Archive für Marketing

„Mehr Experimentieren“ ist zum allgegenwärtigen Schlachtruf der Medienbranche geworden. Bernhard Brechbühl experimentiert seit Oktober 2013 mit Storyfilter.com. Ich persönlich bin ein Fan von Experimenten und verfolge Medien-Neustarts wie Storyfilter.com mit grossem Interesse. Ich erachte es als unglaublich bewundernswert, wie Bernhard Brechbühl die Viralität beherrscht. So generiert er in regelmässigen Abständen virale Schleudern, welche auf Social Media heftig geteilt werden. Als 1-Mann-Business hat er es beispielsweise im März 2014 auf Platz 26 der Social-Media-News-Charts von 1000 Flies geschafft – Knapp hinter 20 Minuten Online und vor Blick.ch. Beim Thema Traffic pro FTE oder Socal Media Interaktionen pro FTE bekomme ich bei Storyfilter.com als Betriebswirt funkelnde Augen. Respekt.

Storyfilter

Social-Media-News-Charts von 1000 Flies im März 2014

Experimente sind agil und verändern sich. Beim Experimentieren lernt man dazu und wird klüger. Und in diesem Sinne ist mir folgendes Learning von Storyfilter.com aufgefallen.

Früher (am 03. Oktober 2013)

Zum Start von Storyfilter.com hat Bernhard Brechbühl persönlich.ch ein Interview gegeben. Das Interview ist am 4. Oktober 2013 unter dem Titel „Wir wollen die Goldwäscher in der Content-Flut sein“. Auf die Frage, wie er denn zukünftig Geld verdienen wolle, hat er u.a. wie folgt geantwortet: „Ich habe eine tiefe Abneigung gegen Bannerwerbung. Diese nervenden Blinkebanner mit Klickraten von weniger als 1 Prozent sind kein gutes Produkt.“

Storyfilter

Auszug aus dem Persönlich-Interview

Heute:

Wenn man heute auf Storyfilter.com surft, dann sieht es so aus:

Storyfilter mit Werbung

TRANSPARENZ-BOX: Ich arbeite als Leiter Unternehmensentwicklung bei watson, dem neuen Mobile-Newsportal der Schweiz. Meine Brille ist subjektiv. Bei sämtlichen Medienexperimenten und Innovationen im Medienbereich hoffe ich auf gutes Gelingen.

 

Mitte Juni 2014 durfte ich im Rahmen des MAS-Studiengang „Digital Business“ der HWZ eine Studienreise ins Silicon Valley unternehmen. Wir haben von San Francisco aus u.a. Evernote, Facebook, Instagram, Airbnb, Techchrunch und LinkedIn besucht und ergänzend an der Stanford University einige inspirierende Zeit verbracht. Für mich persönlich sind ein paar Schlagwörter und Slogans hängen geblieben, welche ich anbei gerne auf meinem Blog veröffentliche.

Nun die fünf Punkte, die aus meiner Sicht am bemerkenswertesten waren:

1. „Done is better than perfect.“

Digitale Produkte, die zu 80% fertig sind werden auf die User losgelassen. Diese sollen beurteilen wie gut das Produkt ist und wo noch geschraubt werden muss. Mut zahlt sich aus. Digitale Produkte sind nie fertig.

Kaffeeecke bei Airbnb

Kaffeeecke bei Airbnb

2. Scheitern ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht

Eine Firma gegen die Wand fahren heisst erleben und gelernt haben. Eine wichtige Voraussetzung für nächste grosse Projekte. Der mehrmals mit einer Neugründung gescheitert ist, ist auf dem Arbeitsmarkt sehr viel wert, weil er nun weiss, wie man es nicht machen darf.

Design Thinking an der Stanford University

Design Thinking an der Stanford University

3. “Nothing is a mistake. There’s no win and no fail. There’s only MAKE.“

Im Silicon Valley fürchtet man sich nicht vor Fehltritten. Man nimmt sich Zeit und Raum (und natürlich ein paar Dollars) und setzt um, probiert aus, testet.

NO Fail

There’s only make! Spruch an der Stanford University (School of Design)

4. “Free food is mainly a benefit for the employer.“

Was nach paradiesischen Zuständen tönt ist nichts anderes als emotionale und zeitliche Bindung der Mitarbeitenden an den Arbeitsplatz. Ein Investment, welches sich scheinbar bei allen befragten Firmen auszahlt – nicht nur bei Google. „Free Food“ gehört im Silicon Valley zu einem Standard-Benefit. Die Mitarbeitenden kommen früher zur Arbeit, gehen über Mittag nur kurz mit ihren Arbeitskollegen intern essen und reden selbstverständlich zu 90% über das Business. Und am Abend bleiben die Mitarbeitenden länger.

Der "Take-what-you-need"-Automat bei Evernote

Der „Take-what-you-need“-Automat bei Evernote

5. Digitale Talente und Leaders im Silicon Valley zu finden – und dann auch zu halten – ist harte Arbeit

Employer Branding geniesst einen unglaublich hohen Stellenwert, da der Wettbewerb auf dem Arbeitgebermarkt extrem gross ist. Jeder will die Besten. Und tut dafür auch Entsprechendes. Nur wer die besten Talente für sich gewinnen und halten kann, wird langfristig erfolgreich sein.

Lounge-Bereich bei Facebook

Lounge-Bereich bei Facebook

Mein persönliches Fazit: 

Die Welt im Silicon Valley ist eine eigene Welt, welche sich nicht 1:1 in die Schweiz übertragen lässt. Wir können und sollten nicht alles kopieren. Aber persönlich habe ich den Eindruck bekommen, dass eine Übernahme mehrerer Elemente dieser (schon fast surrealen) Arbeitskultur notwendig ist, um dem immer stärker werdenden internationalen Wettbewerb um Talente und „Digital Natives“ Paroli bieten zu können.

Einen ausführlichen Bericht unserer HWZ-Gruppe und des Aufenthaltes hat unsere Klasse in Blogform unter http://fachstellesocialmedia.ch/study-tour-ins-silicon-valley-2014-tag-4-scandit-airbnb-und-gigaom/ aufgeschaltet.

Swisscom und Tamedia wollen Verzeichnisdienste gemeinsam weiterentwickeln. Tamedia besitzt 75% an Search.ch und wird nun die restlichen 25% von der Schweizerischen Post abkaufen. Swisscom besitzt die Hälfte von Local.ch und will die PubliGroupe kaufen und würde folglich 100% an Local.ch besitzen. Nach diesen Transaktionen werden Swisscom und Tamedia Local.ch und Search.ch in eine gemeinsame Tochtergesellschaft einbringen. Die Swisscom wird 69% an der gemeinsamen Tochtergesellschaft halten und das Unternehmen konsolidieren. Tamedia erhält die restlichen 31 Prozent. Das vereinbarte Beteiligungsverhältnis entspreche der Bewertung der beiden Unternehmen, erklärte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer gegenüber AWP. Geld fliesst also keines.

Machen wir ein kleine, falsche Vorher-Nachher-Matheübung. Gehen wir davon aus, dass Swisscom bereits im letzten Jahr 100% an Local.ch und Tamedia 100% an Search.ch besessen hätten.

Vorher:

Swisscom hätte 2013 mit Local.ch (100%) ein Betriebsergebnis (EBIT) von 51,7 Mio. CHF erzielt (Quelle: Geschäftsbericht 2013 PubliGroupe) Tamedia hätte 2013 mit Search.ch (100%) ein negatives EBITDA (nehmen wir -1 CHF an) erzielt (Quelle: Präsentation Jahreszahlen 2013 am 13. März 2014). Damit wir besser rechnen können, gehen wir von der falschen Annahme aus, dass EBITDA = EBIT ist.  D.h. Tamedia hätte ein negatives EBIT von -1 CHF mit Search.ch erzielt.

Nachher:

Nun überlegen wir uns, wie das Betriebsergebnis mit der neuen Tochtergesellschaft (Search.ch // Local.ch)  auf Basis der Ergebnisse 2013 aufgeteilt worden wäre: Die Tochtergesellschaft hätte ein EBIT von 51,7 Mio. CHF minus 1 CHF erzielt. Die Swisscom hätte 35,7 Mio. EBIT (69%) erhalten. Und die Tamedia hätte 16 Mio. CHF EBIT (31%) erhalten.

Anmerkung:

Die Rechenübung ist natürlich voller Fehler und basiert auf Vergangenheitswerten. Die Rechenübung berücksichtigt das zukünftige Potential, die Positionierung, die Businesspläne etc. nicht. Aus diesem Grund hüte ich mich davor, auszusprechen, für welche Partei der mögliche Deal besser erscheint. TRANSPARENZ-BOX: Von Januar 2012 bis Januar 2014 arbeitete der Autor dieses Blogposts als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung von Tamedia. Er war in keiner Weise im Projekt rund um „PubliGroupe“ involviert. Bei sämtlichen Zahlen und Informationen im Blogpost handelt es sich um öffentlich zugängliche Informationen von Tamedia, Swisscom und PubliGroupe.

Was für ein Filetstück – Local.ch generierte 2013 einen Nettoumsatz von 200 Mio. CHF und erzielte ein Betriebsergebnis von 53 Mio. CHF

Search.ch

Search.ch – Quelle: Präsentation Jahreszahlen 2013, 13. März 2014

PubliGroupe

Local.ch – Quelle: Geschäftsbericht PubliGroupe 2013

 

Alle Monate wieder fiebert die Schweizer Online-Branche dem 6. Arbeitstag entgegen: Dann erscheinen die neuesten Net-Metrix-Zahlen. Im Mai liegen nun erstmals die Werte für tagesanzeiger.ch nach der Einführung der „Metered Paywall“ vor. Die Nutzung von weniger als 20 Artikeln pro Monat ist weiterhin kostenlos. Werden pro Monat mehr als 20 Beiträge gelesen, bietet der „Tages-Anzeiger“ fünf unterschiedliche Abonnements an. Der Tages-Anzeiger erreichte im ersten Monat mit Paywall 1,9 Millionen Unique Clients. Anders ausgedrückt: Auf das Webangebot von tagesanzeiger.ch wurde mit 1’893’000 verschiedenen Geräten (Smartphones, Tablets, PC) zugegriffen. Die Anzahl an Unique Clients  ist gegenüber den Vormonaten ohne „Metered Paywall“ relativ konstant. D.h. es greifen auch nach Einführung der Paywall noch gleich viele Geräte auf die Nachrichten von tagesanzeiger.ch zu. Anders sieht es jedoch bei der Anzahl Visits (Besuche) und den Page Impressions (Seitenaufrufe) aus. Im April zählte der tagesanzeiger.ch 16 Mio. Visits (Vormonat 20 Mio. Visits). Dies bedeutet ein Rückgang von 20%. Bei den Page Impressions fiel der Rückgang noch deutlicher aus. Tagesanzeiger.ch generierte im April 2014 insgesamt knapp 91 Mio. Page Impressions (Vormonat 143,5 Mio.) Dies bedeutet ein Rückgang von 37% bei den Page Impressions. 

Selbstverständlich variieren die monatlichen Werte auch je nach Newslage und dürfen nicht ohne Vorsicht miteinander verglichen werden. Der Monat April war bei den meisten Newsportalen schlechter als der Vormonat. Doch auch wenn man die Zahlen der Tagesanzeiger-Partnerseiten bernerzeitung.ch, baslerzeitung.ch und derbund.ch analysiert, muss folgendes festgestellt werden: Der Rückgang bei tagesanzeiger.ch nach Einführung der „Metered Paywall“ ist im Monat April 2014 massiv. 

Aus meiner persönlichen Sicht hat der Rückgang vermutlich folgende zwei Hauptgründe: 

  1. Wenn die Zahlungseinladung nach 20 gelesenen Beiträgen erscheint, verabschieden sich viele User vom tagesanzeiger.ch
  2. Der User hat immer die „böse Paywall“ im Hinterkopf und überlegt sich jeweils gut, ob er noch einen weiteren Artikel lesen will oder den Klick lieber auf später aufspart. Vermutlich hat der User auch Angst, Bildergalerien anzuschauen, da er nicht genau weiss, ob dies auch gezählt wird.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Leser zukünftig noch besser ans Bezahlen von digitalen Inhalten gewöhnen und die digitalen Inhalte von tagesanzeiger.ch wieder intensiver nutzen.

TRANSPARENZ-BOX: Der Auto dieses Blogposts ist Unternehmensentwickler bei watson.ch und hat davor als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung bei Tamedia gearbeitet. Der Autor ist gefühlt seit seiner Kindheit treuer Leser und grosser Fan vom Tages-Anzeiger. Dem Autor gefällt der neue Auftritt vom Tages-Anzeiger ausgezeichnet und er vertritt die Meinung, dass neue Geschäftsmodelle für digitale Inhalte ausprobiert werden müssen. 

tagesanzeiger.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

tagesanzeiger.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

Zahlungseinladung

Zahlungseinladung

bernerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

bernerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

baslerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

baslerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

derbund.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

derbund.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

Basierend auf der Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung bei Schweizer Newsplattformen und der acht internationalen Newsplattformen (BuzzfeedCircaOzy MediaHuffington PostNowThis NewsQuartzViralNova & Upworthykonnten folgende fünf Erfolgsfaktoren für mobile Newsplattformen identifiziert werden: Boulevard, Viralität, eigene Reichweite auf Social Media, Orginalität und neue Werbeprodukte/Ertragsmodelle. Anbei werden die fünf Erfolgsfaktoren kurz vorgestellt.

Fünf Erfolgsfaktoren Mobile Newsplattformen

1. Erfolgsfaktor: Boulevard

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Die Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung auf Schweizer Newsplattformen hat gezeigt, dass insbesondere Boulevard-Titel über mobile Endgeräte gelesen werden. Der mobile Traffic ist im letzten Jahr bei 20 Minuten und bei Blick prozentual am meisten gewachsen. Im Dezember 2013 kamen bei 20 Minuten bereits 76% aller Visits über den mobilen Kanal. News auf dem Mobile müssen kurz und knackig sein, da die Aufmerksamkeitsspanne der User von mobilen Endgeräten nur sehr kurz ist. Der Boulevard-Aspekt ist auch bei Buzzfeed und Viralnova stark ausgeprägt. Die unterhaltsamen Listicles und Gifs bei Buzzword werden zu 50% über den mobilen Kanal gelesen.

2. Erfolgsfaktor: Eigene Reichweite auf Social Media (owned media)

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Bei Buzzfeed kommt 75% des Traffics über Social-Media-Kanäle. Immer mehr junge Menschen verfolgen nicht mehr aktiv eine Zeitungsmarke, sondern kommen über den Newsfeed auf Social Media auf aktuelle Nachrichten. Für moderne Medienunternehmen ist es daher zentral, auf verschiedenen Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram, Vine, Pinterest etc.) eine hohe Reichweite aufzubauen. So hat beispielsweise Upworthy auf ihrer Facebook-Page mehr als 5,6 Millionen Likes. NowThis News wiederum hat über 215’000 Follower auf Vine, über 88’000 Followers bei Instagram, 39’000 Followers bei Twitter und mehr als 149’000 Likes auf ihrer Facebookpage.

3. Erfolgsfaktor: Viralität (earned media)

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Im Zitat von Christopher McCandless alias Alex Supertramp „Happines is only real when shared“ aus dem Film „Into the wild“ steckt viel Wahres drin. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Für das Wachstum von mobilen Newsplattformen ist „Viralität“ ein zentraler Erfolgsfaktor. Leser erzählen ihrem Freundeskreise nur solche Geschichten weiter, welche sie selbst als wertvoll erachten. Gemäss Peretti, dem Gründer von Buzzfeed, erkennt man die Logik menschlicher Interaktionen an der Viralität von Inhalten. Bereits bei Forschungen zu „Word-of-mouth“ wurde deren Relevanz aufgezeigt. So hat beispielsweise Reichheld in seinen Untersuchungen zur Kennzahl „Net Promoter Score“ festgestellt, dass diese Kennzahl besser als alle anderen Kennzahlen mit dem Umsatzwachstum korreliert. Die Kennzahl erhält man auf die sogenannte „Ultimate Question“: „How likely is it that you will recommend company x to a friend or colleague?“. Um wachsen zu können, muss eine mobile Newsplattform den Mechanismus von Viralität verstehen und solche Geschichten erzählen, welche der Leser gerne seinen Freunden und Bekannten weitererzählt. Die Thematik der Viralität beherrschen Buzzfeed, Upworthy und ViralNova am besten.

4. Erfolgsfaktor: Originalität

Originalität

Praktisch niemand würde heute sagen, dass er ein weiteres Newsportal benötigt. In der heutigen Zeit gibt es zu viele Informationen. Neue Newsportale müssen daher einen neuen Weg beschreiten und die Lesenden auf eine andere Art und Weise überraschen. Buzzfeed hat Listicles erfunden, die neue Art über Listen Geschichten zu erzählen. Circa setzt komplett auf den mobilen Kanal und verzichtet auf eine Desktop-Version. Zudem verfolgt Circa konsequent den objektorientieren Journalismusansatz. NowThis News setzt lediglich auf Bewegtbilder. Quartz benutzt ein minimalistisches Design und ermöglicht es dem User, einzelne Sätze oder Abschnitte zu kommentieren. Ozy Media setzt stark auf visuelle Bildelemente. Huffington Post verwendet viele Beiträge von freiwilligen Autoren und ist dadurch eine Kombination aus Blog und klassischem Newsportal.

5. Erfolgsfaktor: Neue Werbeprodukte / Ertragsquellen

Neue Werbeprodukte

Der Blick auf die Werbeprodukte und Ertragsquellen zeigt klar, dass neben oder anstelle von klassischer Bannerwerbung neue Werbeprodukte und Ertragsquellen gefragt sind. Buzzfeed verzichtet komplett auf Bannerwerbung und setzt auf Native Advertising. Auch Quartz platziert klassische Bannerwerbung. Quartz geht davon aus, dass Erträge insbesondere aus Sponsoring und Events generiert werden können. Gesponserter Inhalt kann in den „Editorial-Stream“ eingebaut werden. Bei NowThis News setzt man ebenfalls auf Native Advertising. Upworthy verwendet neue Werbeprodukte wie „Ads We Like“ und „Sponsored Sections“. Klassische Bannwerbung sucht man bei Upworthy vergeblich. Circa versteht sich nicht als Medienunternehmen, sondern als Technologieunternehmen. Es ist durchaus möglich, dass Circa versuchen wird, die Circa-Software als Lizenz zu verkaufen.

Ob die neuen Newsportale auch wirtschaftlich florieren werden, ist momentan noch offen. Einerseits wird Werbung immer da sein, wo sich die Menschen aufhalten. Andererseits gehen die meisten Experten davon aus, dass die Werbepreise im digitalen Bereich massiv unter Druck geraten werden. Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung bei 20 Minuten, bringt dies wie folgt auf den Punkt: „Man sieht sich einer paradoxen Situation gegenüber: Einerseits ist man bei den digitalen Medien am goldrichtigen Ort, andererseits wird das nicht einfach ein Durchmarsch werden.“

Ich bin gespannt auf das Feedback der Blogosphäre. Welche Erfolgsfaktoren habe ich vergessen?

Bei der Story-Aggregationsseite ViralNova macht meine HSG-BWL-Seele Luftsprünge. Das sozusagen Ein-Mann-Unternehmen erzielt pro Monat mehr als 100 Millionen Visits. Die Aufwand-Ertrag-Relation scheint exzellent zu sein. Mir würde es unglaublichen Spass bereiten, die EBITDA-Margen von ViralNova zu berechnen. Anbei eine kurze Vorstellung des erfolgreichen Start-ups.

Allgemein

Im Mai 2013 startete Scott DeLong die Seite viralnova.com, welche aus emotionalen Beiträgen in Form von Bildersammlungen besteht. Der virale Faktor spielt eine zentrale Rolle bei den Geschichten. Ziel des 31-Jährigen Gründers ist es, dass die Links zu den bebilderten Geschichten auf Social-Media-Plattformen geteilt werden. Die Facebook-Page von ViralNova hat über 960’000 Likes (Stand 20. Januar 2014). Die Beiträge sind im Stil von Buzzfeed und Upworthy. Die Seite zeigt eine unglaubliche Wachstumskurve auf. Zu Beginn im Mai 2013 war die Seite gemäss Alexa.com die 443’652 beliebteste Website auf der Welt und im Januar 2014 war sie bereits auf Rang 408 der grössten Plattformen weltweit. Im November und Dezember 2013 generierte die Seite laut dem Wirtschaftsportal „Business Insider“ mehr als 100 Millionen Visits.

Redaktionelles Konzept

Oliver Burkemann hat das redaktionelle Konzept gekonnt auf den Punkt gebracht: „A constant barrage of emotional highs is all that’s left. ViralNova versucht, die Viralität zu maximieren. Die Geschichten von ViralNova sind entweder herzzerreissend, umwerfend ober überwältigend. Aus diesem Grund werden sie von vielen Lesern auf verschiedenen Social-Media-Kanälen weiterverbreitet. ViralNova versteht sich gemäss Selbstbeschreibung nicht als Newsplattform oder als Quelle für detaillierte Informationen, sondern als Story-Aggregationsseite. Dadurch ist die Plattform auch nicht der Wahrheit verpflichtet und muss seine Geschichten entsprechend nicht überprüfen.

Kommerzielles Konzept

ViralNova ist ein Low-Budget-Projekt und beschäftigt neben dem Gründer Scott DeLong lediglich zwei Freelancer. Die Monetarisierung erfolgt über den Verkauf von Display-Werbung. DeLong nutzt dabei die Werbemöglichkeiten von Google’s Display Network (Google Adsense). Business Insider geht davon aus, dass das Portal beim Werbeverkauf pro Tausend Werbeeinblendungen circa 1 Dollar erhält und pro Page Impressions mit zwei Werbeplätze zu rechnen ist. Bei monatlich circa 200 Millionen Page Impressions kann ViralNova bei Vollauslastung circa 400 Millionen Ad Impressions verkaufen. Diese Berechnung ergäbe monatliche Einnahmen von 400’000 Dollar bzw. 4,8 Millionen Dollar jährlich. Mit einem direkten Werbeverkauf könnte ViralNova die Werbeeinnahmen markant erhöhen, da der TKP bzw. CPM beim Direktverkauf deutlich höher ausfallen würde als der heute erzielte Preis über Google Adsense.

ViralNova

Vorstellung weiterer mobiler Newsplattformen: 

Es gibt heutzutage nicht nur die „Mobile first“-Strategie, sondern auch die „Tablet first“-Strategie. Wie diese funktioniert, zeigt die neue Wirtschaftsplattform Quartz.

It’s become very, very clear to me that digital trumps print, and that pure digital, without any legacy costs, massively trumps print.“ (David G. Bradley, Besitzer von Atlantic Media) 

Allgemein

Im September 2012 startete die neue Wirtschaftsplattform „Quartz“ online. Das digitale Projekt produziert Nachrichten für die vernetzte globale Welt. Die Atlantic Media Company, welche unter anderem die Titel „National Journal“ oder „The Atlantic“ herausgibt, steht hinter dem jungen Unternehmen. Gemäss eigener Auflistung auf der Homepage beschäftigt Quartz über 30 Mitarbeitende, davon sind mehr als 20 Journalisten. Hauptsitz von Quartz ist in New York City. Gemäss eigenen Aussagen verfügt Quartz über Korrespondenten und Reporter in London, Paris, Indonesien, Los Angeles und Washington.

Redaktionelles Konzept

Quartz verfolgt eine „Tablet first“-Strategie. In erster Linie ist Quartz für die mobilen Endgeräte Smartphone und Tablets konzipiert. Gemäss Quartz begann das Design mit dem iPad im Kopf. Anschliessend wurde es vom Tablet auf das kleinere Endgeräte Smartphone modifiziert und erst am Schluss auf die Desktop mit der grossen Bildschirmfläche. Bei der Kategorisierung kommt Quartz von der Gruppierung nach Ressorts weg. Die Inhalte werden nach aktuellen Themen (genannt „obsessions“) wie beispielsweise „Sochi Olympics“, „Future of Finance“ oder „Mobile Web“ gegliedert. Folglich ändert sich mit der Newslage auch die Struktur der Seite.

Kommerzielles Konzept

Anders als die Wirtschaftsmedienmarken „The Economist“, „FT.com“ oder „WSJ.com“ will sich Quartz nicht hinter einer Paywall verstecken. David G. Bradley, der Besitzer von Atlantic Media, formuliert sein Glauben an die digitale Zukunft wie folgt: It’s become very, very clear to me that digital trumps print, and that pure digital, without any legacy costs, massively trumps print.“ Das Geschäftsmodell von Quartz basiert auf Werbegelder. Quartz geht davon aus, dass Erträge insbesondere aus Sponsoring und Events generiert werden können. Auf klassische Bannerwerbung wird verzichtet und stattdessen wird gesponserter Inhalt in den „Editorial-Stream“ eingebaut. Als Gründungspartner konnte Boeing, Cadillac, Chevron und Credit Suisse gefunden werden, welche die Startphase 2012 finanzierten. Teilweise werden gewisse Features von Sponsoren präsentiert. Beispielsweise wird das neue Feature „Quartz Annotations“ von Citi präsentiert. Quartz ist es gelungen, etablierte Werbepartner wie beispielsweise Adobe, Box, Harward Business School, KPMG, Morgan Stanley, Rolex oder Sony für sich zu gewinnen.

Beim Lesermarkt hat Quartz innert kürzester Zeit viele neue Leser gewonnen. Bereits im August 2013, zehn Monate nach dem Launch, erreichte Quartz über fünf Millionen Unique User. Damit wurden die optimistischsten Prognosen von den Gründern übertroffen. Der Newsletter „Quartz Daily Brief“ hat im Januar 2014 die 50’000 Abonnentenmarke geknackt. Der Newsletter erreicht eine äusserst spannende Zielgruppe aus Führungskräften, Investoren, Unternehmen und dergleichen. Laut Angaben von Quartz liegt die Öffnungsrate des Newsletters bei über 40%, was eine deutliche höhere Rate gegenüber dem Industriedurchschnitt darstellt.

Quartz

Vorstellung weiterer mobiler Newsportale:

 

Mit Freude habe ich die Einladung von Sarah Genner angenommen, als Referent bei der Jahrestagung 2014 der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft meine Praktikerperspektive zu „Digital Natives & Hard News“ zu erläutern. Zusammen mit Konrad Weber (SRF), Lorenz König (NZZ), Olivia Kühni (Handelszeitung) und Philipp Wampfler (Kantonsschullehrer Kantonsschule Wettingen) durften wir die jungen Medienkonsumenten unter die Lupe nehmen.

Gemäss einer Studie von PWC (PWC Media & Entertainment Outlook) werden die „Digital Natives“ ab 2020 in der Mehrheit sein. Mit der Übernahme der Mehrheit durch die „Digital Converts“ 2013 wurde die Transformationsphase eingeläutet. In dieser Transformationsphase wird die DNA der Kunden fundamental geändert. Aus Businesssicht ist es daher zwingend, dass man sich mit der neuen Generation beschäftigt? Werden „Digital Natives“ noch ein Print-Zeitungsabonnement kaufen? Sind für „Digital Natives“ Medienmarken wichtig? Werden „Digital Natives“ je bereit sein, für Informationen zu zahlen? Über welche Kanäle informieren sich „Digital Natives“ über das Weltgeschehen? Welche Art von News wird von dieser neuen Generation nachgefragt? Wie muss das Geschäftsmodell angepasst werden, um mit der neuen Generation Geld zu verdienen? Wie gelingt es den klassischen Medienunternehmen, die „Digital Natives“ für sich zu gewinnen?

Bildschirmfoto 2014-04-14 um 21.06.19

Diese wichtigen Fragen habe ich selbstverständlich nicht beantwortet, sondern lediglich 6 Thesen über „Digital Natives & Hard News“ skizziert.

1. These: Mobile First

Smartphones sind die Schaltzentrale der Digital Natives. Nachrichten werden hauptsächlich über mobile Endgeräte gelesen.

2. These: Kurze Boulevardnews

Die Aufmerksamkeitsspanne der Digital Natives ist gering. Deshalb gilt für News: Je kürzer, desto besser.

3. These: Social Media als Anker

Die Bedeutung der klassischen Medienmarken nimmt für Digital Natives ab. Über Social Media werden Geschichten von unterschiedlichsten Medien konsumiert.

4. These: Verschmelzung Hard und Soft News

Hard News und Soft News verschmelzen miteinander. Digital Natives können damit umgehen.

5. These: Interaktionsmöglichkeiten

Digital Natives wollen mitreden und mitmachen – auch in den Medien.

6. These: Identität – Lokaler Bezug

Den Digital Natives ist Identität wichtig. Ein lokaler Bezug bei den News ist für die Digital Natives essentiell.

Anbei findet man die Slides meiner Präsentation: 

 

 

Um von bestehenden Newsportalen Erfolgsfaktoren abzuleiten, wurden folgende acht internationale Portale analysiert: Buzzfeed, Circa, The Huffington Post, NowThis News, Ozy Media, Quartz, Upworthy und Viral Nova. Für die Auswahl der Portale war entscheidend, dass sich die Beispiele einerseits erfolgreich behaupten und sich andererseits redaktionell und kommerziell voneinander unterscheiden. So wurden die in der Öffentlichkeit häufig diskutierten Portale Buzzfeed, Upworthy und Viralnova mitberücksichtigt. Daneben wurden auch Nischenplayer wie Quartz, welches sich an Wirtschaftsleute richtet, analysiert. Auch das spannende Bewegtbildkonzept von NowThis News oder der objektorientiere Journalismusansatz von Circa wurden untersucht. Die einzelnen Portale werden anbei anhand ihres redaktionellen und kommerziellen Konzeptes kurz vorgestellt.

Mobile Newsplattformen

Der Anfang macht heute:

Buzzfeed

Allgemein

Buzzfeed, mit Hauptsitz in New York, wurde 2006 von Jonah Peretti, Mitgründer der „Huffington Post“ gegründet. Peretti gilt als Experte für Viralität und wurde einst von der New York Times als „Viral Marketing Hot Dog“ bezeichnet. Bekannt als Medienunternehmen für das soziale Zeitalter arbeiten rund 400 Mitarbeitende für Buzzfeed, davon circa 180 Personen in der Redaktion. Buzzfeed verfolgt eine Internationalisierungsstrategie. Es gibt bereits spanisch-, französisch- und portugiesischsprachige Versionen sowie einen Ableger in Grossbritannien und Australien. In den nächsten Monaten wird Buzzfeed auch in Deutschland lanciert. Gemäss Aussage von Peretti wird das deutsche Buzzfeed mit einer Mischung aus englischen Beiträgen, deutschen Übersetzungen und eigenen Inhalten starten.

Buzzfeed weist gemäss Peretti über 140 Millionen Unique User aus. 60% davon sind die für Werbekunden interessante Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen. 50% des Traffics kommt bei Buzzfeed über den mobilen Kanal. Der wichtigste Trafficlieferant bei Buzzfeed ist Social Media. 75% des Traffics kommt über soziale Quellen wie Facebook und Twitter.

Buzzfeed Mobile

Redaktionelles Konzept

Bei Buzzfeed werden die Inhalte so aufbereitet, dass sie möglichst unterhaltsam sind und häufig in sozialen Medien geteilt werden. Zu einem grossen Teil besteht Buzzfeed aus so genannten Listicles, Artikeln im Listenformat. Die Listen im Stil von „13 Things Sales Associates Absolutely Hate Hearing“ oder  „Jennifer Lawrence’s 19 Best Moments At The Oscars“ zeichnen sich durch kurze Texte und bewegtes Bildmaterial in Form von Gifs aus. Mittlerweile werden bei Buzzfeed auch längere und investigative Artikel, sogenannte Longforms, produziert. Buzzfeed beschäftigt ein Investigativteam und Korrespondenten an verschiedenen Orten auf der Welt. Pro Tag veröffentlicht Buzzfeed gemäss Aussagen von Jonah Peretti circa 400 Artikel. Bei den Artikeln von Buzzfeed spielt die Viralität eine grosse Rolle. Es wird Content produziert, welchen die Menschen gerne teilen. Bei Buzzfeed ist alles shareable: Ganze Artikel, einzelne Textabschnitte oder einzelne Gifs und Videos.

Kommerzielles Konzept

Buzzfeed setzt komplett auf Native Advertising bzw. Social Advertising. Die Werbung auf Buzzfeed ist gleich wie der redaktionelle Inhalt aufgebaut und lediglich mit einer gelben Hintergrundfarbe sowie mit dem Hinweise „featured partner“ gekennzeichnet. Buzzfeed kann mit Native Advertising überaus hohe Klickraten (CTR) ausweisen. Gemäss eigenen Aussagen sind bei Buzzfeed Klickraten von 1% bis 3% möglich, was zwanzigfach über dem Industriedurchschnitt liegt. Auf klassische Banner-Werbung wird verzichtet. Die Native Advertisings können von den Lesenden kommentiert und geteilt werden. Dadurch setzt Buzzfeed auf das Zusammenspiel zwischen „paid, owned und earned media“. Gemäss Angaben von Buzzfeed erzielt der Werbekunde im Durchschnitt ein 1,3x Social Lift. Das heisst: wenn beispielsweise 100’000 Views über bezahlte Werbung (paid media) erzielt werden, erhält man zusätzlich noch 30’000 Views (earned media), welche über die sozialen Aktivitäten generiert werden. Der Social Lift ist bei Buzzfeed hoch, da das Buzzfeed-Publikum aus vielen aktiven Sharing-Usern besteht und der Content spezifisch für das Teilen erarbeitet und optimiert ist.

 

Da ich mich selbst als „Marketier“ bezeichne, war ich gerne bereit, der HWZ ein paar Fragen zu meiner Weiterbildung im „Digital Business“ zu beantworten. Achtung: Das Interview ist so etwas wie ein Native Advertising Interview. Es ist Werbung für die HWZ, für watson und für mich selbst 😉

Das Interview findet man unter http://www.fh-hwz.ch/de/interview-sven-ruoss.htm

Werbung für die HWZ