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Unsere deutschen Nachbarn sind uns Schweizer wiederum einen Schritt voraus. Sie haben bereits ihren eigenen Buzzfeed-Klon. Upcoming.de ist heute gestartet. Mit dem neuartigen Geheimrezept „Listen, GIFs und Memes“ möchte man den Journalismus revolutionieren und die Generation Facebook erreichen.

Gemäss Angaben der Plattform soll Umcoming.de der Ort werden, an dem die Generation Facebook als erstes die populärsten Internettrends in Deutschland entdeckt und teilen kann.

Die deutsche Seite Upcoming.de ist das neugeborene Kind der holländischen „Mutter“ upcoming.nl, hinter welchem das holländische Medienunternehmen TMG steckt. Einzelne Seiten wie beispielsweise „Über uns“ sind bis auf die Sprache praktisch identisch. Man vergleiche: Deutsch Über uns versus Holländisch Over Ons.

Und wie bei der „Generation Facebook“ geht auch bei Upcoming alles sehr schnell. Das holländische Original startete gemäss einen Interview von Martin Gieser mit dem Product Manager Koen Droste erst im Februar 2013. Nur sechs Monate nach dem Launch hatte das Portal bereits über 500’000 Unique Visitor pro Monat. 35’000 Personen benutzen die App, welche es erst seit Sommer 2013 gibt. Für das kleine Land Holland (ca. 17 Mio. CHF Einwohner, ca. doppelt so viele wie die Schweiz) sind dies bemerkenswerte Zahlen.

Laut Angaben des Betreibers arbeiten insgesamt zehn FTE  am Projekt, davon momentan drei FTE beim deutschen Ableger. Der dünne Personalbestand beim ersten deutschen Buzzfeed-Klon merkt man teilweise beim Inhalt. Buzzfeed-Diamanten habe ich auf dem Portal bisher noch keine entdeckt. Die Themen der Geschichten sind wie erwartet: „Knackige Leute, die twas für ihr Herz tun und Autos waschen“ oder „Was sind Fledermäuse doch schnucklige Tierchen!“.

Auf konventionelles Marketing wird verzichtet. Stattdessen setzt das Upcoming-Team auf die sozialen Medien. Man kann Inhalte tweeten, sharen etc. und sogar weitere Fotos und Clips hochladen. Auf Facebook hat die Upcoming-Page momentan lediglich 95 Likes, auf Twitter 24 Follower.

Ich bin gespannt, ob und wie der „BUZZ“ kommt. Wann werden wir Schweizer auch unser Buzzfeed-Baby haben?

P.S. Findet man eigentlich auf Upcoming.de oder Upcoming.nl auch klassische Display-Werbung?

Upcoming.de

Upcoming.de

Upcoming.de

Weitere Artikel zu Upcoming:

http://120sekunden.com/2013/10/hurra-die-zukunft-ist-da-der-buzzfeed-klon-upcoming-de-startet-in-deutschland/

http://t3n.de/news/upcoming-deutscher-buzzfeed-klon-505244/

Bardoel und Deuze haben in ihrem Bericht bereits 2001 festgehalten, dass das Internet den Beruf des Journalisten mindestens in drei Richtungen verändert. Es kann einerseits den Journalisten als Mittelmann in Demokratien überflüssig machen. Andererseits bietet das Internet den professionellen Journalisten ein riesiges Ressourcenfeld und neue technologische Möglichkeiten für die Arbeit. Und drittens kreiert das Internet einen eigenen Journalisten-Typus: „Digital Journalism“ oder „Online Journalism“.[1]

Bezüglich News und Journalismus führt die Entwicklung im Internet zu vier Schlüsselcharakteristiken, mit welchen das Internet klassifiziert werden kann: Interaktivität, individualisierte Inhalte, Hypertext und Multimedialität.[2] Sie erkennen ein verändertes Zusammenspiel zwischen Produzenten und Konsumenten von Nachrichten, welches sie auf folgenden drei Ebenen genauer betrachten: technologische, sozial-kulturelle und berufliche Ebene.[3] Bardoel und Deuze sehen, dass der traditionelle Top-Down-Ansatz im Journalismus überdacht werden muss. Vielmehr sehen sie den Journalisten der Zukunft als Verbindungsstelle zwischen Technologie und Gesellschaft, zwischen News und Analyse, zwischen Kommentaren und Selektion, zwischen Orientierung und Ermittlung.[4] Die Zeiten des isolierten Journalisten sind vorbei. Die beiden sehen einen Wandel der journalistischen Funktionen. Dadurch, dass das Publikum selbstbewusster und besser ausgebildet sein wird, wird die Mittlerrolle abgebaut. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Orientierung mit der steigenden Informationsmenge, was neue Rollen von Journalisten wie die von Mediatoren mit sich bringt.[5]
Sie zeigen auf, in welche Richtungen sich der Job von Netzwerk-Journalisten verändert. Bevor Journalisten eine Story veröffentlichen, sollen sie sich gut überlegen, in welchem Medium diese Geschichte welche Auswirkungen hat. Netzwerk-Journalisten sollen sich auf ein spezifisches Publikum konzentrieren. Schlussendlich sollen Netzwerk-Journalisten sowohl von der Öffentlichkeit als auch von ihrem Berufsethos angetrieben werden. Dadurch bleibt sichergestellt, dass sie sowohl alles kritisch hinterfragen als auch eine Orientierungsfunktion und Moderationsrolle für die öffentliche Debatte einnehmen.[6]

Bardoel & Deuze sahen die Veränderung des Rollenbilds von Journalisten bereits vor zehn Jahren sehr präzise voraus. Sie relativieren dies verständlicherweise, indem sie die Komponente des Berufsethos dazu nehmen. Es genügt ihrer Ansicht nach nicht, nur von der Öffentlichkeit angetrieben zu werden.

Bardoel & Deuze, 2001


[1] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[2] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[3] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[4] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[5] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[6] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

Um das Themengebiet „Rollen der Journalisten“ strukturiert und systematisiert anzugehen und es von anderen Themengebiete abzugrenzen, wird der Analyserahmen von Blöbaum zu Hilfe genommen. Er unterscheidet drei Elemente der journalistischen Struktur: Organisation, Rollen und Programm.[1] Bei Organisation geht es hauptsächlich um Medienorganisationen und Redaktionen. Auf dieser Redaktionsebene lassen sich verschiedene Änderungen ausmachen. Es entstehen beispielsweise neue Ressorts und Redaktionen, Ressortgrenzen werden aufgehoben und redaktionelle Leistungen werden aus den Medienorganisationen ausgelagert.[2] Die Bildung der Praktiken im „Journalismus zur Sammlung, Selektion, Bearbeitung, Vermittlung und Kontrolle von Informationen“ werden unter journalistischen Programmen verstanden.[3] Die beiden Elemente „Organisation“ und „Programm“ sind angrenzende Themenbereiche, auf welche jedoch nicht fokussiert eingegangen wird. Im Zentrum des Interesses steht der Wandel der journalistischen Rollen. Da die Abgrenzungen zwischen journalistischen Rollen und journalistischen Organisationen fliessend sind und es verschiedenste Überlappungen gibt, wird der Themenbereich „Journalistische Organisation“ in dieser Arbeit immer wieder angeschnitten. Wie bereits in der Einleitung erläutert, hat sich die Rolle des Publikums in den letzten Jahren verändert und wird sich weiter wandeln. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Journalisten und Publikum. Aus diesem Grund müssen folgende drei Aspekte berücksichtigt werden: Journalisten, Publikum und die Beziehungen zwischen Journalisten und Publikum.[4]

Strukturierung des Themengebiets:
Die Struktur des Journalismus

Im Folgenden wird anhand von 10 ausgewählten Artikeln der aktuelle Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ beschrieben und analysiert. Die Suche nach den Artikeln wurde dahingehend eingeschränkt, dass nur Artikel ausgewählt wurden, welche zwischen 2000 und heute (2013) verfasst wurden. 2000 wurde als Jahr gewählt, weil sich um die Jahrtausendwende erste soziale Medien langsam etabliert haben. Als Organisationstypus wurde das historische Format gewählt, in welchem die Artikel chronologisch behandelt werden, da sich dieses Format als geeignet erschien, da Wandel thematisiert wird und im Wandel die Zeitkomponente eine entscheidende Rolle spielt. Bei der Auswahl der Artikel war entscheidend, möglichst unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um so die Breite der Ansätze in diesem Forschungsgebiet aufzuzeigen. Es wurde versucht, Artikel mit unterschiedlichen Forschungsmethoden zu wählen, welche unterschiedliche Kanäle (beispielsweise Weblogs und Twitter) untersuchten. Es wurden auch konzeptionelle Artikel und Übersichtsartikel mitberücksichtigt, um in diesem kurzen „Literature Review“ dennoch einen Überblick in der Breite zu erhalten. Dies bedingte jedoch, dass in die Tiefen des Forschungsgebiets nicht vollständig eingetaucht werden konnte. Diese kurze Literaturarbeit soll die Basis darstellen, um bei einer ausführlichen und umfassenden Literature Review in die Tiefe zu gehen.

Übersicht über die ausgewählten Artikel: 

Übersicht über die ausgewählten Artikel

Um der Definitionsproblematik zu entgehen, wird im vorliegenden Literature Review unter Journalismus der Kommunikationsprozess wischen Kommunikator (Journalist) und Publikum über ein Medium verstanden.[5]

Im 3. Teil des Literature Review wird mit dem ersten Artikel über Network Journalism von Bardel und Deuze gestartet.

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[1] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 48 – 56.

[2] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 51.

[3] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 54.

[4] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 56.

[5] Mast, 2004, S. 50.