Archive für Experiment

Seit gestern habe ich meine eigene Box «Social Media» beim neuen Medien-Start-up Niuws und darf mich nun auch noch «Kurator» nennen. Ich widme mich in der neuen Box der schnelllebigen und bunten Welt von Social Media. Hier kann man mich direkt abonnieren.

Gleichzeitig startete auch Marie-Christine Schindler. Sie wird ab sofort über Neuigkeiten rund um Online-PR informieren. Hier geht es direkt zur Web-Vorschau ihrer Box.

Ich freue mich, bei diesem Projekt mit Koryphäen wie Peter Hogenkamp, Martin Weigert, Stefan Leuthold, Nick Lüthi, Andreas von Gunten, Lukas Stuber, Martin Steiger, Thomas Lang, Viktor Giacobbo, Marie-Christine Schindler und vielen weiteren Persönlichkeiten mitwirken zu dürfen.

Um keine Trends zu verpassen, empfehle ich folgender 3-Punkte-Plan: 

  1. App «Niuws» herunterladen
  2. Box «Social Media» folgen
  3. Weitere spannende Boxen hinzufügen

Weitere Infos zu Niuws:

Niuws Sven Ruoss Social Media

Die beiden neuen Boxen «Online PR» und »Social Media» bei Niuws

 

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Am 28. Dezember 2013 hat mir Roman Kappeler mit unterstehendem Tweet das Blogstöckchen weitergeleitet.

Blogstöckchen

Wer nun nur Bahnhof versteht, erklärt hier Marie-Christine Schindler, worum es denn eigentlich geht. Also ich nehme das Blogstöckchen in die Hand und beantworte folgende Fragen von Roman Kappeler (@swissroman):

1. Meine liebste Twitterdiskussion in diesem Jahr handelte von…

Mhm, es waren zu viele spannende Twitterdiskussionen, um lediglich eine auszuwählen. 
Mein Twitterjahr: https://www.vizify.com/sven-ruoss/twitter-video

2. Wo holt Ihr die verlässlichsten Informationen im Netz?

Mein Informationsverhalten im Netz ist sehr hybrid und wechselt immer wieder. Als verlässliche Quelle gelten für mich einige Qualitätmedien, Blogger zu spezifischen Themen und auch auf einzelne Themen spezialisierte Branchenseiten. 

3. Fremde Menschen sollen miteinander über Social Media in Kontakt treten, weil…

…es Spass macht, neue Menschen kennen zu lernen und mit ihnen zu kommunizieren. 

4. Was verpassen Menschen ohne Internetzugang (gewollt oder ungewollt)?

Nichts oder alles. 

5. Wie hat Social Media Eure Lebensqualität verändert?

Ich hoffe, dass Social Media meine Lebensqualität nicht verändert hat. Social Media hat mein Leben jedoch schneller und kommunikativer gemacht 

6. Welche Erfindung hättet Ihr gerne gemacht?

Ich hätte gerne Facebook erfunden. Oder Google. 

7. Was hättet Ihr an Eurem 20. Geburtstag, wenn es denn da Twitter schon gegeben hätte, vertwittert?

Reminder: Wie ich euch in der schriftlichen Einladung mitgeteilt habe, findet heute meine #Geburtstagsparty in der Waldhütte beim Schluefweg statt. Cu there. #YOLO #IchBinAlt

Bonusfrage:

Welche 5 Gegenstände sind in Eurem Leben heute unabdingbar ?

iPhone, Laptop, Zeitungen, mein SBB-GA und mein Bett

Nun reiche ich das Blogstöckcken an folgende zehn Personen weiter:

Folgende 5 Fragen würden mich interessieren?

  1. Welches sind deiner Meinung nach die drei grössten digitalen Trends 2014?
  2. Was wird deiner Meinung nach in der digitalen Welt masslos überschätzt?
  3. In welchem Jahr wird in der Schweiz die letzte Zeitung auf Papier gedruckt?
  4. Auf welchen sozialen Plattformen werden wir uns 2020 immer noch tummeln?
  5. Welches Gadgets müsste man für dich noch erfinden?

Blogstöckchen

Nach dem Grosserfolg im April 2013 mit dem Projekt „999“ startet ab Sonntag, 01. September 2013, das Projekt „888“. Die Spielregeln sind ganz einfach: Man muss im Monat September mit 888 CHF Haushaltsbudget auskommen. Zum Haushaltsbudget zählen Ausgaben wie beispielsweise Coca-Cola, Essen in der Mensa, WC-Papier, Coiffeur, Zug-Tickets, Konzert-Tickets, Kehrichtsäcke, Negativspesen, etc. Fixkosten wie Miete, Krankenkasse oder Steuern müssen nicht mit diesen 888 CHF bezahlt werden. Das Budget wurde nun von 999 CHF auf 888 CHF gemäss dem Motto „11% gehen immer“ reduziert. D.h. es stehen täglich durchschnittlich 29.60 CHF zur Verfügung. Eine stattliche Summe, mit welcher man versuchen muss, seinen Spassfaktor zu optimieren.

Anbei die 8 Regeln zum Projekt 888: 

  1. Jedem Teilnehmer steht ein Haushaltsbudget von 888 CHF zur Verfügung.
  2. Es sollte versucht werden, durch Ausschöpfen von Synergien das heutige Leistungsniveau aufrecht zu erhalten.
  3. Leistungsabbau gilt es zu vermeiden. Nur im Notfall sollte man mit leerem Magen ins Bett gehen. 
  4. Mit transitorischen Aktiven / Passiven ist zurückhaltend umzugehen.
  5. Apéro-Crashing ist explizit erwünscht. 
  6. Schmarotzertum ist während dem Projekt erlaubt. 
  7. Das nicht aufgebrauchte Budget ist einem wohltätigen Zweck zu spenden. 
  8. Es ist nicht erlaubt, WC-Papier am Arbeitsplatz zu klauen!

Sparschwein3

Heute im Fokus: Zusammenfassung aus dem Literature Review über die „Journalistische Rollen im Wandel“

Bardoel und Deuze (2001) haben basierend auf den Schlüsselcharakteristiken des Internet (Interaktivität, individualisierte Inhalte, Hypertext und Multimedialität) die grundsätzlichen Veränderungen im journalistischen Rollenbild beschrieben. Die Funktion als Mittelsmann wird zukünftig abgebaut. Dafür wird vermehrt die Funktion als Netzwerkjournalist eingenommen, welcher den steigen Bedarf nach Orientierung deckt. Bowman und Willis (2003 & 2005) konzentrierten sich auf den Bürgerjournalismus und stellten ihre Erkenntnisse in einem Modell (Media Ecosystem) dar. Sie forderten zusätzlich, dass sich die Ausbildung im Journalismus verändern muss und neue journalistische Fertigkeiten gefragt sind. Sie haben deutlich herausgearbeitet, dass Journalisten verstärkt zu Infrastrukturanbieter werden. Bucher und Büffel (2005) setzen ihren Fokus auf die Veränderung der journalistischen Organisation und journalistischen Prozesse. Am konkreten Beispiel von Weblogs zeigen sie auf, wie ein nicht-institutionalisierter Journalismus entstanden ist. Sie stellen die Organisationsformen der klassischen Medien deren der neuen Medien gegenüber. Quandt (2005) stellt durch eine empirische Beobachtungsstudie bei Journalisten fest, dass Online-Journalisten immer noch journalistisch arbeiten. Er erläutert, dass Online-Journalisten vermehrt zu Distributions-Journalisten werden. Bruns (2009) legt die Veränderung der Rollenbilder anhand der Gatekeeper- und Gatewatcher-Modelle dar. Besonders bei der Eingangsstufe sei das Gatekeeping am meisten bedroht und die Qualitätskontrolle verschiebe sich auf die Ausgangsstufe. Die Rolle der Journalisten sei nicht mehr die des „Öffentlich-Machens“, sondern die des „Öffentlicher-Machens“. Steensen (2009) wendet den „grounded theory“ Ansatz an und identifiziert aus seiner Fallstudie folgende fünf Faktoren, welche bezüglich Innovation in Online Newsrooms relevant sind: Autonomie des Newsroom, Arbeitskultur im Newsroom, Rolle des Management, Relevanz neuer Technologien und innovative Individuen. Neuberger und Quandt (2010) kommen zum Schluss, dass infolge der Knappheit an Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen auf Seiten der Rezipienten die Leistung einer nachträglichen Selektion und Prüfung des bereits Publizierten bedeutender wird. Zudem ermitteln Sie drei Typen öffentlicher Kommunikation: Professionell-redaktioneller Journalismus, partizipativer Journalismus und technische Vermittlungsleistungen. Ebermann et al. (2010) verwenden Netzwerkanalysen als Technik, um herauszufinden, welche Rolle Journalisten auf Twitter spielen. Sie konnten anhand eines Fallbeispiels eines Journalisten zeigen, dass Berufskollegen ihn als Aggregator von spezifischen Quellen verwenden und er für diese Berufsgruppe eine Opinion-Leader-Rolle einnimmt. Mast (2011) fragt direkt bei den Chefredakteuren von Zeitungen nach, wie diese die Veränderungen einschätzen. Die Umfragen stellen fest, dass Zeitungen sich von einem Nachrichtenmedium zu einem Analysemedium verändern. Sie identifiziert vier Dimensionen der publizistischen Leistungen von Zeitungen in der Zukunft: Wächterfunktion, Orientierung, Bündelung und Vernetzung.

Zusammenfassung Literature Review

Journalistische Rollen im Wandel

Heutiger Artikel im Fokus: Zeitungsjournalismus im Internetzeitalter – Umfragen und Analysen (Mast, 2011)

Der Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft und Journalistik an der Universität Hohenheim hat in den Jahren 2002, 2006 und 2009 eine Umfrage zur Zukunft der Zeitungen bei Chefredakteuren deutscher Tageszeitungen durchgeführt.[1] Claudia Mast, Professorin am Lehrstuhl, dokumentiert die zentralen Umfrageergebnisse und analysiert die Entwicklung. Die während der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 durchgeführte Umfrage zeigte deutlich, dass sich die Zeitung von einem Nachrichtenmedium zu einem Analysemedium verändert. Auch in der Tagespresse sind vertiefende und themenbezogene Analysen im Trend.[2] Das Internet und die Crossmedialität sind in der Umfrage von 2009 endgültig bei den Befragten angekommen. 88% der Chefredakteure vermuten, dass zukünftig die gedruckten Zeitungen stärker durch diversifizierte mobile Angebote ergänzt werden.[3] Die Zeitungen haben erkannt, dass sie die wirtschaftliche Berichterstattung stärken müssen. Sie dürfen sich nicht mehr nur eine politische „Wächterfunktion“ einnehmen.[4] Die Chefredakteure befinden sich auf dem Weg zum modernen Analysejournalisten. So sehen 75% der Befragten den Trend „Einbeziehung redaktionsexterner Experten“, 73% „Ressortübergreifende Bearbeitung von Themen“, 66% „Erklärung komplexer Sachverhalte durch Bilder und Grafiken“, 64% „Exklusive Themen / Exklusivnachrichten“ und 51% den Trend „Schreiben von Magazinstory“.[5]

Mast fasst die unterschiedlichen Entwicklungen für die Zeitungen präzise zusammen. Laut ihrer Argumentation müssen die Leser künftig für Journalismus mehr bezahlen, da die Werbeeinnahmen im 2009 zum ersten Mal unter den Vertriebserlösen am deutschen Zeitungsmarkt lagen.[6] Die technische Entwicklung hat mehrere Wirkungen. Journalisten verlieren ihre Gatekeeper-Rolle, neue Medienkanäle entstehen und Kommunikation beschleunigt sich.[7] Die Menge an Nachrichten steigt und diese Informationslawine bringt Glaubwürdigkeitsrisiken für die Journalisten mit sich, da die Zeit für gründliche Recherche teilweise fehlt. [8] Und der Wettbewerb um exklusive Themen und Nachrichten stellt auch ein Reputationsproblem dar, da dadurch auch Irrelevantes produziert wird.[9]

Basierend auf den Umfrageergebnisse unter den Chefredakteuren fasst Mast die publizistischen Leistungen für Zeitungen in der Zukunft in vier Dimensionen zusammen (Vgl. Abbildung unten). Journalisten übernehmen einerseits eine Wächterfunktion, welche Behauptungen prüft, Relevantes von Irrelevantem trennt und als kritische Instanz gegenüber interessengebundener Informationen auftritt. Durch Einordnen, Strukturieren und Bewerten geben Journalisten dem Leser Orientierung. Damit die Lesenden in der Informationsflut nicht untergehen, übernehmen Journalisten für sie die Bündelung von relevanten, nützlichen und erzählenswerten Informationen. Die Kommunikationsbeziehung zwischen Produzent und Konsument ist nicht mehr einseitig, sondern die Journalisten helfen die Lesenden in interaktive Kommunikationsbeziehungen einzubinden. So werden die Lesenden thematisch eingebunden und mobil begleitet.[10] Mast formuliert die These, dass Zeitungen eine „Star-Position“ einnehmen könnten, d.h. eine Position mit vielen Kommunikationsbeziehungen in der heutigen Netzwerkkommunikation, unter der Bedingung, dass sie moderieren, Schnittstellen darstellen, den Netzwerken relevante Informationen liefern und publizistische Leistungen von hohem Wert und Qualität bieten.[11]

Die Untersuchungen von Mast sind dahingehend erwähnenswert, da sie mit der Methode der Befragung die Einschätzung der involvierten Journalisten direkt abholt. Anders als bei den meisten Untersuchungen in diesem Themengebiet befragte sie nicht Online-Journalisten, sondern Journalisten bzw. Chefredakteure im klassischen Zeitungsjournalismus. Durch die wiederholenden Umfragen konnten einzelne Tendenzen über die Zeit aufgezeigt werden. Die inhaltlichen Erkenntnisse anderer Untersuchungen konnten dadurch bestätigt werden.

Mast 2011
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[1] Mast, 2011, S. 9.

[2] Mast, 2011, S. 62.

[3] Mast, 2011, S. 30.

[4] Mast, 2011, S. 31.

[5] Mast, 2011, S. 32.

[6] Vgl. Mast, 2011, S. 60.

[7] Vgl. Mast, 2011, S. 60.

[8] Vgl. Mast, 2011, S. 60.

[9] Vgl. Mast, 2011, S. 61.

[10] Vgl. Mast, 2011, S. 65.

[11] Vgl. Mast, 2011, S. 67.

Heutiger Artikel im Fokus: Die Rolle von Journalisten in Sozialen Medien am Beispiel Twitter (Ebermann et al., 2010)

Die Untersuchung von Ebermann et al. geht der Frage nach, ob die journalistische Funktion als Mittelsmann belegt werden kann und welche Rolle Journalisten in den neuen Medien spielen.[1] Als Untersuchungsmethode wurde eine Fallstudie mit einer explorativen Inhaltsanalyse gewählt. Als Technik diente die soziale Netzwerkanalyse.[2] Im Rahmen dieser Fallstudie wird die Rolle des New York Times Journalisten Robert Mackey untersucht, wie er im Kontext der Unruhen nach den Wahlen im Iran den Microblogging-Dienst Twitter nutzt.[3] Dabei wird analysiert, wie das Zusammenspiel zwischen Medienproduzenten und Medienrezipienten innerhalb sozialer Netzwerke funktioniert.[4]  Als Modell wird die Theorie des „Two-Step flow of Communication“ von Katz und Lazarsfeld verwendet.[5]

Es konnte aufgezeigt werden, dass Robert Mackey in der Gruppe der am Thema Iran interessierten Journalisten der New York Times eine Opinion-Leader-Rolle einnimmt. Seine Berufskollegen nutzen ihn als Aggregator von Iranquellen. Bei der Gruppe der am Thema Iran Interessierten (nicht Journalisten) wird er als eine von vielen Quellen wahrgenommen, jedoch weist er keine Merkmale eines Opinion-Leader auf.[6] Der Journalist nimmt in der Fallstudie eine Mittlerrolle zwischen nutzergenerierten Inhalten und vernetzter Leserschaft ein.[7] Twitter ermöglicht den Journalisten mit seiner Leserschaft in Kontakt zu treten und sich zu vernetzen.

Als Limitierung dieser Forschung ist das Untersuchungsdesign zu erwähnen. Die Fallzahl beschränkte sich auf eine Person, es wurde eine Extremsituation gewählt (Unruhen im Iran) und man wählte für die Untersuchung einen berühmten Journalisten und Blogger.[8] Da sich dieser Forschungsbereich in einer frühen Phase befindet, war die Untersuchungsmethode sicherlich gerechtfertigt. Es konnten durch die Untersuchung erste relevante Erkenntnisse über die Rolle von Journalisten gewonnen werden und Hypothesen für weitere Forschungen entwickelt werden.

Ebermann et al. 2010


[1] Vgl. Ebermann et al., 2010, S. 2.

[2] Vgl. Ebermann et al, 2010, S. 8.

[3] Vgl. Ebermann et al., 2010. S. 1- 2.

[4] Ebermann et al., 2010, S. 4.

[5] Ebermann et al., 2010, S. 5

[6] Ebermann et al., 2010, S. 21

[7] Ebermann et al., 2010, S. 23

[8] Ebermann et al., 2010, S. 21

Heutiger Artikel im Fokus: Internet-Journalismus: Vom traditionellen Gatekeeping zum partizipativen Journalismus (Neuberger & Quandt, 2010)

Neuberger und Quandt gehen in ihrem Beitrag zwei Fragen nach. Erstens analysieren sie, wie der professionelle Journalismus ins Internet expandiert. Und Zweitens untersuchen sie, wie sich die Öffentlichkeit und damit auch der Journalismus durch das Internet ändert.[1]

Sie zeigen auf, dass häufig die etablierte Inhaltsherstellung mit Redaktionen in den Online-Journalismus übernommen wurde, obschon die klassische Redaktionsstruktur für die Her- und Bereitstellung von Informationen nicht mehr notwendig ist.[2] Die häufige formulierte Vermutung, dass der Journalist im Internetzeitalter zu einem Multimedia-Journalisten mutiert, konnten sie widerlegen.[3] Sie kommen zur Erkenntnis, dass sich der professionelle Internet-Journalismus nicht grundsätzlich vom traditionellen Journalismus unterscheidet. Die Arbeit und Struktur eines Online-Journalisten weicht weniger vom Kernmerkmal des Journalismus ab als vermutet.[4] Allerdings kann eine Verschmelzung und Weiterentwicklung der beiden Bereiche identifiziert werden.

In der zweiten Forschungsperspektive zu neuen Ausprägungen des Journalismus im Internet beschreiben sie zuerst die Vereinfachung des kommunikativen Zugangs zur Öffentlichkeit für alle. Dadurch wird – wie bereits schon mehrmals gehört – die zentrale Rolle der Journalisten als Gatekeeper in Frage gestellt. Die Organisationen erhalten einen unvermittelten Zugang zu ihren Bezugsgruppen, es kommt zu einer Disintermediation in der Öffentlichkeit. Dadurch verlieren die journalistischen Vermittler teilweise ihre Funktion. Mit den Änderungen kommt es jedoch auch zu neuen Funktionen für Journalisten. Die Rezipienten sind teilweise quantitativ und qualitativ mit der Informationsflut überfordert. Wie Neuberger und Quandt es auf den Punkt bringen, „herrscht nicht mehr Knappheit an Verbreitungskapazität, sondern Knappheit an Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen auf Seiten der Rezipienten.“[5] Dank dieser neuen Kommunikationsprobleme können journalistische Mediatoren wichtige Funktionen übernehmen. Da eine flächendeckende Qualitätssicherung vor dem Publizieren fehlt und dadurch viel Informationsmüll veröffentlicht wird, wird die Leistung einer nachträglichen Selektion und Prüfung des bereits Publizierten bedeutender.[6] Der Gatekeeper wird zum Gatewatcher. Da die professionellen Journalisten selbst weniger Informationen produzieren werden, bleibt mehr Zeit, die Rolle eines Organisators und Moderators zu übernehmen. Sie können und sollen die Kommunikation von Nutzern fördern. Trotz der Verschiebung der journalistischen Rolle im Online-Journalismus zum Gatewatcher betonen Neuberger und Quandt, dass Gatekeeping in den klassischen Massenmedien von entscheidender Bedeutung bleibt.[7] Insbesondere für die weiteren Forschungsarbeiten relevant sind die von Neuberger und Quandt identifizierten drei Typen der Vermittlung öffentlicher Kommunikation: Professionell-redaktioneller Journalismus, partizipativer Journalismus und technische Vermittlungsleistungen.[8] Unter partizipativem Journalismus verstehen sie, dass durch Nutzerplattformen zu journalistischen Themen (beispielsweise Wikinews) und Individualformate (beispielsweise Weblogs) jeder journalistische Inhalte selbst produzieren kann. Da die Teilnehmenden in diesen Netzwerken auch Vermittler und Qualitätskontrolleure sind, ist es fraglich, ob Redaktionen als Organisationen im Internet-Journalismus noch notwendig sind.[9] Technisch gesteuerte Vermittlungsleistungen werden von Aggregatoren wie Suchmaschinen und Agenten erbracht. Diese produzieren selbst nicht Nachrichten. Es wird in Frage gestellt, ob dadurch tatsächlich journalistische Vermittlungsleistungen erbracht werden.

Neuberger und Quandt, 2010


[1] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 59.

[2] vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 63.

[3] vgl. dazu auch Bardoel & Deuze, 2001

[4] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 65.

[5] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 69.

[6] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 69.

[7] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 70.

[8] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 70 – 71.

[9] Vgl. Neuberger & Quandt, 2010, S. 71.

Heutiger Artikel im Fokus: What’s Shopping them? Toward a grounded theory of innovations in online journalism (Steensen, 2009)

Steensen untersucht anhand einer Fallstudie, welche Faktoren die Innovation in Online Zeitungen beeinflussen. Die Forschungsfrage kann sowohl dem Themengebiet „Journalistische Organisation“ als auch dem der „Journalistischen Rollen“ zugeordnet werden. Da insbesondere die Erkenntnisse auch für die journalistischen Rollen und insbesondere für den Journalisten als Individuum relevant sind, wurde diese Untersuchung in dieser Literaturarbeit ebenfalls aufgenommen. Steensen analysiert mittels einer ethnografischen Fallstudie, wie sich der Journalismus in der Norwegischen Online Zeitung dagblatet.no entwickelt hat. Innovation wird in seiner Studie als Prozess verstanden, in welchem organisatorische Strukturen und individuelle Mitarbeitende miteinander interagieren. Seine Arbeit baut auf der Erkenntnis von Boczkowski auf, welcher folgende drei relevanten Faktoren für Innovationen bei Online Newsrooms aufzählt: The relationships between the print and online newsrooms as either close or distant, the representation of the intended user as either consumer or producer of information and either technically savvy or unsavvy, and the character of online newsroom practices as either reproducing editorial gatekeeping or generating alternatives to it. Different combinations of these factors have led to different path in online newsrooms”.[1] Verglichen mit früheren Forschungen wie derjenigen von Boczkowski, wagte Steensen mit seiner Schlussfolgerungen aus seiner Fallstudie eine „Grounded Theory“ bezüglich Innovation in Online Newsrooms auszustellen. Fünf Faktoren haben sich dabei als relevant herausgestellt: Die Autonomie im Newsraum, die Arbeitskultur im Newsraum, die Rolle des Management, die Relevanz von neuen Technologien und die innovativen Individuen.[2] Interessanterweise hat sich herausgestellt, dass die Macht der individuellen Journalisten in den früheren Forschungen im Innovationsprozess unterschätzt wurde.[3] Steensens Forschung zeigt auf, dass der Wandel der journalistischen Rollen nicht losgelöst von der journalistischen Organisation und umgekehrt betrachtet werden darf. Die Handlungen von individuellen Journalisten sollen in zukünftigen Forschungen bezüglich Innovation als auch bezüglich dem Wandel der Berufsgruppe Journalist nicht weiter heruntergespielt werden.

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[1] Vgl. Boczkowski, 2004, p. 171- 172.

[2] Vgl. Steensen, 2009, p. 833.

[3] Vgl. Steensen, 2009, p. 831.

Heutiger Artikel im Fokus: Vom Gatekeeping zum Gatewatching – Modell der journalistischen Vermittlung im Internet (Bruns, 2009)

Die Journalisten in traditionellen Medien haben über Jahre die Funktion eines Gatekeepers eingenommen. Journalisten hatten die Kontrolle, welche Inhalte an die Öffentlichkeit gelangen. Das Internet hat diesen Ansatz verändert. Dem Journalisten kommt weniger eine Bewachungsfunktion zu, sondern eher eine Beobachtungsfunktion. Er wird zu einem Gatewatcher. Bruns untersucht den Wandel vom Gatekeeping zum Gatewatching im Nachrichtenjournalismus in seiner Forschungsarbeit.

Er beschreibt den traditionellen Nachrichtenprozess mit seinen drei Gatekeeping-Stufen.[1] In der Eingangsstufe werden die Neuigkeiten und Informationen durch professionelle Journalisten gefiltert und nur die relevanten Informationen in den Nachrichtenproduktionsprozess eingelassen.[2] Bei der Ausgangsstufe werden durch eine geschlossene Hierarchie in der Redaktion die Nachrichtenberichte in die Medien entlassen. Die Rezipienten haben auf der Antwortstufe die Möglichkeit, durch Briefe oder Anrufe mit den Medienunternehmen Kontakt aufzunehmen. Jedoch auch in dieser Stufe übernehmen die Journalisten eine Gatekeeper-Funktion, indem sie eine Selektion der Reaktionen der Leser, Hörer und Zuschauer vornehmen.

Beim Internet hingegen übernehmen Journalisten vermehrt die Rolle von Gatewatcher. Dank des Internets wird es den Nutzer einfach gemacht, selbst Produzent von Medieninhalten zu werden. Beim Internet besteht keine Notwendigkeit, die Seitenzahl bei Zeitungen oder die Sendezeit bei Radio und TV-Programmen einzuhalten. Das technische Motiv für Gatekeeping an der Ausgangsstufe entfällt.

Besonders bei der Eingangsstufe ist das Gatekeeping am meisten bedroht. Jeder und jede kann selbst zu Produzenten von Medieninhalten werden. Journalisten übernehmen die Rolle von Beobachter. Sie beobachten, welches Material interessant sein könnte und verwandeln dieses Rohmaterial in strukturierte und aktuelle Berichte.[3] Sie publizieren diese Neuigkeiten, welche an sie herangetragen werden und kombinieren mehrere Neuigkeiten miteinander. Wie Bruns ausführt, haben Journalisten heute nicht mehr die Rolle des „Öffentlichmachen“, sondern präziser die des „Öffentlicher-Machens“.[4] Der von Bruns entwickelte Gatewatcher-Nachrichtenprozess besteht aus folgenden vier Stufen: Gatewatching, Eingang, Ausgang und Antwort.[5] Das Gatewatching von Nachrichtenquellen steht allen Nutzer offen, welche bei der Eingangsstufe von jedermann eingesendet werden kann. Die Journalisten publizieren diese Nachricht sofort oder bearbeiten einen kollaborativen Bericht. In der Antwortstufe steht jedem Nutzer offen, zu diskutieren und zu kommentieren.[6]

Gatewatching kann auf allen Stufen des Modells von Bruns stattfinden. Seine Analysen zeigen auf, dass es den Journalisten einfacher fällt, auf die redaktionelle Kontrolle bei der Eingangsstufe zu verzichten als bei der Ausgangs- und Antwortstufe.[7] Aus Sicht der Journalisten erhalten sie infolge der Lockerung auf der Eingangsstufe mehr Nachrichtenmaterial und gleichzeitig schadet es ihnen nicht, da mittels der bestehenden Qualitätskontrolle auf der Ausgangstufe die journalistische Professionalisierung eingehalten wird.

Die Untersuchung von Bruns zeigt eindrücklich den Wandel von Gatekeeper zum Gatewatcher im Journalismus auf. Journalisten werden immer weniger zu Inhaltsproduzenten, welche diese Informationen öffentlich machen, sondern eher zu Aufbereiter und Vermittler, welche bestehende Informationen anreichern und kombinieren und anschliessend öffentlicher machen. Für zukünftige Forschungen wäre es interessant, die Qualität von Informationen mit dem Wegfall der journalistischen Kontrollmechanismen zu untersuchen. Wie verändert sich die Qualität von Berichten, wenn sich immer mehr nicht-professionelle Akteure als Produzenten probieren. Ebenso wäre es eine Untersuchung wert, wie viele der Lesenden auch tatsächlich zu aktiven Producer werden. Dabei könnte das Producing noch genauer kategorisiert werden. Denn einige Lesende begnügen sich damit,  mit den Informationen arbeiten und diese in ihre soziale Welt einfügen zu können.

Bruns, 2009


[1] Vgl. Abbildung 6.

[2] Vgl. Bruns, 2009, S. 2.

[3] Vgl. Bruns, 2009. S. 9

[4] Vgl. Bruns, 2009, S. 9.

[5] Vgl. Abbildung 6.

[6] Vgl. das Modell von Bruns, 2009, S. 9.

[7] Vgl. Bruns, 2009, S. 19-20

Heutiger Artikel im Fokus: (R)Evolution des Journalismus? Online Journalismus zwischen Tradition und Innovation (Quandt, 2005)

Quandt versucht in seiner Studie herauszufinden, ob sich das journalistische Arbeiten als Online-Journalisten gegenüber dem traditionellen Journalisten verändert hat. Ziel der Erforschung ist es, Muster im Handeln von Online-Journalisten zu identifizieren. Bei verschiedenen Online-Reaktionen hat er dazu eine empirische Beobachtungsstudie durchgeführt.[1] 10‘826 Handlungen oder eine kumulierte Arbeitsdauer von 405 Stunden fanden Eingang in die Studie.[2]

Online-Journalisten weisen eine extrem hohe Handlungsfrequenz auf. Eine durchschnittliche Arbeitshandlung dauert lediglich 2 Minuten und 14 Sekunden.[3] Die Online-Journalisten scheinen journalistisch zu arbeiten. Einen Grossteil der Arbeitszeit wird für journalistische Tätigkeiten wie Kommunikation (ca. 15% der Gesamtzeit), Such- und Selektionstätigkeiten (ca. 32 % der Gesamtzeit) sowie das Schreiben (ca. 22% der Gesamtzeit) aufgewendet.[4] Mehr als die Hälfte der für das Schreiben aufgebrachten Zeit wird für das Umarbeiten und Redigieren verwendet. Lediglich 24% der Zeit fürs Schreiben wird für das selbstständige Schreiben verwendet.[5] Somit verwendet ein Online-Journalist lediglich 5% (0.24 x 22%) seiner gesamten Arbeitszeit für die eigenständige Textproduktion. Für Produktionstätigkeiten wird lediglich 6% der Gesamtarbeitszeit aufgewendet.[6] Dies spricht dafür, dass die Online-Journalisten keine multimedialen Inhalte selbständig produzieren. Diese Untersuchung widerspricht den früheren Vermutungen vieler, wie beispielsweise jener von Bardoel & Deute.[7]

Aus der Studie lässt sich der Trend erkennen, dass Online-Journalisten vermehrt zu Distributions-Journalisten werden, welche sich stark am Material der Nachrichtenagenturen und Netzquellen bedienen und dieses lediglich noch umschreiben. Der Online-Journalist verwendet mehr Zeit für das Redigieren und Umschreiben von existierenden Ausgangstexten als für das Schreiben von eigenen Beiträgen. Die Studie von Quandt zeigte, dass sich die Tätigkeiten der Journalisten im Online-Bereich verändern, jedoch blieb eine Revolution des Journalismus aus. Da die Studie bereits mehrere Jahre zurückliegt, wäre es interessant, diese Beobachtung zu wiederholen und zu eruieren, wie sich die Rolle in den letzten drei Jahren verändert hat.

Quandt


[1] Vgl. Quandt, 2005, S. 163.

[2] Vgl. Quandt, 2005, S. 175.

[3] Vgl. Quandt, 2005, S. 176.

[4] Vgl. Quandt, 2005, S. 178.

[5] Vgl. Quandt, 2005, S. 179.

[6] Vgl. Quandt, 2005, S. 177.

[7] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.