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Heutiger Artikel im Fokus: Vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus (Bücher & Büffel, 2005)

Bucher und Büffel untersuchen die Veränderungen vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus am Beispiel Weblogs. Sie zeigen auf, dass mehrere Studien die klassische Journalismus-Perspektive einnehmen. In deren Sinn ist journalistisch, was redaktionell organisiert ist.[1] Dies klammert die neuen globalen und netzwerkorientieren Medienunternehmen aus, welche nicht mehr an Institutionen im klassischen Sinn gekoppelt sind. Bucher und Büffel erklären die Begrenztheit bisheriger Definitionen von Online-Journalismus und definieren den Begriff neu. Sie verstehen unter Online-Journalismus sowohl eine Ausdifferenzierung des klassischen Journalismus als auch eine der öffentlichen Kommunikation.[2] Am Beispiel Weblogs versuchen sie die These zu überprüfen, dass im Internet ein nicht-institutionalisierter Journalismus entstanden ist, welcher eine Netzwerkorientierung aufweist.[3] Die Kommunikationsform Weblogs charakterisieren sie wie folgt: Die hochgradige Vernetzung zu einer Art Blogosphere, die Beschleunigung der Kommunikation und ihre Globalität, die Interaktivität und Multimedialität, aber auch die Grenzauflösung zwischen personeller, öffentlicher, institutioneller und journalistischer Kommunikation.[4]

Deuze versucht Systematik in die verschiedenen Weblogs zu bringen. In einer vier-Felder-Matrix mit den Achsen „Kommunikation zwischen den Endpunkten“ und „Selbstbestimmungsgrad“ identifiziert er vier verschiedene Arten: Mainstream Newssites, Index and Categorysites, Meta und Commentsites und Share und Discussionsites.[5] Gemäss Deuze zählen alle vier von ihm identifizierten Typen zum professionellen Journalismus, da alle den Bürgern die Informationen anbieten, welche sie benötigen, um frei und selbstbestimmt zu sein.[6] Anders argumentiert Blood. Sie verwendet für Blogger den Ausdruck „participatory media“ und explizit nicht den Begriff „Journalism“.[7] Diese netzwerkbasierten journalistischen Kommunikationsformen bringen mit sich, dass die traditionelle Gatekeeper-Funktion von Journalisten nicht mehr funktioniert und die steilen Hierarchien in den traditionellen Medien flachen Hierarchien im Internet gegenüberstehen.

Bucher & Büffel beschreiben die spezifischen Charakteristiken von Weblogs auf den Journalismus in Bezug auf journalistische Handlungsweisen und Programme, die Selbstorganisation in der Weblog-Kommunikation und die kommunikative Funktion von Weblogs. Dabei bringen sie einige Merkmale von Weblogs auf den Punkt. Die Qualitätskontrolle wird dezentralisiert und erst nach der Publikation vorgenommen. Clay Shirky, ein Professor an der New York University, formulierte diese Änderung sehr präzise: „The order of things in broadcast is „filter, then publish“. The order in communities is “publish, then filter””.[8]

Bucher und Büffel stellen die Organisationsformen der klassischen Medien deren der neuen Medien gegenüber. Auf der einen Seite sind die neuen Medien netzwerkorientiert. Netzwerke als Organisationsformen zeichnen sich durch Merkmale wie Flexibilität, Dezentralisierung, horizontale Strukturen und flache Hierarchien aus. Auf der anderen Seite befinden sich die traditionellen Medien bei den hierarchischen Organisationsformen, welche durch Zentralismus, Effizienz, schnelle Instrumentalisierbarkeit und vertikale Strukturen bestimmt sind. Die hierarchischen Kommunikationsstrukturen der traditionellen Medien werden durch Netzwerkkommunikation abgelöst.[9] Diese Evolution bringt mit sich, dass sich die Rolle von Journalisten grundlegend verändert. Vom Gatekeeper wird der Journalist zum Informations-Guide.[10] Die offene Netzwerkstruktur hat zur Folge, dass sich die Themenvielfalt ausweitet, die Themensetzung liberalisiert wird, das Informationsangebot ausgeweitet wird, neue Zugangsmöglichkeiten zur Medienkommunikation für Laien entstehen, Journalisten ein Steuerungsverlust erleiden und die Reflexivität der Medienkommunikation ausgeweitet wird.[11]

Bücher und Büffel


[1] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 86.

[2] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 89.

[3] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, 89.

[4] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 91.

[5] Vgl. Deuze, 2001.

[6] Vgl. Deuze, 2001.

[7] Vgl. Blood, 2003, S. 62.

[8] Vgl. Shirky, 2003.

[9] Vgl. Bucher & Büffel, 2005. S. 106-107.

[10] Vgl. Bucher & Büffel, 2005. S. 112.

[11] Vgl. Bucher & Büffel, 2005, S. 107.

Heutige zwei Artikel im Fokus: We media. How audiences are shaping the future of news and information (Bowman & Willis, 2003) & The Future Is Here, But Do News Media Companies See It? (Bowman & Willis, 2005)

Bowman und Willis beschreiben 2005 den durch das Internet hervorgebrachten radikalen Wandel im Mediengeschäft. Laut ihnen ermöglicht das Internet grenzenlose Verbreitung von Inhalten zu geringen bzw. keinen Preisen. Gleichzeitig ermöglicht es jedermann, selbständig Inhalte zu produzieren.[1] Die dazu notwendigen Tools sind einfach zu bedienen und überall verfügbar. Die traditionellen Medienhäuser bekunden Mühe, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.[2] Es fällt ihnen schwer, Kontrolle abzugeben und ihre Gatekeeper-Funktion aufzugeben. Sie fassen zusammen, was die erfolgreichen Bürgermedien bisher gelernt haben: Die meisten Bürger haben kein Bedürfnis, selbst Journalisten zu sein. Dennoch möchten sie gerne in kleiner und sinnvoller Art und Weise mitwirken. Bowman und Willis definieren „Participatory Journalism“ wie folgt: „The act of a citizen, or group of citizens, playing an active role in the process of collecting, reporting, analyzing and disseminating news and information. The intent of this participation is to provide independent, reliable, accurate, wide-ranging and relevant information that a democracy requires”[3] Online Communities benötigen konstante Aufmerksamkeit, Führung und Pflege. Sie führen aus, dass solche Plattformen dank Werbeeinnahmen ein kleines, aber erfolgreiches Geschäftsmodell werden können.[4] Im Modell des „Media Ecosystem“[5] zeigen sie gekonnt auf, wie die Journalisten die Rolle von Mediatoren einnehmen. Mit Blick in die Zukunft zeichnen sich laut ihnen folgende Trends ab: Erfolgreiche Newsseiten entdecken den richtigen Mix aus Community, Inhalt, Kommerz und Tools. Sie integrieren den Inhalt der Bürgerjournalisten stärker mit den traditionellen Inhalten der professionellen Journalisten. Das Internet auf mobilen Geräten wird stark wachsen. Die Bürger fordern eine grössere Transparenz. Dies wird zur Folge haben, dass mehr professionelle Journalisten soziale Medien einsetzen, um mit der Leserschaft in Kontakt zu treten. Die Ausbildung im Journalismus wird sich langsam den neuen Anforderungen anpassen und beginnen, auch die Empfänger stärker auszubilden, damit sie zu besseren Newslieferanten werden.[6] Zum Schluss kommen sie zur Erkenntnis, dass sich die Geschäftsmodelle der Medien markant ändern werden. Die grössten Unterschiede zwischen „participatory journalism“ und traditionellem Journalismus sehen sie in den unterschiedlichen Strukturen und Organisationen, in welchen Inhalte produziert werden.[7] In der Zukunft wird die Wertschöpfung der Medien verstärkt im Anbieten und Pflegen von Infrastrukturen und Communities liegen.[8]

Bowman und Willis geben einige Empfehlungen ab, wie Medien auf diese Veränderungen reagieren und wie sie den Bürgerjournalismus in ihre bestehenden Journalismusprozesse integrieren können. Da Beziehungen den eigentlichen Wert generieren, sollen Medien versuchen, diese mit kontinuierlichen Updates zu pflegen, die Inhalte in Netzwerkbeziehungen (online und offline) als Plattform anzubieten und so den Partnern soziale Interaktionsmöglichkeiten zu geben.[9] Weiter empfehlen sie, den Newsraum für den Wandel verantwortlich zu machen, den Journalisten eine höhere Autonomie zu geben sowie das Publikum als wertvollen Partner und Innovator zu behandeln. Journalisten sollen schliesslich vom Credo wegkommen, dass sie die Besitzer der News sind. Vielmehr sollen sie sich als Verteiler der Nachrichten sehen.[10]

Viele der Zukunftsvermutungen von Bowman und Willis sind in den letzten Jahren Tatsache geworden. Es bleibt festzustellen, dass sie die Zukunftsentwicklung präzise auf den Punkt gebracht haben. Viele Medien bekunden noch heute Mühe, sich diesen neuen Anforderungen anzupassen. Kritisch zu beurteilen ist die fehlende Empirie. Ihre Aussagen sind zwar stringent hergeleitet, werden jedoch nicht empirisch untermauert. Im Artikel finden sich verschiedene Hypothesen, welche in zukünftigen Forschungsarbeiten detaillierter und empirisch untersucht werden könnten. Besonders die Thematik, dass Journalisten in Zukunft mehr zu Infrastrukturanbieter werden, wirft verschiedene spannende Forschungsfragen auf. Denn dadurch übernehmen Journalisten komplett neue Funktionen und Rollen. Sie sind nicht mehr Inhaltslieferanten, sondern bieten eine Infrastruktur an, auf welcher sie moderierend Einfluss nehmen. 

Bowman and Willis


[1] Bowman & Willis, 2005, S. 6

[2] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 49.

[3] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 9

[4] Bowman & Willis, 2005, S. 8.

[5] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 12.

[6] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 50 und Bowman & Willis, 2005, S. 9 – 10.

[7] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 12.

[8] Vgl. Bowman & Willis, 2005, S. 10.

[9] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 58.

[10] Vgl. Bowman & Willis, 2003, S. 59 – 60.

Bardoel und Deuze haben in ihrem Bericht bereits 2001 festgehalten, dass das Internet den Beruf des Journalisten mindestens in drei Richtungen verändert. Es kann einerseits den Journalisten als Mittelmann in Demokratien überflüssig machen. Andererseits bietet das Internet den professionellen Journalisten ein riesiges Ressourcenfeld und neue technologische Möglichkeiten für die Arbeit. Und drittens kreiert das Internet einen eigenen Journalisten-Typus: „Digital Journalism“ oder „Online Journalism“.[1]

Bezüglich News und Journalismus führt die Entwicklung im Internet zu vier Schlüsselcharakteristiken, mit welchen das Internet klassifiziert werden kann: Interaktivität, individualisierte Inhalte, Hypertext und Multimedialität.[2] Sie erkennen ein verändertes Zusammenspiel zwischen Produzenten und Konsumenten von Nachrichten, welches sie auf folgenden drei Ebenen genauer betrachten: technologische, sozial-kulturelle und berufliche Ebene.[3] Bardoel und Deuze sehen, dass der traditionelle Top-Down-Ansatz im Journalismus überdacht werden muss. Vielmehr sehen sie den Journalisten der Zukunft als Verbindungsstelle zwischen Technologie und Gesellschaft, zwischen News und Analyse, zwischen Kommentaren und Selektion, zwischen Orientierung und Ermittlung.[4] Die Zeiten des isolierten Journalisten sind vorbei. Die beiden sehen einen Wandel der journalistischen Funktionen. Dadurch, dass das Publikum selbstbewusster und besser ausgebildet sein wird, wird die Mittlerrolle abgebaut. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Orientierung mit der steigenden Informationsmenge, was neue Rollen von Journalisten wie die von Mediatoren mit sich bringt.[5]
Sie zeigen auf, in welche Richtungen sich der Job von Netzwerk-Journalisten verändert. Bevor Journalisten eine Story veröffentlichen, sollen sie sich gut überlegen, in welchem Medium diese Geschichte welche Auswirkungen hat. Netzwerk-Journalisten sollen sich auf ein spezifisches Publikum konzentrieren. Schlussendlich sollen Netzwerk-Journalisten sowohl von der Öffentlichkeit als auch von ihrem Berufsethos angetrieben werden. Dadurch bleibt sichergestellt, dass sie sowohl alles kritisch hinterfragen als auch eine Orientierungsfunktion und Moderationsrolle für die öffentliche Debatte einnehmen.[6]

Bardoel & Deuze sahen die Veränderung des Rollenbilds von Journalisten bereits vor zehn Jahren sehr präzise voraus. Sie relativieren dies verständlicherweise, indem sie die Komponente des Berufsethos dazu nehmen. Es genügt ihrer Ansicht nach nicht, nur von der Öffentlichkeit angetrieben zu werden.

Bardoel & Deuze, 2001


[1] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[2] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[3] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[4] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[5] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[6] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

Um das Themengebiet „Rollen der Journalisten“ strukturiert und systematisiert anzugehen und es von anderen Themengebiete abzugrenzen, wird der Analyserahmen von Blöbaum zu Hilfe genommen. Er unterscheidet drei Elemente der journalistischen Struktur: Organisation, Rollen und Programm.[1] Bei Organisation geht es hauptsächlich um Medienorganisationen und Redaktionen. Auf dieser Redaktionsebene lassen sich verschiedene Änderungen ausmachen. Es entstehen beispielsweise neue Ressorts und Redaktionen, Ressortgrenzen werden aufgehoben und redaktionelle Leistungen werden aus den Medienorganisationen ausgelagert.[2] Die Bildung der Praktiken im „Journalismus zur Sammlung, Selektion, Bearbeitung, Vermittlung und Kontrolle von Informationen“ werden unter journalistischen Programmen verstanden.[3] Die beiden Elemente „Organisation“ und „Programm“ sind angrenzende Themenbereiche, auf welche jedoch nicht fokussiert eingegangen wird. Im Zentrum des Interesses steht der Wandel der journalistischen Rollen. Da die Abgrenzungen zwischen journalistischen Rollen und journalistischen Organisationen fliessend sind und es verschiedenste Überlappungen gibt, wird der Themenbereich „Journalistische Organisation“ in dieser Arbeit immer wieder angeschnitten. Wie bereits in der Einleitung erläutert, hat sich die Rolle des Publikums in den letzten Jahren verändert und wird sich weiter wandeln. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Journalisten und Publikum. Aus diesem Grund müssen folgende drei Aspekte berücksichtigt werden: Journalisten, Publikum und die Beziehungen zwischen Journalisten und Publikum.[4]

Strukturierung des Themengebiets:
Die Struktur des Journalismus

Im Folgenden wird anhand von 10 ausgewählten Artikeln der aktuelle Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ beschrieben und analysiert. Die Suche nach den Artikeln wurde dahingehend eingeschränkt, dass nur Artikel ausgewählt wurden, welche zwischen 2000 und heute (2013) verfasst wurden. 2000 wurde als Jahr gewählt, weil sich um die Jahrtausendwende erste soziale Medien langsam etabliert haben. Als Organisationstypus wurde das historische Format gewählt, in welchem die Artikel chronologisch behandelt werden, da sich dieses Format als geeignet erschien, da Wandel thematisiert wird und im Wandel die Zeitkomponente eine entscheidende Rolle spielt. Bei der Auswahl der Artikel war entscheidend, möglichst unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um so die Breite der Ansätze in diesem Forschungsgebiet aufzuzeigen. Es wurde versucht, Artikel mit unterschiedlichen Forschungsmethoden zu wählen, welche unterschiedliche Kanäle (beispielsweise Weblogs und Twitter) untersuchten. Es wurden auch konzeptionelle Artikel und Übersichtsartikel mitberücksichtigt, um in diesem kurzen „Literature Review“ dennoch einen Überblick in der Breite zu erhalten. Dies bedingte jedoch, dass in die Tiefen des Forschungsgebiets nicht vollständig eingetaucht werden konnte. Diese kurze Literaturarbeit soll die Basis darstellen, um bei einer ausführlichen und umfassenden Literature Review in die Tiefe zu gehen.

Übersicht über die ausgewählten Artikel: 

Übersicht über die ausgewählten Artikel

Um der Definitionsproblematik zu entgehen, wird im vorliegenden Literature Review unter Journalismus der Kommunikationsprozess wischen Kommunikator (Journalist) und Publikum über ein Medium verstanden.[5]

Im 3. Teil des Literature Review wird mit dem ersten Artikel über Network Journalism von Bardel und Deuze gestartet.

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[1] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 48 – 56.

[2] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 51.

[3] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 54.

[4] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 56.

[5] Mast, 2004, S. 50.

Persönliches Vorwort: Die Zukunft des Journalismus ist ein Thema, welches auch mich seit längerer Zeit stark beschäftigt. Ich wollte mir zu diesem Thema ein fundierteres Bild aneignen und habe mich deshalb in viele Artikel zum aktuellen Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ eingelesen. Im Rahmen meines bisherigen grössten Blog-Experiments möchte ich meine Erkenntnisse mit der Community teilen und auch einen Beitrag zur laufenden Mediendebatte beisteuern. 

BBC’s role is shifting from broadcaster and mediator
to facilitator, enabler und teacher.
We do not own the news anymore.
Our job is to make connections with and between different audiences.

Richard Sambrook,
Director of the BBC World Service and Global News Division

Die Bloggerinnen des Mamablogs von Newsnet wurden vom Branchenmagazin “Schweizer Journalist” zu den Journalisten des Jahres 2010 gewählt. Zum ersten Mal wurden Online-Journalisten mit diesem Preis ausgezeichnet. Im Mamablog werden Themen um Familie, Kinder und Beziehung diskutiert und der Blog erreicht täglich zehntausende Lesende. Für 315 Millionen Dollar übernahm 2011 AOL das Blogportal Huffington Post. Das von Arianna Huffington gegründete Blogportal ist auf Expansionskurs und erreicht etliche Millionen Besucher pro Monat. Blogger gestalten aktiv die Öffentlichkeit und stellen das Geschäftsmodell „Journalismus“ auf den Kopf. Hansi Voigt plant momentan mit der Fixxpunkt AG die Lancierung einer reinen digitalen Newsplattform.
Neben den Erfolgsmeldungen im Bereich der Online Medien jagen sich die Hiobsbotschaften im Bereich der traditionellen Medien in den letzten Jahren in kurzen Abständen. Der Tages-Anzeiger reduzierte 2009 die Anzahl Bünde auf vier, organisierte seine Redaktion neu und baute 50 Vollzeitstellen in der Redaktion ab. Der Axel Springer Verlag verkauft Regionalzeitungen und ein Teil des Zeitschriftenportfolios an die Funke Mediengruppe. Jeff Bezos, Chef von Amazon, kauft die „Washington Post“. Das Zeitungssterben ist besonders in den USA zu beobachten. Verschiedenste Zeitungen erscheinen nicht mehr täglich (beispielsweise The Free Press, The News) oder wurden ganz eingestellt (beispielsweise Capital Times, Seattle Post Intelligencer, vergleiche http://newspaperdeathwatch.com/.

http://newspaperdeathwatch.com/

Der Journalismus ist in den letzten Jahren in einen Wandelprozess geraten. Es sind neue Medien entstanden, welche ein neues Zusammenspiel zwischen Schreibenden und Lesenden ermöglichen. Dieser Literature Review geht der Frage „Rollen der Journalisten – Quo Vadis?“ nach. Es soll der aktuelle Stand der Forschung zu neuen Rollen und Funktionen von Journalisten aufgezeigt werden.

Fragestellung für das Literature Review über „Journalistische Rollen im Wandel“:

Journalistische Rollen

In zwölf Teilen soll auf dem Blog www.svenruoss.ch anhand von 10 ausgewählten Artikeln der aktuelle Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ beschrieben und analysiert werden. Der Literature Review ist wie folgt in zwölf Teile gegliedert:

1. Teil: Einleitung
2. Teil: Auswahl der 10 Artikeln
3. Teil: Network Journalism: Converging competences of old and new media professionals (Bardoel & Deuze, 2001)
4. Teil: We media. How audiences are shaping the future of news and information (Bowman & Willsis, 2003) & The Future is Here, But Do News Companies See It (Bowman & Willis, 2005)
5. Teil: Vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus (Bücher & Büffel, 2005)
6. Teil: (R)Evolution des Journalismus? Online Journalismus zwischen Tradition und Innovation (Quandt, 2005)
7. Teil: Vom Gatekeeping zum Gatewatching – Modell der journalistischen Vermittlung im Internet (Bruns, 2009)
8. Teil: What’s stopping them? Toward a grounded theory of Innovation in online journalisms (Steensen, 2009)
9. Teil: Internet-Journalismus: Vom traditionellen Gatekeeping zum partizipativen Journalismus (Neubürger & Quandt, 2010)
10. Teil: Die Rolle von Journalisten in Sozialen Medien am Beispiel Twitter (Ebermann et al., 2010)
11. Teil: Zeitungsjournalismus im Internetzeitalter – Umfragen und Analysen (Mast, 2011)
12. Teil: Erkenntnisse aus dem Literature Review

Den Lesenden wünsche ich eine spannende Lektüre bei diesem eher „akademischen Blog-Experiment“ zu den „Journalistische Rollen im Wandel“. 

Funke Mediengruppe übernimmt Regionalzeitungen und Teile des Zeitschriftenportfolios von Axel Springer. Gemäss heutiger Pressemitteilung sollen zukünftig die Regionalzeitungen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt, die Anzeigenblätter in Berlin und Hamburg sowie die fünf Programm- und zwei Frauenzeitschriften von Axel Springer (Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche, TV Neu, Bild der Frau, Frau von heute) sowie die dazugehörigen Digitalmarken unter dem Dach der Funke Mediengruppe erscheinen und deren bestehendes Regionalzeitungs-, Anzeigenblatt- und Zeitschriftenportfolio ergänzen. Die Regionalzeitungsgruppen sowie die Programm- und Frauenzeitschriften trugen im Geschäftsjahr 2012 94,8 Mio. EUR zum EBITDA und 512,4 Mio. EUR zum Umsatz des Axel Springer-Konzerns bei. Im letzten Jahr haben die Bereiche „Zeitungen National“ mit 23% EBITDA-Marge und Zeitschriften National mit 21% EBITDA-Marge zumindest gleich hohe EBITDA-Margen wie der Bereich „Digitale Medien“ mit einer EBITDA-Marge von 21% erzielt. Der Kaufpreis beträgt 920 Mio. EUR.

Seit ich von diesem Verkauf gehört habe, kann ich mich nicht richtig entscheiden, was ich von diesem Verkauf halten soll. Ist das ein zukunftsgerichteter Geniestreich? Kann man nur mit Radikalität die Digitalisierung gewinnen? Oder ist der Verkauf ein vorzeitiges Aufgeben im Printjournalismus. Stellt der Printjournalismus nicht das Fundament dar, um die Digitalisierung vorantreiben zu können? Oder ist das lediglich eine Fokussierung im Printjournalismus?

Zukunftsgerichteter Geniestreich?

Axel Springer hat sicherlich die Vision, im digitalen Geschäft ganz vorne mitwirken zu können. Wie man in der Präsentation zur Hauptversammlung 2013 lesen kann, sind die Prioritäten für 2013 auf das Digitale fokussiert: Digitale Transformation, Digitale Abonnements, Unternehmenskultur. Von dieser Perspektive geht Axel Springer konsequent und mutig den Weg der Digitalisierung. Axel Springer agiert und wartet die Entwicklung nicht erst ab. Man darf gespannt sein, welchen digitalen Coup Axel Springer in den nächsten Monaten landet. Wer nicht an alten Dingen wie gedruckten Zeitungen klebt und mutig Neuland entdeckt, wird in Zukunft belohnt.

Vorzeitiges Aufgeben im Printjournalismus? Oder Fokussierung?

Glaubt Axel Springer nicht mehr daran, dass man mit (Print-)Journalismus in Zukunft Geld verdienen kann? Die Strategie von Axel Springer umfasst drei Schwerpunkte: „Marktführerschaft im deutschsprachigen Kerngeschäft, Internationalisierung und Digitalisierung. Von diesen hat die konsequente Digitalisierung die höchste Priorität.“ Wenn diese Strategie immer noch gelebt wird, heisst es, dass die verkauften Printtitel nicht (mehr) zum Kerngeschäft von Axel Springer zählen. Scheinbar hat der Verlag die Sieger der Konsolidierung ausgemacht und die verkauften Produkte gehören nicht dazu. Scheinbar fokussiert Axel Springer auf die grossen Player „Bild-“ und „Die Welt-Gruppe“ und wird damit den Printjournalismus sichern.

Fazit: Das Wort „Verleger“ brauchen wir nicht mehr, sonder eher „Content-Producer“

Es meiner Sicht wird es in Zukunft nicht mehr ums Verlegen, sondern um die Produktion von Content gehen. Eine Zeitung aus Papier wird dabei nichts anderes mehr als einer der vielen Vertriebskanäle für diesen Inhalt sein. Journalismus wird überleben. Jedoch müssen neue Geschäftsmodelle für Digital-Journalismus erfunden werden. Denn bisher gelang es lediglich wenigen Verlagen, mit Digital-Journalismus Geld zu verdienen. Die grössten EBITDA-Margen-Bringer sind auch bei Axel Springer immer noch Digital Classifieds (Rubrikenportale für Jobs, Immobilien, etc.), welche im ersten Quartal 2013 wiederum mit einer EBITDA-Marge von 41.1% insgesamt 40.9 Mio. EUR EBITDA generierten. Und Rubrikenportale haben meines Wissens wenig mit Journalismus zu tun.

Es bleibt spannend. Denn wer den Satz der Prioritäten zu Ende gelesen hat, weiss auch den Zweck der drei Prioritäten für 2013 von Axel Springer: Unsere Prioritäten für 2013… Digitale Transformation, Digitale Abonnements, Unternehmenskultur … zur Zukunftssicherung des Journalismus. 

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Quellen:

http://www.axelspringer.de/presse/FUNKE-MEDIENGRUPPE-uebernimmt-Regionalzeitungen-und-Teile-des-Zeitschriftenportfolios-von-Axel-Springer-Gruendung-von-Gemeinschaftsunternehmen-fuer-Anzeigenvermarktung-und-Vertrieb_18994020.html

http://www.axelspringer.de/publikationen/cw_publikation_de_17584010.html

http://www.axelspringer.de/dl/15913772/13-04-24_HV_Presentation.pdf

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/dem-springer-verlag-fehlen-ideen-und-visionen-a-913081.html#js-article-comments-box-pager

Es gibt exzellente Texte, die man meiner Meinung nach auch gerne einfach zitieren darf. Anbei ein Auszug aus dem Vorwort von Matthias Döpfner zum Geschäftsbericht 2012 von Axel Springer AG. 

„Unser vor einigen Jahren selbst gestecktes Ziel, die eine Hälfte von Umsatz und Gewinn mit Print- und die andere Hälfte mit Online-Geschäft zu erwirtschaften, ist in greifbare Nähe gerückt. Das Ziel ist jetzt so nah, dass wir es aufgeben. Es ist nicht mehr ehrgeizig genug. Ziele sollten anspruchsvoll sein. Deshalb geht es jetzt um eine vollständige Transformation zum Online-Unternehmen.

Papier wird noch viele Jahre eine Zukunft als Lesemedium haben. Doch es geht um mehr: Es geht um die Zukunftssicherung des Qualitätsjournalismus, egal, ob print oder online. Deshalb muss sich die Zeitung vom Trägermedium Papier emanzipieren. Wir werden weiterhin mit aller Kraft und Kreativität um jede verkaufte Zeitung und Anzeige kämpfen. Protektionistisch verteidigen aber wollen wir den Informationsträger Papier als solchen nicht. Warum nicht? Weil es ein Kampf ist, der gar nicht gewonnen werden sollte. Weil es klüger ist, nicht die Vergangenheit, also das rückläufige Trägermedium Papier, sondern die Zukunft zu verteidigen, also Journalismus, Inhalte und das Geschäftsmodell markengebundener Medien. Publizistisch ist das Internet ohnehin längst aufregender geworden als Print. 

Axel Springer versteht sich heute als „United Artists“ – ein Haus der Kreativen. Kreative Autoren oder Programmierer oder Kaufleute. Gemeinsam sind wir stärker, aber wir respektieren die Unterschiede, den Individualismus, ja sogar den konstruktiven Eigensinn. Leidenschaftliche Unternehmerinnen und Unternehmer sollen bei uns ebenso selbstverständlich ihre Heimat haben wie die besten Journalistinnen und Journalisten. 

Von der Zukunft, vor den grundlegenden Veränderungen des Mediengeschäfts haben wir keine Angst. Wir wollen als Gewinner aus diesen Umwälzungen hervorgehen.“ 

(Quelle: Geschäftsbericht 2012 von Axel Springer, Vorwort von Matthias Döpfner)

Die "Mission" von Axel Springer

Die „Mission“ von Axel Springer

Es gibt einen neuen Fixxpunkt am Schweizer Medienhimmel. Hansi Voigt hat am 26. März 2013 die FixxPunkt AG in Zürich ins Handelsregister eintragen lassen. Die Gesellschaft bezweckt den Betrieb von elektronischen Medien und die digitale Verbreitung von journalistischen Inhalten. Bisher einzig eingetragene Person ist Hansi Voigt. Doch wer ist mit Sicherheit beim „The-Next-Big-Thing“ auch dabei? Die Gerüchteküche brodelt, doch per Internetrecherche findet man im Moment lediglich zwei Personen, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit beim Projekt von Hansi Voigt dabei sind:

Ich wünsche dem Projekt „FixxPunkt“ einen erfolgreichen Start und bin gespannt auf die nächsten „Nuus“ aus dem Hause Hansi Voigts. 

Fixxpunkt AG