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Heutiger Artikel im Fokus: (R)Evolution des Journalismus? Online Journalismus zwischen Tradition und Innovation (Quandt, 2005)

Quandt versucht in seiner Studie herauszufinden, ob sich das journalistische Arbeiten als Online-Journalisten gegenüber dem traditionellen Journalisten verändert hat. Ziel der Erforschung ist es, Muster im Handeln von Online-Journalisten zu identifizieren. Bei verschiedenen Online-Reaktionen hat er dazu eine empirische Beobachtungsstudie durchgeführt.[1] 10‘826 Handlungen oder eine kumulierte Arbeitsdauer von 405 Stunden fanden Eingang in die Studie.[2]

Online-Journalisten weisen eine extrem hohe Handlungsfrequenz auf. Eine durchschnittliche Arbeitshandlung dauert lediglich 2 Minuten und 14 Sekunden.[3] Die Online-Journalisten scheinen journalistisch zu arbeiten. Einen Grossteil der Arbeitszeit wird für journalistische Tätigkeiten wie Kommunikation (ca. 15% der Gesamtzeit), Such- und Selektionstätigkeiten (ca. 32 % der Gesamtzeit) sowie das Schreiben (ca. 22% der Gesamtzeit) aufgewendet.[4] Mehr als die Hälfte der für das Schreiben aufgebrachten Zeit wird für das Umarbeiten und Redigieren verwendet. Lediglich 24% der Zeit fürs Schreiben wird für das selbstständige Schreiben verwendet.[5] Somit verwendet ein Online-Journalist lediglich 5% (0.24 x 22%) seiner gesamten Arbeitszeit für die eigenständige Textproduktion. Für Produktionstätigkeiten wird lediglich 6% der Gesamtarbeitszeit aufgewendet.[6] Dies spricht dafür, dass die Online-Journalisten keine multimedialen Inhalte selbständig produzieren. Diese Untersuchung widerspricht den früheren Vermutungen vieler, wie beispielsweise jener von Bardoel & Deute.[7]

Aus der Studie lässt sich der Trend erkennen, dass Online-Journalisten vermehrt zu Distributions-Journalisten werden, welche sich stark am Material der Nachrichtenagenturen und Netzquellen bedienen und dieses lediglich noch umschreiben. Der Online-Journalist verwendet mehr Zeit für das Redigieren und Umschreiben von existierenden Ausgangstexten als für das Schreiben von eigenen Beiträgen. Die Studie von Quandt zeigte, dass sich die Tätigkeiten der Journalisten im Online-Bereich verändern, jedoch blieb eine Revolution des Journalismus aus. Da die Studie bereits mehrere Jahre zurückliegt, wäre es interessant, diese Beobachtung zu wiederholen und zu eruieren, wie sich die Rolle in den letzten drei Jahren verändert hat.

Quandt


[1] Vgl. Quandt, 2005, S. 163.

[2] Vgl. Quandt, 2005, S. 175.

[3] Vgl. Quandt, 2005, S. 176.

[4] Vgl. Quandt, 2005, S. 178.

[5] Vgl. Quandt, 2005, S. 179.

[6] Vgl. Quandt, 2005, S. 177.

[7] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

Bardoel und Deuze haben in ihrem Bericht bereits 2001 festgehalten, dass das Internet den Beruf des Journalisten mindestens in drei Richtungen verändert. Es kann einerseits den Journalisten als Mittelmann in Demokratien überflüssig machen. Andererseits bietet das Internet den professionellen Journalisten ein riesiges Ressourcenfeld und neue technologische Möglichkeiten für die Arbeit. Und drittens kreiert das Internet einen eigenen Journalisten-Typus: „Digital Journalism“ oder „Online Journalism“.[1]

Bezüglich News und Journalismus führt die Entwicklung im Internet zu vier Schlüsselcharakteristiken, mit welchen das Internet klassifiziert werden kann: Interaktivität, individualisierte Inhalte, Hypertext und Multimedialität.[2] Sie erkennen ein verändertes Zusammenspiel zwischen Produzenten und Konsumenten von Nachrichten, welches sie auf folgenden drei Ebenen genauer betrachten: technologische, sozial-kulturelle und berufliche Ebene.[3] Bardoel und Deuze sehen, dass der traditionelle Top-Down-Ansatz im Journalismus überdacht werden muss. Vielmehr sehen sie den Journalisten der Zukunft als Verbindungsstelle zwischen Technologie und Gesellschaft, zwischen News und Analyse, zwischen Kommentaren und Selektion, zwischen Orientierung und Ermittlung.[4] Die Zeiten des isolierten Journalisten sind vorbei. Die beiden sehen einen Wandel der journalistischen Funktionen. Dadurch, dass das Publikum selbstbewusster und besser ausgebildet sein wird, wird die Mittlerrolle abgebaut. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Orientierung mit der steigenden Informationsmenge, was neue Rollen von Journalisten wie die von Mediatoren mit sich bringt.[5]
Sie zeigen auf, in welche Richtungen sich der Job von Netzwerk-Journalisten verändert. Bevor Journalisten eine Story veröffentlichen, sollen sie sich gut überlegen, in welchem Medium diese Geschichte welche Auswirkungen hat. Netzwerk-Journalisten sollen sich auf ein spezifisches Publikum konzentrieren. Schlussendlich sollen Netzwerk-Journalisten sowohl von der Öffentlichkeit als auch von ihrem Berufsethos angetrieben werden. Dadurch bleibt sichergestellt, dass sie sowohl alles kritisch hinterfragen als auch eine Orientierungsfunktion und Moderationsrolle für die öffentliche Debatte einnehmen.[6]

Bardoel & Deuze sahen die Veränderung des Rollenbilds von Journalisten bereits vor zehn Jahren sehr präzise voraus. Sie relativieren dies verständlicherweise, indem sie die Komponente des Berufsethos dazu nehmen. Es genügt ihrer Ansicht nach nicht, nur von der Öffentlichkeit angetrieben zu werden.

Bardoel & Deuze, 2001


[1] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[2] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[3] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[4] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[5] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

[6] Vgl. Bardoel & Deuze, 2001.

Um das Themengebiet „Rollen der Journalisten“ strukturiert und systematisiert anzugehen und es von anderen Themengebiete abzugrenzen, wird der Analyserahmen von Blöbaum zu Hilfe genommen. Er unterscheidet drei Elemente der journalistischen Struktur: Organisation, Rollen und Programm.[1] Bei Organisation geht es hauptsächlich um Medienorganisationen und Redaktionen. Auf dieser Redaktionsebene lassen sich verschiedene Änderungen ausmachen. Es entstehen beispielsweise neue Ressorts und Redaktionen, Ressortgrenzen werden aufgehoben und redaktionelle Leistungen werden aus den Medienorganisationen ausgelagert.[2] Die Bildung der Praktiken im „Journalismus zur Sammlung, Selektion, Bearbeitung, Vermittlung und Kontrolle von Informationen“ werden unter journalistischen Programmen verstanden.[3] Die beiden Elemente „Organisation“ und „Programm“ sind angrenzende Themenbereiche, auf welche jedoch nicht fokussiert eingegangen wird. Im Zentrum des Interesses steht der Wandel der journalistischen Rollen. Da die Abgrenzungen zwischen journalistischen Rollen und journalistischen Organisationen fliessend sind und es verschiedenste Überlappungen gibt, wird der Themenbereich „Journalistische Organisation“ in dieser Arbeit immer wieder angeschnitten. Wie bereits in der Einleitung erläutert, hat sich die Rolle des Publikums in den letzten Jahren verändert und wird sich weiter wandeln. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Journalisten und Publikum. Aus diesem Grund müssen folgende drei Aspekte berücksichtigt werden: Journalisten, Publikum und die Beziehungen zwischen Journalisten und Publikum.[4]

Strukturierung des Themengebiets:
Die Struktur des Journalismus

Im Folgenden wird anhand von 10 ausgewählten Artikeln der aktuelle Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ beschrieben und analysiert. Die Suche nach den Artikeln wurde dahingehend eingeschränkt, dass nur Artikel ausgewählt wurden, welche zwischen 2000 und heute (2013) verfasst wurden. 2000 wurde als Jahr gewählt, weil sich um die Jahrtausendwende erste soziale Medien langsam etabliert haben. Als Organisationstypus wurde das historische Format gewählt, in welchem die Artikel chronologisch behandelt werden, da sich dieses Format als geeignet erschien, da Wandel thematisiert wird und im Wandel die Zeitkomponente eine entscheidende Rolle spielt. Bei der Auswahl der Artikel war entscheidend, möglichst unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um so die Breite der Ansätze in diesem Forschungsgebiet aufzuzeigen. Es wurde versucht, Artikel mit unterschiedlichen Forschungsmethoden zu wählen, welche unterschiedliche Kanäle (beispielsweise Weblogs und Twitter) untersuchten. Es wurden auch konzeptionelle Artikel und Übersichtsartikel mitberücksichtigt, um in diesem kurzen „Literature Review“ dennoch einen Überblick in der Breite zu erhalten. Dies bedingte jedoch, dass in die Tiefen des Forschungsgebiets nicht vollständig eingetaucht werden konnte. Diese kurze Literaturarbeit soll die Basis darstellen, um bei einer ausführlichen und umfassenden Literature Review in die Tiefe zu gehen.

Übersicht über die ausgewählten Artikel: 

Übersicht über die ausgewählten Artikel

Um der Definitionsproblematik zu entgehen, wird im vorliegenden Literature Review unter Journalismus der Kommunikationsprozess wischen Kommunikator (Journalist) und Publikum über ein Medium verstanden.[5]

Im 3. Teil des Literature Review wird mit dem ersten Artikel über Network Journalism von Bardel und Deuze gestartet.

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[1] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 48 – 56.

[2] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 51.

[3] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 54.

[4] Vgl. Blöbaum, 2005, S. 56.

[5] Mast, 2004, S. 50.

Persönliches Vorwort: Die Zukunft des Journalismus ist ein Thema, welches auch mich seit längerer Zeit stark beschäftigt. Ich wollte mir zu diesem Thema ein fundierteres Bild aneignen und habe mich deshalb in viele Artikel zum aktuellen Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ eingelesen. Im Rahmen meines bisherigen grössten Blog-Experiments möchte ich meine Erkenntnisse mit der Community teilen und auch einen Beitrag zur laufenden Mediendebatte beisteuern. 

BBC’s role is shifting from broadcaster and mediator
to facilitator, enabler und teacher.
We do not own the news anymore.
Our job is to make connections with and between different audiences.

Richard Sambrook,
Director of the BBC World Service and Global News Division

Die Bloggerinnen des Mamablogs von Newsnet wurden vom Branchenmagazin “Schweizer Journalist” zu den Journalisten des Jahres 2010 gewählt. Zum ersten Mal wurden Online-Journalisten mit diesem Preis ausgezeichnet. Im Mamablog werden Themen um Familie, Kinder und Beziehung diskutiert und der Blog erreicht täglich zehntausende Lesende. Für 315 Millionen Dollar übernahm 2011 AOL das Blogportal Huffington Post. Das von Arianna Huffington gegründete Blogportal ist auf Expansionskurs und erreicht etliche Millionen Besucher pro Monat. Blogger gestalten aktiv die Öffentlichkeit und stellen das Geschäftsmodell „Journalismus“ auf den Kopf. Hansi Voigt plant momentan mit der Fixxpunkt AG die Lancierung einer reinen digitalen Newsplattform.
Neben den Erfolgsmeldungen im Bereich der Online Medien jagen sich die Hiobsbotschaften im Bereich der traditionellen Medien in den letzten Jahren in kurzen Abständen. Der Tages-Anzeiger reduzierte 2009 die Anzahl Bünde auf vier, organisierte seine Redaktion neu und baute 50 Vollzeitstellen in der Redaktion ab. Der Axel Springer Verlag verkauft Regionalzeitungen und ein Teil des Zeitschriftenportfolios an die Funke Mediengruppe. Jeff Bezos, Chef von Amazon, kauft die „Washington Post“. Das Zeitungssterben ist besonders in den USA zu beobachten. Verschiedenste Zeitungen erscheinen nicht mehr täglich (beispielsweise The Free Press, The News) oder wurden ganz eingestellt (beispielsweise Capital Times, Seattle Post Intelligencer, vergleiche http://newspaperdeathwatch.com/.

http://newspaperdeathwatch.com/

Der Journalismus ist in den letzten Jahren in einen Wandelprozess geraten. Es sind neue Medien entstanden, welche ein neues Zusammenspiel zwischen Schreibenden und Lesenden ermöglichen. Dieser Literature Review geht der Frage „Rollen der Journalisten – Quo Vadis?“ nach. Es soll der aktuelle Stand der Forschung zu neuen Rollen und Funktionen von Journalisten aufgezeigt werden.

Fragestellung für das Literature Review über „Journalistische Rollen im Wandel“:

Journalistische Rollen

In zwölf Teilen soll auf dem Blog www.svenruoss.ch anhand von 10 ausgewählten Artikeln der aktuelle Stand der Forschung im Bereich „Journalistische Rollen im Wandel“ beschrieben und analysiert werden. Der Literature Review ist wie folgt in zwölf Teile gegliedert:

1. Teil: Einleitung
2. Teil: Auswahl der 10 Artikeln
3. Teil: Network Journalism: Converging competences of old and new media professionals (Bardoel & Deuze, 2001)
4. Teil: We media. How audiences are shaping the future of news and information (Bowman & Willsis, 2003) & The Future is Here, But Do News Companies See It (Bowman & Willis, 2005)
5. Teil: Vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus (Bücher & Büffel, 2005)
6. Teil: (R)Evolution des Journalismus? Online Journalismus zwischen Tradition und Innovation (Quandt, 2005)
7. Teil: Vom Gatekeeping zum Gatewatching – Modell der journalistischen Vermittlung im Internet (Bruns, 2009)
8. Teil: What’s stopping them? Toward a grounded theory of Innovation in online journalisms (Steensen, 2009)
9. Teil: Internet-Journalismus: Vom traditionellen Gatekeeping zum partizipativen Journalismus (Neubürger & Quandt, 2010)
10. Teil: Die Rolle von Journalisten in Sozialen Medien am Beispiel Twitter (Ebermann et al., 2010)
11. Teil: Zeitungsjournalismus im Internetzeitalter – Umfragen und Analysen (Mast, 2011)
12. Teil: Erkenntnisse aus dem Literature Review

Den Lesenden wünsche ich eine spannende Lektüre bei diesem eher „akademischen Blog-Experiment“ zu den „Journalistische Rollen im Wandel“.