Archive für Medien

Alle Jahre wieder erscheint die neue Media Use Index Studie von Y&R Group Switzerland. Ich durfte bei der Präsentation diesen Dienstagabend dabei sein. Anbei fasse ich die 11 wichtigsten Erkenntnisse zusammen

Der MUI-Flyer 2016 kann kostenlos hier heruntergeladen werden.

1. Weiterhin Wachstum bei Internet per Smartphone und Tablet

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Quelle: Media Use Index 2016

2. Das Smartphone kommt überall mit – aufs Klo und ins Bett

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Quelle: Media Use Index 2016

3. Bei den Tablets sind die Digital Immigrants Spitzenreiter

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Quelle: Media Use Index 2016

4. Ad-Blocker auf dem Computer sind in der Schweiz weit verbreitet

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Quelle: Media Use Index 2016

5. Newsmedien werden immer seltener direkt anvisiert

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Quelle: Media Use Index 2016

6. WhatsApp, Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter sind für Digital Natives in der Schweiz die wichtigsten Social Media Plattformen

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Quelle: Media Use Index 2016

7. 46% der Digital Natives nutzen Snapchat

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Quelle: Media Use Index 2016

8. Bei den 14- bis 19-Jährigen hat Snapchat Facebook überholt und Instagram eingeholt

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Quelle: Media Use Index 2016

9. Telefonieren gehört bei den Digital Natives NICHT zu 5 häufigsten Funktionen auf dem Smartphone

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Quelle: Media Use Index 2016

10. Bei Digital Natives hat das Streaming das klassische Live TV überholt

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Quelle: Media Use Index 2016

11. Kein Alkohol: OK – Kein Auto: OK – Kein Sex: OK – Kein Smartphone: Voll nicht OK

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Quelle: Media Use Index 2016

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Prolog

«Sven, wieso schaust du dir die Geschäftsberichte der Schweizer Medienhäuser nicht mehr an?», wurde ich in den letzten Tagen mehrmals gefragt. Stimmt gar nicht. Selbstverständlich habe ich die Geschäftsberichte 2014 der NZZ-Mediengruppe und Tamedia gelesen. Auch in meinen Winterferien habe ich den Wecker pünktlich auf 06.30 Uhr gestellt, so dass ich mir ein Bild über die Jahreszahlen machen konnte. Nur darüber bloggen konnte und durfte ich nicht, da in den Ferien das Motto «Digital Detox Light» galt. Deshalb anbei der verspätete Beweis, dass ich mich immer noch für die Medienbranche interessiere.

Ein Blick in die Vergangenheit: 2010 bis 2013

2010 hat das Tamedia Geschäftsfeld Digital einen Umsatz von 76 Mio. CHF erzielt. Ein Jahr später waren es bereits 126 Mio. CHF und einen EBITDA-Anteil von 6%. Auch im Jahr 2012 betrugt der EBITDA-Anteil 6% bei einem Digital-Umsatz von 148 Mio. CHF. Im Geschäftsjahr 2013 wuchs der Digital-Umsatz auf 233 Mio. CHF und erwirtschaftete ein EBITDA von 57 Mio. CHF (EBITDA-Anteil von 29%). 

Und 2014?

2014 erzielte das Geschäftsfeld Digital insgesamt 271 Mio. CHF Umsatz und erzielte ein EBITDA von 75 Mio. CHF. Der Bereich Digital trägt bereits knapp ein Drittel (32 Prozent) des gesamten EBITDAs bei. Dieses Wachstum kam dank etlichen Akquisitionen (wie jobs.ch, StarTicket, Zattoo etc.) und organischem Wachstum zustande.

Und 2015?

Auch der Ausblick sieht vielversprechend aus. Der Entscheid der Wettbewerbskommission bezüglich search.ch und local.ch wird auf Ende März 2015 erwartet. Und auch bei der vollständigen Übernahme der Ricardo-Gruppe sowie tutti.ch und car4you.ch wird auf den Entscheid von der Wettbewerbskommission gewartet. Und ein Nein der WEKO wäre eine Überraschung beziehungsweise für die digitale Wirtschaft ein Desaster. Initiativen wie Digital Zurich 2025 müssten gar nicht gestartet werden, wenn die Schweiz keine starken nationalen Digitalunternehmen zulässt, welche den Kampf gegen die internationalen Player wie Google, Facebook und Co. aufnehmen.

Auch 2015 darf nochmals mit einem markanten Umsatz- und Ergebnissprung gerechnet werden. Leider können wir in einem Jahr die Zahlen nicht mehr mit den Vorjahren vergleichen, da ab Berichtsjahr 2015 mit einer neuen Einteilung der Geschäftsfelder gearbeitet wird. Die publizistischen Digitalangebote werden neu gemeinsam mit den jeweiligen gedruckten Angeboten in deren Geschäftsbereichen ausgewiesen.

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Tamedia Geschäftsjahr 2011

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Tamedia Geschäftsjahr 2012

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Tamedia Geschäftsjahr 2013

Tamedia Geschäftsjahr 2014

Tamedia Geschäftsjahr 2014

Digital-Portfolio

Digital-Portfolio heute

Digital-Portfolio Zukünftig

Ausblick Digital-Portfolio

Der Start

Knapp ein Jahr nach dem Start von watson hat die Schweiz ein neues Medien-Start-up: NiuwsNiuws ist eine News-App mit handkuratierten Nachrichten. Ein Team von zunächst circa 15 Kuratoren erstellen täglich eine Liste lesenswerter Nachrichten zu spezifischen Fachgebieten zusammen. Die Kuratoren und die Themen versprechen für Digital Cowboys einiges.

Anbei eine Auswahl der bekannten Experten bei Niuws:

Niuws Niuws-App Niuws-App

Das Team

Hinter Niuws steht das Unternehmen Newscron aus Lugano, gegründet von Elia Palme, der 2013 mit seiner Informatik-Dissertation ausgezeichnet wurde. Als Verwaltungspräsident und CEO ist der frühere NZZ-Digitalchef Peter Hogenkamp tätig. Der Gründer Elia Palme hat die Funktion als CTO inne. Als COO ist Mitgründer Patrick Lardi an Board. Momentan werden gemäss Homepage noch ein Project Manager und Software Developers gesucht.

Team Niuws

Das Fazit

Ich persönlich findet die Geschäftsidee des News-Aggregators sehr spannend. Peter Hogenkamp ist es gelungen, ein ausgezeichnetes Kuratorenteam aufzubauen. Viele der Themen sind im Bereich „DIGITAL“ anzusiedeln. Gemäss Aussagen von Peter Hogenkamp im Persönlich setzt man auf ein B2B-Businessmodell. Die App sieht gut aus und ist einfach zu bedienen. Ich als Nicht-Goldküstenjunge werde regelmässig die Niuws-App öffnen und werde die Entwicklung von Niuws mit Interesse verfolgen. Dem Niuws-Team um Peter Hogenkamp wünsche ich nur das Beste. #GoodLuck #CooleApp #AllTheBest 

Wie die Niuws-App funktioniert und aussieht zeigt folgendes Video:

Bevor die Halbjahreszahlen 2014 von Tamedia analysiert werden, sollen anbei die letzten drei Halbjahreszahlen der Jahre 2011, 2012 und 2013 in Erinnerung gerufen werden.

Halbjahreszahlen 2011

Dank der Integration von Edipresse Suisse kann Tamedia einen markanten Umsatz- und Ergebnissprung aufweisen. Die EBIT-Marge liegt mit 16 Prozent im Zielband zwischen 15 und 20 Prozent. Der Umsatzanteil des Geschäftsfeldes Digital liegt bereits bei 11 Prozent. Die Digitalmedien beschäftigen über 480 Mitarbeitende. In diesem Bereich wurden 300 neue Stellen geschaffen. Tamedia stellt die Projekte 20Minuti und die Dealplattform Scoup (wurde in der Zwischenzeit wieder eingestellt) vor. Mitte Juli 2011 wird mit der iPad-App des Tages-Anzeigers ein erstes kostenpflichtiges Angebot lanciert.

Halbjahreszahlen Tamedia 2011

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 31. August 2011

Halbjahreszahlen 2012

Der Umsatz und das Ergebnis sind im Vorjahresvergleich leicht rückläufig. Das konjunkturelle Umfeld hat sich 2012 eher verschlechtert. Die seit Herbst 20111 rückläufigen Werbeentwicklung setzt sich fort und führt zu einem Rückgang von 9.5 Prozent bei der Print-Werbung. Der Umsatzrückgang ist insbesondre beim Geschäftsfeld Print Regional erkennbar. Die EBITDA-Marge geht bei Print Regional auf 15 Prozent zurück. Das Geschäftsfeld Print National liefert mit einem EBIT-Anteil von 78% ein starkes Ergebnis. Das Geschäftsfeld Digital erzielt ein negatives EBIT von 11 Mio. CHF.

Halbjahreszahlen Tamedia 2012

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 30. August 2012

Halbjahreszahlen 2013

Das Wachstum im Geschäftsfeld Digital kompensiert den strukturellen Rückgang im Print. Die seit Herbst 2011 rückläufige Werbeentwicklung setzt sich weiter fort. Der Bereich Digital zeigt einen Umsatz- und Ergebnissprung und erzielt bereits 15 Mio. CHF EBIT. Dies entspricht einem EBIT-Anteil von 23%. Das Wachstum im Bereich Digital geschieht vor allem dank Erstkonsolidierungen (Integration von jobs.ch, Vollkonsolidierung von Olmero/Renovero ab 1.4.2013). Jedoch auch ohne den neuen Plattformen wäre das Geschäftsfeld Digital gewachsen. Die Newssites 20 Minuten und Newsnet können den Umsatz bei der Mobilewerbung ggü. Vorjahr stark steigern (20 Minuten: +88%; Newsnet: +95%). Tamedia übernimmt Mehrheit an Starticket. 

Halbjahreszahlen Tamedia 2013

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 22. August 2013

Halbjahreszahlen 2014

Was für Halbjahreszahlen. Dank Akquisitionen und Effizienzsteigerungsmassnahmen kann Tamedia eine Ergebnisverbesserung vorzeigen. Die EBIT-Marge steigt von 11.9% im Vorjahr auf 13.3%. Alle Geschäftsfelder weisen ein besseres Resultat als im Vorjahr auf. Man beachte: Anders als in den letzten drei Jahren präsentiert man den Überblick aller Geschäftsfelder mit einer Nachkommastelle. Dadurch wächst auch Print National von 30.9 auf 31.0 Mio. EBIT. Der strukturelle Rückgang der Printwerbung hat sich verlangsamt, aber sämtliche Printmärkte verlieren weiter an Werbeumsatz. Beim Tages-Anzeiger wurden bisher rund 7’400 digitale Abonnemente verkauft. Die Erwartungen sind damit übertroffen worden. Die Online-Umsätze und insbesondere die Mobile-Umsätze steigen bei 20 Minuten markant. Das Geschäftsfeld Digital wächst dank Akquisitionen und organischem Wachstum weiter mit konstant hoher EBITDA-Marge von 23.6%. Mit der Übernahme von 20.4% an Moneypark will man den Finance-Bereich von Tamedia stärken. Der Deal mit Swisscom um die Übernahme der PubliGroupt hat für Tamedia positive Effekte. Auf PubliGroupe-Aktien wurde im ersten Halbjahr 2014 ein Buchgewinn von rund 20 Mio. CHF erzielt.

Tamedia

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 22. August 2014

 

Fazit

In den letzten vier Jahren ist bei Tamedia unglaublich viel passiert. Tamedia wurde mit der Integration von Edipresse Suisse ein nationales Unternehmen. Etliche Medien wie beispielsweise TeleZüri, Radio24, TeleBärn, Automobile Revue etc. wurden verkauft. Einige Projekte wie die Dealplattform Scoup oder Natura wurden lanciert und wieder eingestellt. Andere Unternehmen wie Jobs.ch oder Starticket wurden gekauft. Tamedia verwandelt sich langsam zum digitalen Medienunternehmen. Im ersten Halbjahr 2011 hat das Geschäftsfeld Digital noch eine bescheidene Million an EBIT erzielt. Im ersten Halbjahr 2014 sind es bereits 17.3 Mio. CHF. Der EBIT-Anteil des Geschäftsfeldes Digital stieg innerhalb von 3 Jahren von 1% auf 24%. Das Geschäftsfeld wuchs sowohl organisch als auch und insbesondere durch Zukäufe wie Jobs.ch. Die Cash Cows im Geschäftsfeld Digital sind auch im ersten Halbjahr 2014 nicht journalistische Produkte, sondern vor allem Classifieds wie Homegate und Jobs.ch. Die Zusammenführung der beiden Verzeichnisplattformen local.ch und search.ch unter einem Dach wird die Digitalumsätze bzw. -erträge im nächsten Jahr markant beeinflussen. Positiv überrascht das Geschäftsfeld Print National. Trotz Umsatzverlust von 14 Mio. CHF konnte das absolute EBIT leicht von 30.9 auf 31.0 Mio. CHF gesteigert werden.

Kurz und gut: Mit den Halbjahreszahlen 2014 zeigt Tamedia seine ganze Stärke. Print bleibt dank ausgeklügelten Effizienzmassnahmen unglaublich stabil, Digital wächst insbesondere durch kluge Akquisitionen. Ich kann nur sagen: WOW.

Tamedia

TRANSPARENZBOX: Der Autor dieses Artikels arbeitete in den Jahren 2012 bis 2014 als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung der Tamedia AG. Sämtliche Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Publikationen auf www.tamedia.ch. Die Präsentation der Halbjahreszahlen 2014 steht seit Freitagmorgen, 22. August 2014, 06.30 Uhr zum Download auf www.tamedia.ch bereit.

Tamedia

Nach Buzzfeed, Circa, Quartz, Ozy Media, ViralNova, NowThis News und Huffington Post wird heute zum Abschluss Upworthy vorgestellt. Basierend auf der Analyse der vorgestellten acht internationalen Newsplattformen sowie der Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung bei Schweizer Newsplattformen werde ich an dieser Stelle am Sonntag, 05. Mai 2013, exklusiv meine fünf Erfolgsfaktoren für mobile Newsplattformen vorstellen. Zuerst nun anbei die kurze Vorstellung von Upworty:

At best, things online are usually either awesome or meaningful, but everything on Upworthy.com has a little of both. Sensational and substantial. Entertaining and enlightening. Shocking and significant.“ (Upworthy)

Allgemein

Fastcompany bezeichnet Upworthy im Sommer 2013 als das am schnellsten wachsende Medienunternehmen aller Zeiten. Erst im März 2012 ist die Nachrichtenseite Upworthy gestartet. Das Unternehmen wurde von Eli Pariser und Peter Koechley gegründet. Gemäss einer öffentlichen Twitter-Liste „We Are Upworthy“ beschäftigt das Unternehmen momentan 58 Personen, davon vermutlich viele als Teilzeitbeschäftigte.

Redaktionelles Konzept

Upworthy möchte nicht nur unterhalten, sondern auch anspruchsvolle gesellschaftliche Themen behandeln. Upworthy berschreibt ihr Konzept wie folgt: At best, things online are usually either awesome or meaningful, but everything on Upworthy.com has a little of both. Sensational and substantial. Entertaining and enlightening. Shocking and significant.“ Die Moral spielt bei Upworthy eine grosse Rolle. Der Dienst hat sich linksliberal positioniert. Im Gegensatz zu Buzzfeed werden keine eigenen Inhalte erstellt, sondern es werden lediglich im Internet gefundene Videos, Infografiken und dergleichen kuratiert.

Kommerzielles Konzept

Upworthy setzt bei der Kommerzialisierung nicht auf Displaywerbung. Ein Pfeiler des Geschäftsmodells sind „Ads We Like“. Dabei bezahlt der Werbekunde, dass er einen werblichen Inhalt (Beitrag, Video etc.) auf Upworthy stellen darf. Upworthy evaluiert, ob der Inhalt die Upworthy-Kriterien erfüllt. Bei einer Bejahung wird der Inhalt von Upworthy mit der Community geteilt. Der Werbepartner wird jeweils deutlich gekennzeichnet. So findet man beispielsweise ein von Skype bezahlter Werbespot über die Trennung einer Familie aus Uganda. Eine andere Ertragsquelle ist bei Upworthy „Sponsored Sections“. Mit dem Werbepartner werden die Themen für eine „Sponsored Section“ definiert. Ein Kurator von Upworthy kuratiert anschliessend spannende Geschichten innerhalb der definierten Grenzen. Dabei wird der Werbekunde jeweils auf jeder Seite deutlich gekennzeichnet. So wird beispielsweise die Serie „All 7 Billion“ über globale Gesundheit und Armut von der Bill & Melinda Gates Foundation präsentiert, mit Artikeln wie „The Diversity Of Cancer: A Sobering Map That Shows What Forms Strike Where“. Eine weitere Geldquelle ist die Verknüpfung der Leser über Anmeldeboxen mit sozialen und anderen Organisationen.

Upworthy

Vorstellung weiterer mobiler Newsplattformen: 

Es gibt heutzutage nicht nur die „Mobile first“-Strategie, sondern auch die „Tablet first“-Strategie. Wie diese funktioniert, zeigt die neue Wirtschaftsplattform Quartz.

It’s become very, very clear to me that digital trumps print, and that pure digital, without any legacy costs, massively trumps print.“ (David G. Bradley, Besitzer von Atlantic Media) 

Allgemein

Im September 2012 startete die neue Wirtschaftsplattform „Quartz“ online. Das digitale Projekt produziert Nachrichten für die vernetzte globale Welt. Die Atlantic Media Company, welche unter anderem die Titel „National Journal“ oder „The Atlantic“ herausgibt, steht hinter dem jungen Unternehmen. Gemäss eigener Auflistung auf der Homepage beschäftigt Quartz über 30 Mitarbeitende, davon sind mehr als 20 Journalisten. Hauptsitz von Quartz ist in New York City. Gemäss eigenen Aussagen verfügt Quartz über Korrespondenten und Reporter in London, Paris, Indonesien, Los Angeles und Washington.

Redaktionelles Konzept

Quartz verfolgt eine „Tablet first“-Strategie. In erster Linie ist Quartz für die mobilen Endgeräte Smartphone und Tablets konzipiert. Gemäss Quartz begann das Design mit dem iPad im Kopf. Anschliessend wurde es vom Tablet auf das kleinere Endgeräte Smartphone modifiziert und erst am Schluss auf die Desktop mit der grossen Bildschirmfläche. Bei der Kategorisierung kommt Quartz von der Gruppierung nach Ressorts weg. Die Inhalte werden nach aktuellen Themen (genannt „obsessions“) wie beispielsweise „Sochi Olympics“, „Future of Finance“ oder „Mobile Web“ gegliedert. Folglich ändert sich mit der Newslage auch die Struktur der Seite.

Kommerzielles Konzept

Anders als die Wirtschaftsmedienmarken „The Economist“, „FT.com“ oder „WSJ.com“ will sich Quartz nicht hinter einer Paywall verstecken. David G. Bradley, der Besitzer von Atlantic Media, formuliert sein Glauben an die digitale Zukunft wie folgt: It’s become very, very clear to me that digital trumps print, and that pure digital, without any legacy costs, massively trumps print.“ Das Geschäftsmodell von Quartz basiert auf Werbegelder. Quartz geht davon aus, dass Erträge insbesondere aus Sponsoring und Events generiert werden können. Auf klassische Bannerwerbung wird verzichtet und stattdessen wird gesponserter Inhalt in den „Editorial-Stream“ eingebaut. Als Gründungspartner konnte Boeing, Cadillac, Chevron und Credit Suisse gefunden werden, welche die Startphase 2012 finanzierten. Teilweise werden gewisse Features von Sponsoren präsentiert. Beispielsweise wird das neue Feature „Quartz Annotations“ von Citi präsentiert. Quartz ist es gelungen, etablierte Werbepartner wie beispielsweise Adobe, Box, Harward Business School, KPMG, Morgan Stanley, Rolex oder Sony für sich zu gewinnen.

Beim Lesermarkt hat Quartz innert kürzester Zeit viele neue Leser gewonnen. Bereits im August 2013, zehn Monate nach dem Launch, erreichte Quartz über fünf Millionen Unique User. Damit wurden die optimistischsten Prognosen von den Gründern übertroffen. Der Newsletter „Quartz Daily Brief“ hat im Januar 2014 die 50’000 Abonnentenmarke geknackt. Der Newsletter erreicht eine äusserst spannende Zielgruppe aus Führungskräften, Investoren, Unternehmen und dergleichen. Laut Angaben von Quartz liegt die Öffnungsrate des Newsletters bei über 40%, was eine deutliche höhere Rate gegenüber dem Industriedurchschnitt darstellt.

Quartz

Vorstellung weiterer mobiler Newsportale:

 

Können 6-Sekunden-Videos auf Vine News sein? NowThis News versucht zu beweisen, dass auch harte News als Bewegtbild-Quickies über Social Media erzählt werden können.

We are definitely finding an appetite for hard news on Instagram.“ (Ed O’Keefe, Chefredaktor NowThis News)

Allgemein

NowThis News ist laut eigenen Aussagen ein Startup, welches kurze News-Videos produziert und verbreitet. Die Verbreitung erfolgt hauptsächlich über ihre mobile App und über verschiedene Social-Media-Kanäle. Auf Vine sind die Newsvideos lediglich sechs Sekunden lang, auf Instagram 15 Sekunden und auf der Website sind die Newsvideos zwischen 30 und 120 Sekunden lang. Pro Tag werden laut NowThis News über 50 Videos für die Plattformen Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, Vine, YouTube, die Applications und für die mobile Seite produziert. Gegründet wurde das Unternehmen von Kenneth Lerer, Mitgründer von Huffington Post, und Eric Hippeau, ehemaliger Huffington Post CEO. Im November 2012 ging das Video-Nachrichtenportal mit iPhone und iPad Apps ans Netz.

Redaktionelles Konzept

Von den 37 Mitarbeitenden bei NowThis News produzieren 22 Videoinhalte. Dabei werden die Inhalte auf die einzelnen Plattformen massgeschneidert. Beispielsweise werden die Instagram-Videos mit 15-Sekunden-Länge nicht einfach auf die 6-Sekunden-Länge bei Vine gekürzt, sondern es wird ein originärer Ansatz verfolgt. Für jede Plattform wird jeweils der effizienteste Weg gesucht, um die Geschichte zu erzählen. Dabei werden auch immer mehr „Hard News“-Themen behandelt. Der Chefredaktor Ed O’Keefe bringt dies wie folgt auf den Punkt: We are definitely finding an appetite for hard news on Instagram.“

Kommerzielles Konzept

NowThis News finanziert sich bisher über stattliche Finanzierungsrunden in Millionenhöhe von Lerer Ventures, Bedrocket Media Ventures und Oak Investment Partners. Im Januar 2014 wurde bekannt, dass auch NBC Universal in den neuen mobilen Video-News-Service NowThis News investiert. Laut einem Bericht von New York Times beteiligt sich NBC mit einer 10% Minderheitsbeteiligung an NowThis News. Das Video-Nachrichtenportal erreicht laut einem Artikel von SRF über 40 Millionen Menschen. Diese Reichweite wird den Werbekunden verkauft. Die Werbung wird bei NowThis News unter die übrigen Inhalte gemischt. Selbstverständlich mit einer klaren Kennzeichnung für die Leser.

NowThis News

Vorstellung weiterer mobiler Newsportale:

Nach Buzzfeed, OZY Media und Circa wird heute Huffington Post vorgestellt.

Huffington Post stellt ein globales digitales Social-Content-Erlebnis dar! (Huffington Post) 

Allgemein

Die US-amerikanische Onlinezeitung „The Huffington Post“ gibt es bereits seit mehr als acht Jahren. Das Online Nachrichtenportal wurde von Arianne Huffington, Kenneth Lerer und Jonah Peretti gegründet und ist seit 2011 im Besitz von AOL. Die Huffington Post gilt in den USA als linksliberales Gegengewicht zu Medien wie „Fox News“. Die Huffington Post gibt es mittlerweile in neun Ländern: USA, Kanada, United Kingdom, Frankreich, Spanien, Italien, Japan, Maghred und Deutschland. Weltweit beschäftigt das Unternehmen laut eigenen Angaben circa 700 Mitarbeitende. Pro Monat verzeichnet die Plattform weltweit über 75 Millionen Unique Visitors. Am 10. Oktober 2013 startete die deutsche Ausgabe der Huffington Post unter dem Dach des Burda-Verlags. Als Kooperationspartner für Inhalte konnte Focus Online gefunden werden. Die Ziele von Huffington Post Deutschland sind ehrgeizig: Nach zwei Jahren soll der Break-even erreicht sein und in fünf Jahren soll das Newsportal zu den fünf grössten Nachrichtenangeboten in Deutschland zählen.

Redaktionelles Konzept

Das Layout und das Design sind von der amerikanischen Mutter übernommen worden. Optisch sieht das Nachrichtenportal wie eine Kombination aus Blog und klassischem Nachrichtenportal aus. Die Huffington Post schreibt einerseits eigene Artikel und Kommentare, andererseits verwendet sie auch viele Beiträge von unbezahlten freiwilligen Autoren (Gastbeiträge) gemäss eigener Aussage zu den Themen Politik, Wirtschaft, Entertainment, Lifestyle und Technik. Die Huffington Post will kein weiteres Nachrichtenportal sein, sondern eine Informations- und Diskussionsplattform. Deshalb legt sie grossen Wert auf die Interaktionsmöglichkeiten der Lesenden. Sie möchte laut Werbebroschüre „ein globales digitales Social-Content-Erlebnis“ darstellen. In der Startphase beschäftigt die deutsche „Huffington Post“ gemäss einem Interview mit Arianne Huffington lediglich 15 Journalisten. Daneben schreiben um die 60 Gastautoren für das Portal, darunter auch prominente Namen wie Boris Becker oder Uschi Glas.

Kommerzielles Konzept

Das Geschäftsmodell hinter Huffington Post basiert auf Werbeeinnahmen. Für die einzelnen Device-Typen wie Smartphone, Tablet und Desktop können die unterschiedlichsten Werbeformate von Banderole Ad über Flash Layer bis Wallpaper gebucht werden. Für Zusatzleistungen wie „Expanding Formate“ oder „Targeting“ wird ein Aufpreis für den Tausender-Kontakt-Preis (TKP) verrechnet. Es können die Umfelder „Politik, News und Wirtschaft“, „Entertainment“, „Lifestyle“ und „Technik“mit einem Aufpreis gegenüber Run-of-Site gebucht werden. Daneben kann auch das komplette Netzwerk der Tomorrow Focus Media GmbH (dazu zählen beispielsweise focus.de, fitforfun.de, xing.com etc.) als „Run-of-Network“ gebucht werden. Die Preise variieren je nach Werbeformat und Platzierung stark. Die teuersten Preise erzielen grossflächige Formate mit Billboard oder Interstitial mit TKP von 85 Euro für Run-of-Site. Günstiger sind die kleineren Formate wie Skyscraper mit einem Preis von 35 Euro (TKP Run-of-Site). Für Umfeldbuchungen wird ein Zuschlag von 5 Euro verlangt. Bei den Targetings wird pro Kriterium ein Aufschlag von 5 bis 7,50 Euro verrechnet. Das Pricing beurteilt der Autor des Blogs als hochpreisig. Die Bruttopreise sind deutlich über denjenigen der grossen Schweizer Nachrichtenportale. Es stellt sich die Frage, ob diese hohen Bruttopreise auch mit hohen Nettopreisen realisiert werden können.

Huffington Post Deutschland

Vorstellung weiterer mobiler Newsportale:

 

Um von bestehenden Newsportalen Erfolgsfaktoren abzuleiten, wurden folgende acht internationale Portale analysiert: Buzzfeed, Circa, The Huffington Post, NowThis News, Ozy Media, Quartz, Upworthy und Viral Nova. Für die Auswahl der Portale war entscheidend, dass sich die Beispiele einerseits erfolgreich behaupten und sich andererseits redaktionell und kommerziell voneinander unterscheiden. So wurden die in der Öffentlichkeit häufig diskutierten Portale Buzzfeed, Upworthy und Viralnova mitberücksichtigt. Daneben wurden auch Nischenplayer wie Quartz, welches sich an Wirtschaftsleute richtet, analysiert. Auch das spannende Bewegtbildkonzept von NowThis News oder der objektorientiere Journalismusansatz von Circa wurden untersucht. Die einzelnen Portale werden anbei anhand ihres redaktionellen und kommerziellen Konzeptes kurz vorgestellt.

Mobile Newsplattformen

Der Anfang macht heute:

Buzzfeed

Allgemein

Buzzfeed, mit Hauptsitz in New York, wurde 2006 von Jonah Peretti, Mitgründer der „Huffington Post“ gegründet. Peretti gilt als Experte für Viralität und wurde einst von der New York Times als „Viral Marketing Hot Dog“ bezeichnet. Bekannt als Medienunternehmen für das soziale Zeitalter arbeiten rund 400 Mitarbeitende für Buzzfeed, davon circa 180 Personen in der Redaktion. Buzzfeed verfolgt eine Internationalisierungsstrategie. Es gibt bereits spanisch-, französisch- und portugiesischsprachige Versionen sowie einen Ableger in Grossbritannien und Australien. In den nächsten Monaten wird Buzzfeed auch in Deutschland lanciert. Gemäss Aussage von Peretti wird das deutsche Buzzfeed mit einer Mischung aus englischen Beiträgen, deutschen Übersetzungen und eigenen Inhalten starten.

Buzzfeed weist gemäss Peretti über 140 Millionen Unique User aus. 60% davon sind die für Werbekunden interessante Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen. 50% des Traffics kommt bei Buzzfeed über den mobilen Kanal. Der wichtigste Trafficlieferant bei Buzzfeed ist Social Media. 75% des Traffics kommt über soziale Quellen wie Facebook und Twitter.

Buzzfeed Mobile

Redaktionelles Konzept

Bei Buzzfeed werden die Inhalte so aufbereitet, dass sie möglichst unterhaltsam sind und häufig in sozialen Medien geteilt werden. Zu einem grossen Teil besteht Buzzfeed aus so genannten Listicles, Artikeln im Listenformat. Die Listen im Stil von „13 Things Sales Associates Absolutely Hate Hearing“ oder  „Jennifer Lawrence’s 19 Best Moments At The Oscars“ zeichnen sich durch kurze Texte und bewegtes Bildmaterial in Form von Gifs aus. Mittlerweile werden bei Buzzfeed auch längere und investigative Artikel, sogenannte Longforms, produziert. Buzzfeed beschäftigt ein Investigativteam und Korrespondenten an verschiedenen Orten auf der Welt. Pro Tag veröffentlicht Buzzfeed gemäss Aussagen von Jonah Peretti circa 400 Artikel. Bei den Artikeln von Buzzfeed spielt die Viralität eine grosse Rolle. Es wird Content produziert, welchen die Menschen gerne teilen. Bei Buzzfeed ist alles shareable: Ganze Artikel, einzelne Textabschnitte oder einzelne Gifs und Videos.

Kommerzielles Konzept

Buzzfeed setzt komplett auf Native Advertising bzw. Social Advertising. Die Werbung auf Buzzfeed ist gleich wie der redaktionelle Inhalt aufgebaut und lediglich mit einer gelben Hintergrundfarbe sowie mit dem Hinweise „featured partner“ gekennzeichnet. Buzzfeed kann mit Native Advertising überaus hohe Klickraten (CTR) ausweisen. Gemäss eigenen Aussagen sind bei Buzzfeed Klickraten von 1% bis 3% möglich, was zwanzigfach über dem Industriedurchschnitt liegt. Auf klassische Banner-Werbung wird verzichtet. Die Native Advertisings können von den Lesenden kommentiert und geteilt werden. Dadurch setzt Buzzfeed auf das Zusammenspiel zwischen „paid, owned und earned media“. Gemäss Angaben von Buzzfeed erzielt der Werbekunde im Durchschnitt ein 1,3x Social Lift. Das heisst: wenn beispielsweise 100’000 Views über bezahlte Werbung (paid media) erzielt werden, erhält man zusätzlich noch 30’000 Views (earned media), welche über die sozialen Aktivitäten generiert werden. Der Social Lift ist bei Buzzfeed hoch, da das Buzzfeed-Publikum aus vielen aktiven Sharing-Usern besteht und der Content spezifisch für das Teilen erarbeitet und optimiert ist.

 

Der Online-Auftritt von blickamabend.ch ist seit Donnerstag, 12. Dezember 2013, „on air“. Anbei meine 5 Erkenntnisse nach einem ersten Herumstöbern auf dem neuen Newsportal von Ringier – selbstverständlich in Listenform.

1. www.blickamabend.ch orientiert sich optisch stark am Vorbild www.buzzfeed.com

2. Gute Artikel in Listenform zu erstellen, ist schwierig und benötigt Zeit

Es scheint schwierig zu sein, wirklich gute Listicles zu erstellen. Nick Lüthi bringt es im Artikel  „Listen machen heute alle in der Medienwoche auf den Punkt: „Einen Narren gefressen hat die Redaktion (…) an den sogenannten Listicles, Artikel in Listenform. Verständlich, dass sie zum Start nahezu jedes mögliche und unmögliche Thema als kommentierte, vertikale Bildstrecke durchzudeklinieren versucht. Das gelingt machmal, oft wirkt es aber erzwungen bis bemüht, zumal viele der verwendeten Bilder hinlänglich bekannte Motive der Internet-Folklore sind. Diese in einen neuen, überraschenden Kontext zu stellen, ist anspruchsvolle, kreative Arbeit.“ 

3. Native Advertising stellt eine neue, spannende Werbeform dar

Momentan zeigen sich die Migros, Ford und Graubünden Ferien als Pioniere bezüglich Native Advertising in der Schweiz. Aus meiner Sicht steckt in Native Advertising viel Potential. Ich bin gespannt, welche weiteren Firmen den Mut aufbringen, uns mit kreativem Content Marketing zu überraschen.

4. Native Advertising sollte  immer „deklariert“ werden – auch beim blickamabend.ch 

Meiner Ansicht nach sollte Native Advertising immer als „Werbung“ deklariert werden. Meistens wird auf blickamabend.ch mit Promo, grauem Hintergrund und „Präsentiert von“ auf die neue Werbeform hingewiesen. Aber nur meistens. Teilweise wird auf die Native Advertising Artikel genau gleich hingewiesen wie auf normale Artikel. Zudem findet man in der App in den Native Advertising Artikeln selbst keine Hinweise auf den Sponsor. Aus meiner Sicht muss sowohl beim Teaser als auch bei dein einzelnen Native Advertising Artikeln jeweils darauf hingewiesen werden, dass es sich dabei um Werbung handelt. Und zwar immer. 

Native Advertising

5. Die Schweizer Medienszene braucht Mut und neue Ideen

Ich erachte BlickAmAbend.ch als einen soliden Versuch, etwas Neues zu wagen. Wer es nicht versucht, kann nicht scheitern, aber auch nicht gewinnen. Ich wünsche dem neuen Projekt von Ringier „Toi Toi Toi!“

Gerne schliesse ich mich auch den Worten von Simon Bärtschi in der Medienkolumne der SonntagsZeitung vom 08.12.2013 an: Die etablierten Schweizer Medien haben das Jahr verschlafen. Mutige Ideen? Innovationen? Lancierungen von neuen Medien? Fehlanzeige. Mehr Mut und neue Ideen brauchts im nächsten Jahr auch in der Schweiz.“