Archive für Print

Bevor die Halbjahreszahlen 2014 von Tamedia analysiert werden, sollen anbei die letzten drei Halbjahreszahlen der Jahre 2011, 2012 und 2013 in Erinnerung gerufen werden.

Halbjahreszahlen 2011

Dank der Integration von Edipresse Suisse kann Tamedia einen markanten Umsatz- und Ergebnissprung aufweisen. Die EBIT-Marge liegt mit 16 Prozent im Zielband zwischen 15 und 20 Prozent. Der Umsatzanteil des Geschäftsfeldes Digital liegt bereits bei 11 Prozent. Die Digitalmedien beschäftigen über 480 Mitarbeitende. In diesem Bereich wurden 300 neue Stellen geschaffen. Tamedia stellt die Projekte 20Minuti und die Dealplattform Scoup (wurde in der Zwischenzeit wieder eingestellt) vor. Mitte Juli 2011 wird mit der iPad-App des Tages-Anzeigers ein erstes kostenpflichtiges Angebot lanciert.

Halbjahreszahlen Tamedia 2011

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 31. August 2011

Halbjahreszahlen 2012

Der Umsatz und das Ergebnis sind im Vorjahresvergleich leicht rückläufig. Das konjunkturelle Umfeld hat sich 2012 eher verschlechtert. Die seit Herbst 20111 rückläufigen Werbeentwicklung setzt sich fort und führt zu einem Rückgang von 9.5 Prozent bei der Print-Werbung. Der Umsatzrückgang ist insbesondre beim Geschäftsfeld Print Regional erkennbar. Die EBITDA-Marge geht bei Print Regional auf 15 Prozent zurück. Das Geschäftsfeld Print National liefert mit einem EBIT-Anteil von 78% ein starkes Ergebnis. Das Geschäftsfeld Digital erzielt ein negatives EBIT von 11 Mio. CHF.

Halbjahreszahlen Tamedia 2012

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 30. August 2012

Halbjahreszahlen 2013

Das Wachstum im Geschäftsfeld Digital kompensiert den strukturellen Rückgang im Print. Die seit Herbst 2011 rückläufige Werbeentwicklung setzt sich weiter fort. Der Bereich Digital zeigt einen Umsatz- und Ergebnissprung und erzielt bereits 15 Mio. CHF EBIT. Dies entspricht einem EBIT-Anteil von 23%. Das Wachstum im Bereich Digital geschieht vor allem dank Erstkonsolidierungen (Integration von jobs.ch, Vollkonsolidierung von Olmero/Renovero ab 1.4.2013). Jedoch auch ohne den neuen Plattformen wäre das Geschäftsfeld Digital gewachsen. Die Newssites 20 Minuten und Newsnet können den Umsatz bei der Mobilewerbung ggü. Vorjahr stark steigern (20 Minuten: +88%; Newsnet: +95%). Tamedia übernimmt Mehrheit an Starticket. 

Halbjahreszahlen Tamedia 2013

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 22. August 2013

Halbjahreszahlen 2014

Was für Halbjahreszahlen. Dank Akquisitionen und Effizienzsteigerungsmassnahmen kann Tamedia eine Ergebnisverbesserung vorzeigen. Die EBIT-Marge steigt von 11.9% im Vorjahr auf 13.3%. Alle Geschäftsfelder weisen ein besseres Resultat als im Vorjahr auf. Man beachte: Anders als in den letzten drei Jahren präsentiert man den Überblick aller Geschäftsfelder mit einer Nachkommastelle. Dadurch wächst auch Print National von 30.9 auf 31.0 Mio. EBIT. Der strukturelle Rückgang der Printwerbung hat sich verlangsamt, aber sämtliche Printmärkte verlieren weiter an Werbeumsatz. Beim Tages-Anzeiger wurden bisher rund 7’400 digitale Abonnemente verkauft. Die Erwartungen sind damit übertroffen worden. Die Online-Umsätze und insbesondere die Mobile-Umsätze steigen bei 20 Minuten markant. Das Geschäftsfeld Digital wächst dank Akquisitionen und organischem Wachstum weiter mit konstant hoher EBITDA-Marge von 23.6%. Mit der Übernahme von 20.4% an Moneypark will man den Finance-Bereich von Tamedia stärken. Der Deal mit Swisscom um die Übernahme der PubliGroupt hat für Tamedia positive Effekte. Auf PubliGroupe-Aktien wurde im ersten Halbjahr 2014 ein Buchgewinn von rund 20 Mio. CHF erzielt.

Tamedia

Quelle: http://www.tamedia.ch, Präsentation vom 22. August 2014

 

Fazit

In den letzten vier Jahren ist bei Tamedia unglaublich viel passiert. Tamedia wurde mit der Integration von Edipresse Suisse ein nationales Unternehmen. Etliche Medien wie beispielsweise TeleZüri, Radio24, TeleBärn, Automobile Revue etc. wurden verkauft. Einige Projekte wie die Dealplattform Scoup oder Natura wurden lanciert und wieder eingestellt. Andere Unternehmen wie Jobs.ch oder Starticket wurden gekauft. Tamedia verwandelt sich langsam zum digitalen Medienunternehmen. Im ersten Halbjahr 2011 hat das Geschäftsfeld Digital noch eine bescheidene Million an EBIT erzielt. Im ersten Halbjahr 2014 sind es bereits 17.3 Mio. CHF. Der EBIT-Anteil des Geschäftsfeldes Digital stieg innerhalb von 3 Jahren von 1% auf 24%. Das Geschäftsfeld wuchs sowohl organisch als auch und insbesondere durch Zukäufe wie Jobs.ch. Die Cash Cows im Geschäftsfeld Digital sind auch im ersten Halbjahr 2014 nicht journalistische Produkte, sondern vor allem Classifieds wie Homegate und Jobs.ch. Die Zusammenführung der beiden Verzeichnisplattformen local.ch und search.ch unter einem Dach wird die Digitalumsätze bzw. -erträge im nächsten Jahr markant beeinflussen. Positiv überrascht das Geschäftsfeld Print National. Trotz Umsatzverlust von 14 Mio. CHF konnte das absolute EBIT leicht von 30.9 auf 31.0 Mio. CHF gesteigert werden.

Kurz und gut: Mit den Halbjahreszahlen 2014 zeigt Tamedia seine ganze Stärke. Print bleibt dank ausgeklügelten Effizienzmassnahmen unglaublich stabil, Digital wächst insbesondere durch kluge Akquisitionen. Ich kann nur sagen: WOW.

Tamedia

TRANSPARENZBOX: Der Autor dieses Artikels arbeitete in den Jahren 2012 bis 2014 als Projektleiter in der Unternehmensentwicklung der Tamedia AG. Sämtliche Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Publikationen auf www.tamedia.ch. Die Präsentation der Halbjahreszahlen 2014 steht seit Freitagmorgen, 22. August 2014, 06.30 Uhr zum Download auf www.tamedia.ch bereit.

Tamedia

Zuerst: Ich bin ein Fan der Kultur „Bring your own Device“. Sowohl in meiner Zeit als Unternehmensberater konnte ich jeweils alle zwei Jahre ein neues Notebook, Smartphone und Tablet über meine geschäftliche Kreditkarte beziehen als auch während meiner NGO-Zeit hatte ich Anrecht auf eine jährliche Pauschale für meine selbstmitgebrachten technischen Gadgets. Die einzige Bedingung war jeweils: Sämtliche Dokumente sind in der Cloud. Denn das Wertvolle waren jeweils die Daten und nicht die Maschinen. Anders nun in der Medienbranche. Das Wertvolle sind die Maschinen. Beispielsweise klotzt Tamedia laut einem Interview mit Hansi Voigt mit exzellenten Laptops, für welche monatlich 540 CHF bzw. jährlich 6’480 CHF verrechnet werden. Naja, diese Laptops sind teuer, jedoch sind auch sämtliche SchnickSchnack-Softwares & IT-Support inklusive. Tablets werden grundsätzlich nicht bezahlt, auch wenn man in einzelnen Funktionen zwingend einen besitzen muss, weil es vom Vorgesetzten immer mal wieder heisst: Schau dir diese und jene Applications auf deinem Tablet an. So weit, so gut. Alles mehr oder weniger in Ordnung. Damit kann man leben.

Doch heute Abend hat mir ein Mitarbeiter eines erfolgreichen Medienunternehmens in der Schweiz mir doch tatsächlich folgende Geschichte erzählt. Der enorme Spardruck sei nun so gross, dass man nun aktiv freiwillige Mitarbeitende sucht, welche auf einen geschäftlichen Computer verzichten. Man solle doch einfach private Laptops ins Büro mitnehmen, weil die einerseits sowieso besser seien als die vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Maschinen und andererseits natürlich fürs Unternehmen nichts kosten und somit ca. 6’500 CHF jährlich pro Arbeitsplatz eingespart werden kann. Selbstverständlich werden die privaten Laptops nicht entschädigt bzw. es benötigt meistens noch private Investitionen in Software, damit diese privaten Computer mit dem Firmen-Netzwerk kompatibel sind.

Mein Kommentar: Gats no! Ich selbst würde mich als überdurchschnittlich sparsam mit geschäftlichen Ressourcen einschätzen. So fahre ich seit 2013 freiwillig jeweils in der 2. Klasse Zug, versuche wenn möglichst keine Spesen zu verursachen und meine Kollegen wissen, dass ich mich jemals am iPhone äussert kurz halte, um jeden möglichen Rappen an geschäftlichen Telefonkosten einzusparen. Doch wenn mein Arbeitgeber mir zwingend benötigtes Arbeitsmaterial wegnehmen würde, könnte ich das auf keinen Fall akzeptieren. Es stellt sich die Frage: Wo führt das noch hin? Heisst es bald: Bring your own WC-Papier?

byod

Genau heute ist mein 500. Tag im Medienbusiness. Am 01. Januar 2012 bin ich als Projektleiter Unternehmensentwicklung bei Tamedia gestartet. In dieser Zeit konnte ich von sehr vielen spannenden Menschen unglaublich viel lernen. Und werde natürlich auch in Zukunft noch viel lernen dürfen. Nach 500 Tagen habe ich das Gefühl, dass ich die sechs strategischen Erfolgsfaktoren für Medienhäuser identifiziert habe. Ich bin mir bewusst, dass das zu meinen früheren Zeiten als Unternehmensberater bei walkerproject ag schneller gehen musste. So haben wir damals in ca. 6 Monaten für Kunden eine komplette Strategie erarbeitet mit Strategischer Positionierung, Mission / Vision / Werte, Strategische Erfolgsfaktoren und strategische Absicht. Aber was länger reift, wird hoffentlich auch besser.

Ich freue mich, euch an dieser Stelle meine sechs strategischen Erfolgsfaktoren für Medienhäuser im Allgemeinen vorzustellen. Sie stellen meine persönliche Meinung dar.

1. Strategischer Erfolgsfaktor: Balance zwischen Effizienz (Print) und Flexibilität & Innovation (Digital)

  • Im Printgeschäft ist das Thema „Effizienz“ sehr wichtig, im Digitalbereich hingegen sind Faktoren wie Flexibilität, Offenheit und Spielraum für Innovationen wichtig.
  • Mit einer optimalen Organisationsstruktur, welche das traditionelle Printgeschäft festigt und den Digitalbereich fördert, gelingt diese Gratwanderung.
  • Ein Ungleichgewicht zwischen Effizienz und Flexibilität/Innovation schadet der langfristigen Entwicklung.

2. Strategischer Erfolgsfaktor: Gewinnung der besten Mitarbeitenden und deren langfristige Bindung ans Unternehmen

  • Die Mitarbeiterstruktur von Medienunternehmen wird sich durch die Digitalisierung langfristig stark verändern. Mehr Entwickler, Web Designer, Datenspezialisten oder Enterpreneurs werden benötigt.
  • Die neue Generation von jungen Mitarbeitenden (Generation Y,  Digital Natives, etc.) wollen in ihrer Arbeit einen Sinn finden und ihre Ideen auch umsetzen können. Diese gut ausgebildete Generation ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt und kann sich ihren Arbeitgeber aussuchen.
  • Mitarbeitende in der Medienbranche verfügen häufig über eine grossen Leidenschaft für die Branche. Es muss versucht werden, dass diese Leidenschaft ihnen auf keinen Fall weggenommen wird. Eine Wertschätzung für die Extra-Meile wäre sicherlich kein Demotivationsfaktor.

3. Strategischer Erfolgsfaktor: Etablierung einer Innovationskultur

  • Die Medienwelt verändert sich sehr schnell. Innovationen werden zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil.
  • Sowohl interne als auch externe Innovationen müssen vorangetrieben werden.
  • Innerhalb der Medienunternehmen soll eine Innovationskultur etabliert werden. Sie bedingt auch Freiräume für Mitarbeitende, eine Offenheit für externe Partner und ein stetiger Austausch über verschiedene Hierarchien und Bereiche.

4. Strategischer Erfolgsfaktor: Klare Strategie für den Digitalbereich

  • Das Digitalgeschäft wird weiterhin stark wachsen. Obschon niemand weiss, welches Start-up das neue Facebook wird, ist es wichtig, eine klar kommunizierte Beteiligungsstrategie zu formulieren.
  • Um potenzielle Startup-Unternehmen frühzeitig aufzuspüren, müssen die Suchfelder klar definiert werden und eine gezielte Suche nach potenziellen Targets ist nötig.
  • Interne Vernetzung zwischen den einzelnen Produkten ist im Digitalbereich entscheidend, um Integrationen und Traffic-Kooperationen rasch umsetzen zu können

5. Strategischer Erfolgsfaktor: Know-how im Thema „Big Data“

  • Die Kundendaten werden in Zukunft zum wertvollsten Gut, welches sich monetisieren lässt
  • Medienunternehmen sollten Kundendaten erfassen, strukturieren, bewerten und Rückschlüsse auf das künftige Nutzerverhalten ziehen können
  • Das Thema „Big Data“ benötigt erhebliche Investitionen in eine gemeinsame technologische Plattform für sämtliche Produkte

6. Strategischer Erfolgsfaktor: Weiterentwicklung der Management-Methoden und Instrumente zu „Management 2.0“

  • Die heute in vielen Branchen immer noch eingesetzten Management-Methoden und Instrumenten wurden vor ca. 100 Jahren erfunden, um die damaligen Problemstellungen zu lösen.
  • Die Herausforderungen der heutigen Medienbranche benötigen neue Ansätze – ein „Management 2.0“.
  • Die Benchmarking-Methode (= „Management 1.0“) wird meines Erachtens zu häufig falsch eingesetzt bzw. auf die intellektuelle Herausforderung der Interpretation und Schlussfolgerungen wird oftmals verzichtet. Die Zukunft kann man definitiv nicht mit der Benchmarking-Methode kreieren.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei allen meinen „Arbeitsgschpänli“ für meine steile Lernkurve bedanken. Danke. Merci. Thanks. Ich bin gespannt, wie ich mich nach 1000 Tagen im Medienzirkus über meine hier aufgestellten Erfolgfaktoren lustig machen kann. Es wird spannend bleiben.

Medien