Liebe Journalisten, auch die Medienbranche funktioniert nach betriebswirtschaftlichen Kriterien

22. Oktober 2014 — 2 Kommentare

Die aktuelle Printausgabe vom “Schweizer Journalist“ hat es zwar noch nicht in meinem Briefkasten geschafft. Die digitale Version ist über verschiedene Wege in meinem digitalen Postfach gelandet. Mit grosser Spannung habe ich den Leitartikel von Hanspeter Bürgin über die Sparmentalität bei Tamedia gelesen. Doch ich wurde enttäuscht. Der Artikel lieferte keine neuen Fakten zu Tamedia. Sämtliche Informationen wurden an anderer Stelle bereits publiziert. Jeder vernünftige Mitarbeitende in der Medienbranche schweigt zu diesem Artikel. Ich nicht. Und werde damit sicherlich etliche Sympathiepunkte bei Journalisten verlieren.

Hanspeter Bürgin: „Heute geht, wer kann. Selbst etliche Vertreter des journalistischen Spitzenpersonals bleiben oft nur aus Mangel an Alternativen im kleinen Schweizer Arbeitsmarkt. Der jahrelange Spardruck hat grosse Teile der Belegschaft zermürbt und das Vertrauen in die Unternehmensführung nachhaltig beschädigt.“

1. Auch die Medienbranche funktioniert nach betriebswirtschaftlichen Kriterien

Wir wissen alle, dass die Printmedien in der Krise sind. Die Einnahmen schrumpfen und werden auch zukünftig niedriger ausfallen. In meinem Studium habe ich spätestens im 9. Semester gelernt, dass die Einnahmen grösser als die Ausgaben sein sollten. Und so ist es auch in der Medienbranche. Kommen folglich weniger Einnahmen rein, müssen die Ausgaben reduziert werden. Aus meiner Sicht nur logisch. Die geforderte durchschnittliche Umsatzrendite von 15% tut eigentlich gar nichts zu Sache. Auch wenn die Zielrendite bei lediglich 5% oder 10% liegen würde, müsste im gleichen Umfang gespart werden, lediglich mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung. Auch in den nächsten Jahren wird es Sparübungen geben. Denn eines ist sicher: Die Sparvorgaben orientieren sich an den erwarteten Einnahmen in den kommenden Jahren. Nur Printmedien mit einem wirtschaftlichen Geschäftsmodell werden überleben! Bezüglich Wirtschaftlichkeit darf Tamedia in der Schweiz in der Medienbranche als Vorbild betrachtet werden. Überspitzt zusammengefasst: „Wer besser spart, überlebt länger.“

2. Wer die Sparübungen kritisiert, soll alternative Lösungen bringen

Vielleicht sind reine Sparübungen die falsche Antwort auf die Krise? Doch wer die Sparübungen kritisiert, soll alternative Lösungen präsentieren, wie die Herausforderungen des Medienwandels gelöst werden können. Neue Ertragsquellen und neue Geschäftsmodelle sind gefragt. Kosteneinsparung ist die einfachste Lösung, aber scheinbar fehlt es den Kritiker an andersweitigen Ideen.

3. An der Unternehmenskultur muss gearbeitet werden – Idee: Free-Food

In einem Aspekt trifft der Artikel einen wunden Punkt. Aus meiner Sicht muss Tamedia an der Unternehmenskultur arbeiten. Sparen ist eine Sisyphusarbeit. Mitarbeitende brauchen Wertschätzung. Mitarbeitende müssen motiviert sein. Mitarbeitende müssen mitdenken und mitgestalten können. Für eine kleine Verbesserung der Unternehmenskultur hätte ich eine kleine Idee für Tamedia: Free-Food! Was nach paradiesischen Zuständen tönt ist nichts anderes als emotionale und zeitliche Bindung der Mitarbeitenden an den Arbeitsplatz. Ein Investment, welches sich scheinbar bei vielen Unternehmen auszahlt – nicht nur bei Google. “Free Food” gehört im Silicon Valley zu einem Standard-Benefit. Die Mitarbeitenden kommen früher zur Arbeit, gehen über Mittag nur kurz mit ihren Arbeitskollegen intern essen und reden selbstverständlich zu 90% über das Business. Und am Abend bleiben die Mitarbeitenden länger. Kurz und Gut: „Free food is mainly a benefit for the employer!“Die externen Berater wären gut beraten, wenn Sie das Thema „Free-Food“ mal genaustens kalkulieren würden. Aus meiner Perspektive ist Free-Food eine kreative Lösungsidee, welche sowohl einen positiven wirtschaftlichen Einfluss hätte als auch die Unternehmenskultur verbessern würde.

„Hanspeter Bürgin: In keinem Medienhaus des Landes ist die Loyalität der Mitarbeiter zu ihrem Arbeitgeber so tief wie bei Tamedia. Viele Mitarbeiter fühlen sich nur noch als Kostenfaktor, ihnen fehlt die Wertschätzung und eine publizistische Idee. Verleger Pietro Supino hat ein ernstes Problem mit seiner Unternehmenskultur.“

Tamedia

 

 

Tamedia

TRANSPARENZ-BOX: Der Autor dieses Blogposts ist Unternehmensentwickler bei watson.ch und hat davor als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung bei Tamedia gearbeitet. Er hat während seiner Zeit bei Tamedia bei einigen Sparprojekten mitgearbeitet.  

Tamedia

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2 Antworten zu Liebe Journalisten, auch die Medienbranche funktioniert nach betriebswirtschaftlichen Kriterien

  1. 

    Free Food. In Bern schliessen sie grad die Kantine…nicht bildlich gesprochen, sondern genau so.

  2. 

    Im Ernst? Mit Verlaub, aber ich will keine Foie gras werden, der man mit «Free Food» das Maul stopft, auf dass sie, wenn es denn die Zielrendite befiehlt, möglichst fett, satt und mit zugestopftem Schnabel zur Schlachtbank geführt werden kann.

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