Archive für Digitale Master

Einen anderen Ansatz zur Feststellung der digitalen Reife von Unternehmen verfolgen Fenwick und Gill im Forrester Report „The Future Of Business Is Digital“. Zwar verwenden sie ebenfalls eine 2×2-Matrix, jedoch wählen sie andere Achsen aus. Als x-Achse nehmen sie mit digitaler operationeller Exzellenz die interne Unternehmenssicht. Als externe Sicht werden die Kunden mit der y-Achse als digitales Kundenerlebnis ausgewählt.

Digital Transformation Assessment von Forrester Research

Matrix zur digitalen Reife von Unternehmen und Organisationen mit den Achsen digitales Kundenerlebnis und digitale operationelle Exzellenz (in Anlehnung an Forrester Research, 2014)

Digitales Kundenerlebnis

Auch im digitalen Zeitalter brauchen Unternehmen für das wirtschaftliche Überleben zufriedene Kunden. Als einziges Differenzierungsmerkmal dient das Kundenerlebnis. Als digitales Kundenerlebnis werden folgende Elemente subsumiert:

  • Digitales ganzheitliches Kundenerlebnis: Digitale Unternehmen analysieren anhand von Customer Journeys die verschiedenen Kontaktpunkte und finden Gelegenheiten, um hilfreiche und angenehme digitale Erlebnisse zu schaffen. Dabei steht die Wertsteigerung für den Kunden im Fokus, d. h. digitale Kundenerlebnisse werden gezielt dort und in der passenden Form eingeführt, wo sie am meisten Kundennutzen stiften.
  • Digitale Produkte und Dienstleistungen als Teil des Ökosystems der Kunden: Digitale Produkte und Dienstleistungen werden als sinnvolle Ergänzung in die physische Produkt- und Dienstleistungswelt eingefügt. Dabei steht wiederum der Kundennutzen im Zentrum.
  • Vertrauenswürdige Maschinen: Digitale Unternehmen vertrauen auf Algorithmen, um die Kunden besser zu verstehen und Entscheidungen zu treffen. „Big Data“ ermöglicht es Unternehmen, das Kundenerlebnis in Echtzeit zu erhöhen.

Digitale operationelle Exzellenz

Neben dem digitalen Kundenerlebnis ist für digitale Unternehmen die digitale operationelle Exzellenz ebenfalls von grosser Bedeutung. Kürzere Markteinführungszeiten, produktivere Mitarbeitende, schlankere Prozesse und ein effektiverer Einsatz der Ressourcen sind wichtige Ziele der operationellen Exzellenz. Fenwick und Gill verstehen unter der digitalen operationellen Exzellenz folgende Unterpunkte:

  • Verbesserung der operationellen Fähigkeiten innerhalb des Ökosystems: Digitale Unternehmen haben unternehmensübergreifend schlanke digitale Prozesse. So werden beispielsweise Lieferanten ins Ökosystem eingebunden oder es wird mit Partnern gearbeitet, um digitale Geschäftsmodelle ausserhalb der eigenen Kernkompetenzen zu realisieren.
  • Schnelle kundenfokussierte Innovationen: Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende werden bei digitalen Unternehmen miteinander zu dynamischen Teams verbunden. Dadurch entstehen besonders kundenfokussierte Innovationen mit einer höheren Überlebenschance, da sie bereits von echten Kunden im Prozess getestet wurden.
  • Digitalisierung für Agilität über Effizienz: Die Marktbedingungen ändern sich immer rascher und die Agilität der Unternehmen wird zum Schlüsselfaktor. Im dynamischen digitalen Ökosystem, in das die komplette Lieferkette vom Rohstoffhändler bis zum Endverbraucher involviert ist, kann auf veränderte Bedingungen schnell und teilweise sogar automatisch reagiert werden.

Auf Basis der oben beschriebenen sechs Themengebiete wurde von Forrester Research ein kleiner Fragebogen zur Beurteilung der digitalen Reife von Unternehmen entwickelt. Anhand von insgesamt zwölf Fragen (zwei Fragen pro Themengebiet) wird evaluiert, zu welcher der in obenstehender Darstellung dargestellten vier Kategorien das Unternehmen gehört.

Digitale Dinosaurier

Digitale Dinosaurier stehen erst am Anfang der digitalen Transformation. Sowohl das digitale Kundenerlebnis als auch die digitale operationelle Exzellenz sind wenig ausgeprägt.

Digitale Arbeiter

Digitale Arbeiter fokussieren sich momentan auf ihre operationelle Exzellenz, die sie bereichsübergreifend wiederholt optimieren. Beim digitalen Kundenerlebnis besteht noch deutliches Optimierungspotenzial.

Digitale Konnektoren

Bei digitalen Konnektoren ist die Fokussierung gerade umgekehrt. Sie optimieren laufend und bereichsübergreifend das digitale Kundenerlebnis. Die digitale operationelle Exzellenz bleibt jedoch noch auf der Strecke.

Digitale Master

Die digitalen Master sind bezüglich der Reife der digitalen Transformation am weitesten fortgeschritten. Sowohl das digitale Kundenerlebnis als auch die digitale operationelle Exzellenz ist stark ausgeprägt bzw. das Unternehmen optimiert konsistent über sämtliche Bereiche und nutzt die laufenden Messungen und Feedbacks zur steten Verbesserung.

Wer wissen möchte, wo die Unternehmen in der Schweiz stehen: www.digital-switzerland.ch oder „Über 50 Prozent der Unternehmen sind digitale Dinosaurier“.

12-teilige Serie zum Thema “Digitale Transformation”

Dieser Artikel ist ein Teil einer 12-teiligen Serie zum Thema “Digitale Transformation”. Die weiteren Teile findet man unter folgenden Links.

Digital Zurich 2025. Die von Marc Walder, CEO von Ringier, lancierte Initiative möchte Zürich zur digitalen Hauptstadt Europas machen. Die Schweiz möchte eine Vorreiterrolle bei der digitalen Transformation spielen. Die Visionen sind da. Wir wissen – mehr oder weniger – wohin wir möchten oder müssen.

Doch wo steht die Schweiz heute? Welchen Stellenwert hat die digitale Transformation bei Unternehmen und Organisationen in der Schweiz? Wie werden die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation eingeschätzt und welchen digitalen Reifegrad besitzen die Unternehmen momentan in der Schweiz?

Digitale Dinosaurier

Im Rahmen meiner Masterarbeit ging ich den genannten Forschungsfragen etwas genauer nach. Da jedoch für die Schweiz nicht genügend Datenmaterial zur digitalen Transformation zur Verfügung stand, führte ich eine eigene empirische Studie quantitativer Art, mittels einer Onlinebefragung durch. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Es ist höchste Zeit, den Weg der digitalen Transformation zu starten.

Für eine Mehrheit der Unternehmen wird die digitale Transformation in den nächsten 2 Jahren erfolgskritisch

Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen und Organisationen in der Schweiz mangelt es gewaltig an digitalem Know-how. Dieses scheint nach wie vor sowohl auf Führungs- als auch auf Mitarbeiterstufe zu fehlen – obwohl 74 Prozent der befragten Unternehmen davon ausgehen, dass die Digitalisierung grosse bis sehr grosse Auswirkungen auf ihre Branche haben wird. Für eine Mehrheit von 52 Prozent der Schweizer Unternehmen wird die digitale Transformation bis 2017 sogar erfolgskritisch. In 2020 wird die digitale Transformation für 73 Prozent der Unternehmen ein erfolgskritischer Faktor sein.

Digitale Transformation Schweiz

56 Prozent der Unternehmen sind digitale Dinosaurier

56 Prozent der befragten Unternehmen weisen einen geringen digitalen Reifegrad auf und zählen zu den sogenannten digitalen Dinosauriern. 12 Prozent sind digitale Arbeiter. Diese haben sich auf die operationelle Exzellenz fokussiert und in diesem Bereich digitale Verbesserungen vorgenommen. 6 Prozent gehören zu den digitalen Konnektoren, bei denen die Fokussierung gerade umgekehrt ist. Diese optimieren laufend und unternehmensweit das digitale Kundenerlebnis. 26 Prozent der befragten Unternehmen dürfen sich stolz digitale Master nennen. Bei ihnen ist die digitale Transformation sowohl intern bei der operationellen Exzellenz, als auch extern beim digitalen Kundenerlebnis bereits weit fortgeschritten.

Digitale Dinosaurier

«Digital Security», «Mobile», »Big Data», «Social Media» und «Cloud Computing« als wegweisende Technologien

Als wegweisende Technologien erkennt die Studie «Digital Security» sowie die Bereiche «Mobile», «Big Data», «Social Media» und «Cloud Computing». Als wichtigste Beweggründe für Unternehmen, die digitale Transformation zu vollziehen, werden Produkt- und Dienstleistungserweiterungen, ein verbessertes Kundenerlebnis und die Steigerung der Produktivität aufgeführt.

Digitale Technologien

Mangelndes Know-how auf der Führungsetage und fehlende finanzielle Ressourcen

Die digitale Transformation fordert Schweizer Unternehmen hauptsächlich aufgrund von Einschränkungen im IT-System, fehlender finanzieller Ressourcen und mangelndem Know-how, insbesondere auf der Führungsetage. Die grössten Herausforderungen der digitalen Transformation komplettieren «Unklare Rollen und Verantwortlichkeiten»und «Fehlendes Know-how bei den Mitarbeitenden».

Herausforderungen der digitalen Transformation

Wir sind in der digitalen Realität angekommen

Die Ergebnisse der empirischen Studie zeigen den Handlungsbedarf deutlich auf: Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat die Reise der digitalen Transformation noch vor sich. Und diese Reise müssen sie auf sich nehmen, sonst droht der Tod. Denn digitale Dinosaurier werden in den nächsten 10 Jahren aussterben. Die digitale Transformation macht vor keiner Branche halt – sowohl Banken als auch die öffentliche Verwaltung können durch einen sinnvollen Einsatz der digitalen Möglichkeiten, die Kundenbindung erhöhen und intern die Effizienz steigern. Veränderungskompetenz wird zum Schlüsselfaktor.

Digital Zurich 2025 – Digital Switzerland 2025

2025 werde ich 43 Jahre alt. Der Weg zu Digital Zurich 2025 oder Digital Switzerland 2025 ist weit. Ich hoffe, dass ich dann die Studie «Digital Switzerland 2025« vorstellen darf und aufzeigen kann, wie wir alle zusammen – vom C-Level-Manager bis zum jungen Digital Native – die neue digitale Welt erobert haben.

Ziele der digitalen Transformation

Mehr Informationen zur Studie

An der Befragung nahmen insgesamt 463 Personen teil. Davon 77 Prozent männlich und 23 Prozent weiblich. 62 Prozent der Befragten sind im Kader, 33 Prozent haben keine Kaderfunktion und 5 Prozent sind selbständig. Interessiert? Weitere Informationen zur «Digital Switzerland 2015» finden Sie unter bit.ly/CDBStudien. Die komplette Studie kann kostenlos per Mail bei angela.chatelain(at)fh-hwz.ch bestellt werden.