenn Sie derart einseitig Blogkommentare zensieren, dann lassen Sie die Kommentarfunktion doch besser gleich weg. Das wäre dann wenigstens ehrlich und transparent, was Sie sich so gerne auf die Fahne schreiben.

Trackbacks und Pingbacks:

  1. @tagesanzeiger #paywall …-50mio page impressions im Monat | - August 30, 2014

    […] (was immer das ist) wird sich nicht mehr über Abomodelle finanzieren lassen. Artikel […]

  2. Adieu 2014 – Vielen Dank für deine Treue « Sven Ruoss - Dezember 31, 2014

    […] 3. Die Paywall des Tages-Anzeigers: Ein Gewinn von 7’400 digitalen Abos versus ein Verlust von mo… […]

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