Archive für Newsplattform

Immer wieder wird mir von Branchenfremden folgende Frage gestellt: Wieso lässt man Printzeitungen nicht sterben? Wieso müssen digitale Newsportale Printzeitungen quersubventionieren? 

Auf diese Frage habe ich nun dank Matthias Ackeret, dem neuen Verleger von „persönlich“, eine passende Antwort gefunden. Obschon ich als Digital Native eher in der digitalen Welt Zuhause bin, muss bzw. kann ich seinen folgenden Ausführungen grösstenteils zustimmen.

„Es gibt wohl keine andere Branche als die Medienbranche, die mit einer solch sadomasochistischen Lust ihren baldigen Untergang zelebriert wie die unsrige. Bei gewissen Vorträgen und Branchentagungen wähnt man sich auf der Titanic. Aber erst fünf Minuten nachdem sie untergegangen ist. Aber einmal anders gefragt: Wie viele Zeitungen haben in der Schweiz in den letzten Jahren ihr Erscheinen eingestellt? Natürlich wurde umstrukturiert, abgebaut, optimiert. Natürlich wurde auch zusammengelegt und vor allem gespart. Der Glanz der goldenen Zeiten ist ermattet. Dass Peter Wanner das Badener Tagblatt wieder aufleben lässt, stimmt optimistisch. Auch wenn es sich um kleine Summen handelt, ist dieses Projekt höchstwahrscheinlich lukrativer als die Lancierung eines neuen Internetbrands.

Tatsache ist doch, dass die meisten Schweizer Verlagshäuser momentan ihr Geld immer noch mit dem Print verdienen. Aber trotzdem: Hat man je vom Metzgerverband gehört, dass dieser aufgrund der steigenden Anzahl von Veganern und Vegetarier auf Schlachthöfe verzichten will?

Unsere Branche handelt oftmals aus der Defensive. Aus Angst vor dem Tod sehen viele Verlagshäuser ihre Rettung im Selbstmord. 

Was viele Verlagshäuser momentan betreiben, ist umgekehrter Darwinismus. Die Jungen fressen ihre Eltern, die Ihnen den Lebensunterhalt garantieren. Aber das kann es nicht sein! 

Aber solange Print noch ein geldbringendes Business ist, soll man es nicht ohne Not aufgeben.“

Matthias Ackeret

Werbeanzeigen

Zeitungen sterben wie Fliegen. Leserzahlen und Werbeeinnahmen brechen ein. Das Geschäftsmodell der Printmedien liegt im Koma. So oder ähnlich schreiben die Totengräber-Journalisten über ihre Branche.

Doch manchmal hilft ein Blick auf Zahlen – Daten – Fakten, wie ich in der Medienmanagementschule bei Roland Wittmann gelernt habe. Der Datenblog vom Tages-Anzeiger.ch hat den Umbruch der Schweizer Zeitungslandschaft in 5 Grafiken zusammengefasst, welche ich euch nicht vorenthalten möchte.

Den kompletten Datenblog findet man anbei: Der Umbruch der Schweizer Zeutngslandschaft in 5 Grafiken (Bitte Klicken, der Tages-Anzeiger ist auf Klicks angewiesen).

1. Grafik: Die Gesamtauflagen der Zeitungen sinken seit 2009 – aber nicht im freien Fall

2. Grafik: Die Gattung „Tageszeitung“ ist die grosse Verliererin – Innerhalb der letzten 11 Jahre verlor sie über 40% der Auflage

3. Grafik: Die Preise für Zeitungen sind in den letzten 11 Jahren inflationsbereinigt markant gestiegen – Im Einzelverkauf über 20%

4. Grafik: Die Online-Nutzung von Newssites steigt – 20 Minuten und Blick mit Abstand die grössten Gewinner

5. Grafik: Seit 2000 sind die Werbeeinnahmen bei Zeitungen um beinahe 60% eingebrochen – Online-Werbeausgaben steigen, aber befinden sich immer noch auf eher homöopathischem Niveau

Wer den Innovation Report von New York Times sehr genau gelesen hat, wusste, dass die New York Times den österreichischen Markt als besonders spannend eingestuft hat. Ein halbes Jahr später startet New York Times ihr Österreich-Abenteuer. Beziehungsweise ihr Werkstatt-Blog ist auf Twitter unter @NYT_Austria gestartet. Endlich kommt der Qualitätsjournalismus nach Österreich. New York Times Austria setzt auf Smartwatch-first design und responsiven Journalismus, weil sich Innovation nicht immer an den Buzzwörtern orientieren muss.

„Digital kann null oder eins sein. schwarz oder weiss.“ 

Aber Journalismus kann mehr. Guter Journalismus ist nicht digital. Aber New York Times Austria ist digital. Denn das Digitale ist digital. Deshalb wird man bei New York Times Austria radikal umdenken, um qualitative Qualität auch im Netz erfolgreich werden zu lassen. Bei New York Times Austria werden die Leser ernst genommen. Die Journalisten wissen zwar auch nicht, wie es weitergeht mit den Medien. Aber New York Times Austria hat die Ideen, die sonst keiner hat. Die Inhalte werden nicht verschenkt. Irgendjemand wird schon bereit sein, für das Lesen kluger Meinungen zu bezahlen. New York Times Austria wird mit den Leser auf Augenhöhe kommunizieren.

„Deswegen wird man bei unserer Paywall auch für Userkommentare bezahlen. Meinung ist etwas wert.“

Und Kommunikation auf Augenhöhe ist ganz eifach: Die Journalisten meinen und Sie bezahlen, liebe Leser! Die Macher hinter New York Times Austria lassen sich sehen. Das komplette Digitalteam war im Silicon Valley und kam mit Hipster-Bärten und jeder Menge frischer Verdachtsmomente für ein Bezahlprodukt zurück. Momentan richtet sich die Redaktion in der Wiener Innenstadt ein. Im Projektmanagement-Jargon würde man sagen: Die Wiener Redaktion ist gescheduled, ein weiterer Meilenstein ist erreicht. 

„Wenn wir es nicht schaffen, dann wird NYT.at scheitern. Und das völlig zu recht.“ 

NYT Austria

Die wichtigsten Tweets von @NYT_Austria im Überblick:

Tamedia

TRANSPARENZ-BOX: Der Autor dieses Blogposts ist Unternehmensentwickler bei watson.ch und hat davor als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung bei Tamedia gearbeitet. Der Autor ist nicht objektiv und der Artikel vertritt nicht seine Meinung. Praktisch sämtliche hier veröffentlichte Sätze und Bilder sind aus dem digitalen Internet ohne Quellenangaben geklaut. Mehr Informationen zum Österreich-Projekt von der NZZ findet man im Werkstattblog NZZ.at. Den hochinoffiziellen, twitterbrettfahrenden Kundendienst des innovativen Medien Start-ups NYT Österreich findet man unter @NYT_AutKD

Tamedia

„Mehr Experimentieren“ ist zum allgegenwärtigen Schlachtruf der Medienbranche geworden. Bernhard Brechbühl experimentiert seit Oktober 2013 mit Storyfilter.com. Ich persönlich bin ein Fan von Experimenten und verfolge Medien-Neustarts wie Storyfilter.com mit grossem Interesse. Ich erachte es als unglaublich bewundernswert, wie Bernhard Brechbühl die Viralität beherrscht. So generiert er in regelmässigen Abständen virale Schleudern, welche auf Social Media heftig geteilt werden. Als 1-Mann-Business hat er es beispielsweise im März 2014 auf Platz 26 der Social-Media-News-Charts von 1000 Flies geschafft – Knapp hinter 20 Minuten Online und vor Blick.ch. Beim Thema Traffic pro FTE oder Socal Media Interaktionen pro FTE bekomme ich bei Storyfilter.com als Betriebswirt funkelnde Augen. Respekt.

Storyfilter

Social-Media-News-Charts von 1000 Flies im März 2014

Experimente sind agil und verändern sich. Beim Experimentieren lernt man dazu und wird klüger. Und in diesem Sinne ist mir folgendes Learning von Storyfilter.com aufgefallen.

Früher (am 03. Oktober 2013)

Zum Start von Storyfilter.com hat Bernhard Brechbühl persönlich.ch ein Interview gegeben. Das Interview ist am 4. Oktober 2013 unter dem Titel „Wir wollen die Goldwäscher in der Content-Flut sein“. Auf die Frage, wie er denn zukünftig Geld verdienen wolle, hat er u.a. wie folgt geantwortet: „Ich habe eine tiefe Abneigung gegen Bannerwerbung. Diese nervenden Blinkebanner mit Klickraten von weniger als 1 Prozent sind kein gutes Produkt.“

Storyfilter

Auszug aus dem Persönlich-Interview

Heute:

Wenn man heute auf Storyfilter.com surft, dann sieht es so aus:

Storyfilter mit Werbung

TRANSPARENZ-BOX: Ich arbeite als Leiter Unternehmensentwicklung bei watson, dem neuen Mobile-Newsportal der Schweiz. Meine Brille ist subjektiv. Bei sämtlichen Medienexperimenten und Innovationen im Medienbereich hoffe ich auf gutes Gelingen.

 

Alle Monate wieder fiebert die Schweizer Online-Branche dem 6. Arbeitstag entgegen: Dann erscheinen die neuesten Net-Metrix-Zahlen. Im Mai liegen nun erstmals die Werte für tagesanzeiger.ch nach der Einführung der „Metered Paywall“ vor. Die Nutzung von weniger als 20 Artikeln pro Monat ist weiterhin kostenlos. Werden pro Monat mehr als 20 Beiträge gelesen, bietet der „Tages-Anzeiger“ fünf unterschiedliche Abonnements an. Der Tages-Anzeiger erreichte im ersten Monat mit Paywall 1,9 Millionen Unique Clients. Anders ausgedrückt: Auf das Webangebot von tagesanzeiger.ch wurde mit 1’893’000 verschiedenen Geräten (Smartphones, Tablets, PC) zugegriffen. Die Anzahl an Unique Clients  ist gegenüber den Vormonaten ohne „Metered Paywall“ relativ konstant. D.h. es greifen auch nach Einführung der Paywall noch gleich viele Geräte auf die Nachrichten von tagesanzeiger.ch zu. Anders sieht es jedoch bei der Anzahl Visits (Besuche) und den Page Impressions (Seitenaufrufe) aus. Im April zählte der tagesanzeiger.ch 16 Mio. Visits (Vormonat 20 Mio. Visits). Dies bedeutet ein Rückgang von 20%. Bei den Page Impressions fiel der Rückgang noch deutlicher aus. Tagesanzeiger.ch generierte im April 2014 insgesamt knapp 91 Mio. Page Impressions (Vormonat 143,5 Mio.) Dies bedeutet ein Rückgang von 37% bei den Page Impressions. 

Selbstverständlich variieren die monatlichen Werte auch je nach Newslage und dürfen nicht ohne Vorsicht miteinander verglichen werden. Der Monat April war bei den meisten Newsportalen schlechter als der Vormonat. Doch auch wenn man die Zahlen der Tagesanzeiger-Partnerseiten bernerzeitung.ch, baslerzeitung.ch und derbund.ch analysiert, muss folgendes festgestellt werden: Der Rückgang bei tagesanzeiger.ch nach Einführung der „Metered Paywall“ ist im Monat April 2014 massiv. 

Aus meiner persönlichen Sicht hat der Rückgang vermutlich folgende zwei Hauptgründe: 

  1. Wenn die Zahlungseinladung nach 20 gelesenen Beiträgen erscheint, verabschieden sich viele User vom tagesanzeiger.ch
  2. Der User hat immer die „böse Paywall“ im Hinterkopf und überlegt sich jeweils gut, ob er noch einen weiteren Artikel lesen will oder den Klick lieber auf später aufspart. Vermutlich hat der User auch Angst, Bildergalerien anzuschauen, da er nicht genau weiss, ob dies auch gezählt wird.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Leser zukünftig noch besser ans Bezahlen von digitalen Inhalten gewöhnen und die digitalen Inhalte von tagesanzeiger.ch wieder intensiver nutzen.

TRANSPARENZ-BOX: Der Auto dieses Blogposts ist Unternehmensentwickler bei watson.ch und hat davor als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung bei Tamedia gearbeitet. Der Autor ist gefühlt seit seiner Kindheit treuer Leser und grosser Fan vom Tages-Anzeiger. Dem Autor gefällt der neue Auftritt vom Tages-Anzeiger ausgezeichnet und er vertritt die Meinung, dass neue Geschäftsmodelle für digitale Inhalte ausprobiert werden müssen. 

tagesanzeiger.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

tagesanzeiger.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

Zahlungseinladung

Zahlungseinladung

bernerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

bernerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

baslerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

baslerzeitung.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

derbund.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

derbund.ch // Quelle: Net-Metrix April 2014

Basierend auf der Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung bei Schweizer Newsplattformen und der acht internationalen Newsplattformen (BuzzfeedCircaOzy MediaHuffington PostNowThis NewsQuartzViralNova & Upworthykonnten folgende fünf Erfolgsfaktoren für mobile Newsplattformen identifiziert werden: Boulevard, Viralität, eigene Reichweite auf Social Media, Orginalität und neue Werbeprodukte/Ertragsmodelle. Anbei werden die fünf Erfolgsfaktoren kurz vorgestellt.

Fünf Erfolgsfaktoren Mobile Newsplattformen

1. Erfolgsfaktor: Boulevard

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Die Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung auf Schweizer Newsplattformen hat gezeigt, dass insbesondere Boulevard-Titel über mobile Endgeräte gelesen werden. Der mobile Traffic ist im letzten Jahr bei 20 Minuten und bei Blick prozentual am meisten gewachsen. Im Dezember 2013 kamen bei 20 Minuten bereits 76% aller Visits über den mobilen Kanal. News auf dem Mobile müssen kurz und knackig sein, da die Aufmerksamkeitsspanne der User von mobilen Endgeräten nur sehr kurz ist. Der Boulevard-Aspekt ist auch bei Buzzfeed und Viralnova stark ausgeprägt. Die unterhaltsamen Listicles und Gifs bei Buzzword werden zu 50% über den mobilen Kanal gelesen.

2. Erfolgsfaktor: Eigene Reichweite auf Social Media (owned media)

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Bei Buzzfeed kommt 75% des Traffics über Social-Media-Kanäle. Immer mehr junge Menschen verfolgen nicht mehr aktiv eine Zeitungsmarke, sondern kommen über den Newsfeed auf Social Media auf aktuelle Nachrichten. Für moderne Medienunternehmen ist es daher zentral, auf verschiedenen Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram, Vine, Pinterest etc.) eine hohe Reichweite aufzubauen. So hat beispielsweise Upworthy auf ihrer Facebook-Page mehr als 5,6 Millionen Likes. NowThis News wiederum hat über 215’000 Follower auf Vine, über 88’000 Followers bei Instagram, 39’000 Followers bei Twitter und mehr als 149’000 Likes auf ihrer Facebookpage.

3. Erfolgsfaktor: Viralität (earned media)

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Im Zitat von Christopher McCandless alias Alex Supertramp „Happines is only real when shared“ aus dem Film „Into the wild“ steckt viel Wahres drin. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Für das Wachstum von mobilen Newsplattformen ist „Viralität“ ein zentraler Erfolgsfaktor. Leser erzählen ihrem Freundeskreise nur solche Geschichten weiter, welche sie selbst als wertvoll erachten. Gemäss Peretti, dem Gründer von Buzzfeed, erkennt man die Logik menschlicher Interaktionen an der Viralität von Inhalten. Bereits bei Forschungen zu „Word-of-mouth“ wurde deren Relevanz aufgezeigt. So hat beispielsweise Reichheld in seinen Untersuchungen zur Kennzahl „Net Promoter Score“ festgestellt, dass diese Kennzahl besser als alle anderen Kennzahlen mit dem Umsatzwachstum korreliert. Die Kennzahl erhält man auf die sogenannte „Ultimate Question“: „How likely is it that you will recommend company x to a friend or colleague?“. Um wachsen zu können, muss eine mobile Newsplattform den Mechanismus von Viralität verstehen und solche Geschichten erzählen, welche der Leser gerne seinen Freunden und Bekannten weitererzählt. Die Thematik der Viralität beherrschen Buzzfeed, Upworthy und ViralNova am besten.

4. Erfolgsfaktor: Originalität

Originalität

Praktisch niemand würde heute sagen, dass er ein weiteres Newsportal benötigt. In der heutigen Zeit gibt es zu viele Informationen. Neue Newsportale müssen daher einen neuen Weg beschreiten und die Lesenden auf eine andere Art und Weise überraschen. Buzzfeed hat Listicles erfunden, die neue Art über Listen Geschichten zu erzählen. Circa setzt komplett auf den mobilen Kanal und verzichtet auf eine Desktop-Version. Zudem verfolgt Circa konsequent den objektorientieren Journalismusansatz. NowThis News setzt lediglich auf Bewegtbilder. Quartz benutzt ein minimalistisches Design und ermöglicht es dem User, einzelne Sätze oder Abschnitte zu kommentieren. Ozy Media setzt stark auf visuelle Bildelemente. Huffington Post verwendet viele Beiträge von freiwilligen Autoren und ist dadurch eine Kombination aus Blog und klassischem Newsportal.

5. Erfolgsfaktor: Neue Werbeprodukte / Ertragsquellen

Neue Werbeprodukte

Der Blick auf die Werbeprodukte und Ertragsquellen zeigt klar, dass neben oder anstelle von klassischer Bannerwerbung neue Werbeprodukte und Ertragsquellen gefragt sind. Buzzfeed verzichtet komplett auf Bannerwerbung und setzt auf Native Advertising. Auch Quartz platziert klassische Bannerwerbung. Quartz geht davon aus, dass Erträge insbesondere aus Sponsoring und Events generiert werden können. Gesponserter Inhalt kann in den „Editorial-Stream“ eingebaut werden. Bei NowThis News setzt man ebenfalls auf Native Advertising. Upworthy verwendet neue Werbeprodukte wie „Ads We Like“ und „Sponsored Sections“. Klassische Bannwerbung sucht man bei Upworthy vergeblich. Circa versteht sich nicht als Medienunternehmen, sondern als Technologieunternehmen. Es ist durchaus möglich, dass Circa versuchen wird, die Circa-Software als Lizenz zu verkaufen.

Ob die neuen Newsportale auch wirtschaftlich florieren werden, ist momentan noch offen. Einerseits wird Werbung immer da sein, wo sich die Menschen aufhalten. Andererseits gehen die meisten Experten davon aus, dass die Werbepreise im digitalen Bereich massiv unter Druck geraten werden. Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung bei 20 Minuten, bringt dies wie folgt auf den Punkt: „Man sieht sich einer paradoxen Situation gegenüber: Einerseits ist man bei den digitalen Medien am goldrichtigen Ort, andererseits wird das nicht einfach ein Durchmarsch werden.“

Ich bin gespannt auf das Feedback der Blogosphäre. Welche Erfolgsfaktoren habe ich vergessen?

Nach Buzzfeed, Circa, Quartz, Ozy Media, ViralNova, NowThis News und Huffington Post wird heute zum Abschluss Upworthy vorgestellt. Basierend auf der Analyse der vorgestellten acht internationalen Newsplattformen sowie der Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung bei Schweizer Newsplattformen werde ich an dieser Stelle am Sonntag, 05. Mai 2013, exklusiv meine fünf Erfolgsfaktoren für mobile Newsplattformen vorstellen. Zuerst nun anbei die kurze Vorstellung von Upworty:

At best, things online are usually either awesome or meaningful, but everything on Upworthy.com has a little of both. Sensational and substantial. Entertaining and enlightening. Shocking and significant.“ (Upworthy)

Allgemein

Fastcompany bezeichnet Upworthy im Sommer 2013 als das am schnellsten wachsende Medienunternehmen aller Zeiten. Erst im März 2012 ist die Nachrichtenseite Upworthy gestartet. Das Unternehmen wurde von Eli Pariser und Peter Koechley gegründet. Gemäss einer öffentlichen Twitter-Liste „We Are Upworthy“ beschäftigt das Unternehmen momentan 58 Personen, davon vermutlich viele als Teilzeitbeschäftigte.

Redaktionelles Konzept

Upworthy möchte nicht nur unterhalten, sondern auch anspruchsvolle gesellschaftliche Themen behandeln. Upworthy berschreibt ihr Konzept wie folgt: At best, things online are usually either awesome or meaningful, but everything on Upworthy.com has a little of both. Sensational and substantial. Entertaining and enlightening. Shocking and significant.“ Die Moral spielt bei Upworthy eine grosse Rolle. Der Dienst hat sich linksliberal positioniert. Im Gegensatz zu Buzzfeed werden keine eigenen Inhalte erstellt, sondern es werden lediglich im Internet gefundene Videos, Infografiken und dergleichen kuratiert.

Kommerzielles Konzept

Upworthy setzt bei der Kommerzialisierung nicht auf Displaywerbung. Ein Pfeiler des Geschäftsmodells sind „Ads We Like“. Dabei bezahlt der Werbekunde, dass er einen werblichen Inhalt (Beitrag, Video etc.) auf Upworthy stellen darf. Upworthy evaluiert, ob der Inhalt die Upworthy-Kriterien erfüllt. Bei einer Bejahung wird der Inhalt von Upworthy mit der Community geteilt. Der Werbepartner wird jeweils deutlich gekennzeichnet. So findet man beispielsweise ein von Skype bezahlter Werbespot über die Trennung einer Familie aus Uganda. Eine andere Ertragsquelle ist bei Upworthy „Sponsored Sections“. Mit dem Werbepartner werden die Themen für eine „Sponsored Section“ definiert. Ein Kurator von Upworthy kuratiert anschliessend spannende Geschichten innerhalb der definierten Grenzen. Dabei wird der Werbekunde jeweils auf jeder Seite deutlich gekennzeichnet. So wird beispielsweise die Serie „All 7 Billion“ über globale Gesundheit und Armut von der Bill & Melinda Gates Foundation präsentiert, mit Artikeln wie „The Diversity Of Cancer: A Sobering Map That Shows What Forms Strike Where“. Eine weitere Geldquelle ist die Verknüpfung der Leser über Anmeldeboxen mit sozialen und anderen Organisationen.

Upworthy

Vorstellung weiterer mobiler Newsplattformen: 

Bei der Story-Aggregationsseite ViralNova macht meine HSG-BWL-Seele Luftsprünge. Das sozusagen Ein-Mann-Unternehmen erzielt pro Monat mehr als 100 Millionen Visits. Die Aufwand-Ertrag-Relation scheint exzellent zu sein. Mir würde es unglaublichen Spass bereiten, die EBITDA-Margen von ViralNova zu berechnen. Anbei eine kurze Vorstellung des erfolgreichen Start-ups.

Allgemein

Im Mai 2013 startete Scott DeLong die Seite viralnova.com, welche aus emotionalen Beiträgen in Form von Bildersammlungen besteht. Der virale Faktor spielt eine zentrale Rolle bei den Geschichten. Ziel des 31-Jährigen Gründers ist es, dass die Links zu den bebilderten Geschichten auf Social-Media-Plattformen geteilt werden. Die Facebook-Page von ViralNova hat über 960’000 Likes (Stand 20. Januar 2014). Die Beiträge sind im Stil von Buzzfeed und Upworthy. Die Seite zeigt eine unglaubliche Wachstumskurve auf. Zu Beginn im Mai 2013 war die Seite gemäss Alexa.com die 443’652 beliebteste Website auf der Welt und im Januar 2014 war sie bereits auf Rang 408 der grössten Plattformen weltweit. Im November und Dezember 2013 generierte die Seite laut dem Wirtschaftsportal „Business Insider“ mehr als 100 Millionen Visits.

Redaktionelles Konzept

Oliver Burkemann hat das redaktionelle Konzept gekonnt auf den Punkt gebracht: „A constant barrage of emotional highs is all that’s left. ViralNova versucht, die Viralität zu maximieren. Die Geschichten von ViralNova sind entweder herzzerreissend, umwerfend ober überwältigend. Aus diesem Grund werden sie von vielen Lesern auf verschiedenen Social-Media-Kanälen weiterverbreitet. ViralNova versteht sich gemäss Selbstbeschreibung nicht als Newsplattform oder als Quelle für detaillierte Informationen, sondern als Story-Aggregationsseite. Dadurch ist die Plattform auch nicht der Wahrheit verpflichtet und muss seine Geschichten entsprechend nicht überprüfen.

Kommerzielles Konzept

ViralNova ist ein Low-Budget-Projekt und beschäftigt neben dem Gründer Scott DeLong lediglich zwei Freelancer. Die Monetarisierung erfolgt über den Verkauf von Display-Werbung. DeLong nutzt dabei die Werbemöglichkeiten von Google’s Display Network (Google Adsense). Business Insider geht davon aus, dass das Portal beim Werbeverkauf pro Tausend Werbeeinblendungen circa 1 Dollar erhält und pro Page Impressions mit zwei Werbeplätze zu rechnen ist. Bei monatlich circa 200 Millionen Page Impressions kann ViralNova bei Vollauslastung circa 400 Millionen Ad Impressions verkaufen. Diese Berechnung ergäbe monatliche Einnahmen von 400’000 Dollar bzw. 4,8 Millionen Dollar jährlich. Mit einem direkten Werbeverkauf könnte ViralNova die Werbeeinnahmen markant erhöhen, da der TKP bzw. CPM beim Direktverkauf deutlich höher ausfallen würde als der heute erzielte Preis über Google Adsense.

ViralNova

Vorstellung weiterer mobiler Newsplattformen: 

Es gibt heutzutage nicht nur die „Mobile first“-Strategie, sondern auch die „Tablet first“-Strategie. Wie diese funktioniert, zeigt die neue Wirtschaftsplattform Quartz.

It’s become very, very clear to me that digital trumps print, and that pure digital, without any legacy costs, massively trumps print.“ (David G. Bradley, Besitzer von Atlantic Media) 

Allgemein

Im September 2012 startete die neue Wirtschaftsplattform „Quartz“ online. Das digitale Projekt produziert Nachrichten für die vernetzte globale Welt. Die Atlantic Media Company, welche unter anderem die Titel „National Journal“ oder „The Atlantic“ herausgibt, steht hinter dem jungen Unternehmen. Gemäss eigener Auflistung auf der Homepage beschäftigt Quartz über 30 Mitarbeitende, davon sind mehr als 20 Journalisten. Hauptsitz von Quartz ist in New York City. Gemäss eigenen Aussagen verfügt Quartz über Korrespondenten und Reporter in London, Paris, Indonesien, Los Angeles und Washington.

Redaktionelles Konzept

Quartz verfolgt eine „Tablet first“-Strategie. In erster Linie ist Quartz für die mobilen Endgeräte Smartphone und Tablets konzipiert. Gemäss Quartz begann das Design mit dem iPad im Kopf. Anschliessend wurde es vom Tablet auf das kleinere Endgeräte Smartphone modifiziert und erst am Schluss auf die Desktop mit der grossen Bildschirmfläche. Bei der Kategorisierung kommt Quartz von der Gruppierung nach Ressorts weg. Die Inhalte werden nach aktuellen Themen (genannt „obsessions“) wie beispielsweise „Sochi Olympics“, „Future of Finance“ oder „Mobile Web“ gegliedert. Folglich ändert sich mit der Newslage auch die Struktur der Seite.

Kommerzielles Konzept

Anders als die Wirtschaftsmedienmarken „The Economist“, „FT.com“ oder „WSJ.com“ will sich Quartz nicht hinter einer Paywall verstecken. David G. Bradley, der Besitzer von Atlantic Media, formuliert sein Glauben an die digitale Zukunft wie folgt: It’s become very, very clear to me that digital trumps print, and that pure digital, without any legacy costs, massively trumps print.“ Das Geschäftsmodell von Quartz basiert auf Werbegelder. Quartz geht davon aus, dass Erträge insbesondere aus Sponsoring und Events generiert werden können. Auf klassische Bannerwerbung wird verzichtet und stattdessen wird gesponserter Inhalt in den „Editorial-Stream“ eingebaut. Als Gründungspartner konnte Boeing, Cadillac, Chevron und Credit Suisse gefunden werden, welche die Startphase 2012 finanzierten. Teilweise werden gewisse Features von Sponsoren präsentiert. Beispielsweise wird das neue Feature „Quartz Annotations“ von Citi präsentiert. Quartz ist es gelungen, etablierte Werbepartner wie beispielsweise Adobe, Box, Harward Business School, KPMG, Morgan Stanley, Rolex oder Sony für sich zu gewinnen.

Beim Lesermarkt hat Quartz innert kürzester Zeit viele neue Leser gewonnen. Bereits im August 2013, zehn Monate nach dem Launch, erreichte Quartz über fünf Millionen Unique User. Damit wurden die optimistischsten Prognosen von den Gründern übertroffen. Der Newsletter „Quartz Daily Brief“ hat im Januar 2014 die 50’000 Abonnentenmarke geknackt. Der Newsletter erreicht eine äusserst spannende Zielgruppe aus Führungskräften, Investoren, Unternehmen und dergleichen. Laut Angaben von Quartz liegt die Öffnungsrate des Newsletters bei über 40%, was eine deutliche höhere Rate gegenüber dem Industriedurchschnitt darstellt.

Quartz

Vorstellung weiterer mobiler Newsportale:

 

Können 6-Sekunden-Videos auf Vine News sein? NowThis News versucht zu beweisen, dass auch harte News als Bewegtbild-Quickies über Social Media erzählt werden können.

We are definitely finding an appetite for hard news on Instagram.“ (Ed O’Keefe, Chefredaktor NowThis News)

Allgemein

NowThis News ist laut eigenen Aussagen ein Startup, welches kurze News-Videos produziert und verbreitet. Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich über ihre mobile App und über verschiedene Social-Media-Kanäle. Auf Vine sind die Newsvideos lediglich sechs Sekunden lang, auf Instagram 15 Sekunden und auf der Website sind die Newsvideos zwischen 30 und 120 Sekunden lang. Pro Tag werden laut NowThis News über 50 Videos für die Plattformen Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, Vine, YouTube, die Applications und für die mobile Seite produziert. Gegründet wurde das Unternehmen von Kenneth Lerer, Mitgründer von Huffington Post, und Eric Hippeau, ehemaliger Huffington Post CEO. Im November 2012 ging das Video-Nachrichtenportal mit iPhone und iPad Apps ans Netz.

Redaktionelles Konzept

Von den 37 Mitarbeitenden bei NowThis News produzieren 22 Videoinhalte. Dabei werden die Inhalte auf die einzelnen Plattformen massgeschneidert. Beispielsweise werden die Instagram-Videos mit 15-Sekunden-Länge nicht einfach auf die 6-Sekunden-Länge bei Vine gekürzt, sondern es wird ein originärer Ansatz verfolgt. Für jede Plattform wird jeweils der effizienteste Weg gesucht, um die Geschichte zu erzählen. Dabei werden auch immer mehr „Hard News“-Themen behandelt. Der Chefredaktor Ed O’Keefe bringt dies wie folgt auf den Punkt: We are definitely finding an appetite for hard news on Instagram.“

Kommerzielles Konzept

NowThis News finanziert sich bisher über stattliche Finanzierungsrunden in Millionenhöhe von Lerer Ventures, Bedrocket Media Ventures und Oak Investment Partners. Im Januar 2014 wurde bekannt, dass auch NBC Universal in den neuen mobilen Video-News-Service NowThis News investiert. Laut einem Bericht von New York Times beteiligt sich NBC mit einer 10% Minderheitsbeteiligung an NowThis News. Das Video-Nachrichtenportal erreicht laut einem Artikel von SRF über 40 Millionen Menschen. Diese Reichweite wird den Werbekunden verkauft. Die Werbung wird bei NowThis News unter die übrigen Inhalte gemischt. Selbstverständlich mit einer klaren Kennzeichnung für die Leser.

NowThis News

Vorstellung weiterer mobiler Newsportale: