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Prolog

«Sven, wieso schaust du dir die Geschäftsberichte der Schweizer Medienhäuser nicht mehr an?», wurde ich in den letzten Tagen mehrmals gefragt. Stimmt gar nicht. Selbstverständlich habe ich die Geschäftsberichte 2014 der NZZ-Mediengruppe und Tamedia gelesen. Auch in meinen Winterferien habe ich den Wecker pünktlich auf 06.30 Uhr gestellt, so dass ich mir ein Bild über die Jahreszahlen machen konnte. Nur darüber bloggen konnte und durfte ich nicht, da in den Ferien das Motto «Digital Detox Light» galt. Deshalb anbei der verspätete Beweis, dass ich mich immer noch für die Medienbranche interessiere.

Ein Blick in die Vergangenheit: 2010 bis 2013

2010 hat das Tamedia Geschäftsfeld Digital einen Umsatz von 76 Mio. CHF erzielt. Ein Jahr später waren es bereits 126 Mio. CHF und einen EBITDA-Anteil von 6%. Auch im Jahr 2012 betrugt der EBITDA-Anteil 6% bei einem Digital-Umsatz von 148 Mio. CHF. Im Geschäftsjahr 2013 wuchs der Digital-Umsatz auf 233 Mio. CHF und erwirtschaftete ein EBITDA von 57 Mio. CHF (EBITDA-Anteil von 29%). 

Und 2014?

2014 erzielte das Geschäftsfeld Digital insgesamt 271 Mio. CHF Umsatz und erzielte ein EBITDA von 75 Mio. CHF. Der Bereich Digital trägt bereits knapp ein Drittel (32 Prozent) des gesamten EBITDAs bei. Dieses Wachstum kam dank etlichen Akquisitionen (wie jobs.ch, StarTicket, Zattoo etc.) und organischem Wachstum zustande.

Und 2015?

Auch der Ausblick sieht vielversprechend aus. Der Entscheid der Wettbewerbskommission bezüglich search.ch und local.ch wird auf Ende März 2015 erwartet. Und auch bei der vollständigen Übernahme der Ricardo-Gruppe sowie tutti.ch und car4you.ch wird auf den Entscheid von der Wettbewerbskommission gewartet. Und ein Nein der WEKO wäre eine Überraschung beziehungsweise für die digitale Wirtschaft ein Desaster. Initiativen wie Digital Zurich 2025 müssten gar nicht gestartet werden, wenn die Schweiz keine starken nationalen Digitalunternehmen zulässt, welche den Kampf gegen die internationalen Player wie Google, Facebook und Co. aufnehmen.

Auch 2015 darf nochmals mit einem markanten Umsatz- und Ergebnissprung gerechnet werden. Leider können wir in einem Jahr die Zahlen nicht mehr mit den Vorjahren vergleichen, da ab Berichtsjahr 2015 mit einer neuen Einteilung der Geschäftsfelder gearbeitet wird. Die publizistischen Digitalangebote werden neu gemeinsam mit den jeweiligen gedruckten Angeboten in deren Geschäftsbereichen ausgewiesen.

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Tamedia Geschäftsjahr 2011

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Tamedia Geschäftsjahr 2012

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Tamedia Geschäftsjahr 2013

Tamedia Geschäftsjahr 2014

Tamedia Geschäftsjahr 2014

Digital-Portfolio

Digital-Portfolio heute

Digital-Portfolio Zukünftig

Ausblick Digital-Portfolio

Werbeanzeigen

Ringier wollte es. Ebay scheinbar auch. Migros bietete mit. Coop buhlte auch um die Braut. Und Tamedia siegte und übernimmt das Auktionshaus Ricardo vom südafrikanischen Medienkonzern Nasseres. Die Ricardo-Gruppe betreibt den Online-Marktplatz ricardo.ch, die Fahrzeugplattform autoricardo.ch, die Kleinanzeigen-plattform olx.ch sowie das Online Shopping Center ricardoshops.ch.

Mit der Investition in die Ricardo-Gruppe stärkt Tamedia die starke Stellung im Schweizer Onlinemarkt. Tamedia benötigt in der heutigen globalen Welt zwingend eine notwendige kritische Grösse, um die Herausforderungen der digitalen Zukunft unternehmerisch zu meistern. Mit diesem Kauf macht sie einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung. Der Kaufpreis von 240 Millionen Franken scheint vernünftig. Das Kerngeschäft Ricardo.ch ist dabei sehr rentabel und erzielt hohe EBITDA-Margen. Andererseits werden etliche Millionen in den Ausbau von olx.ch, autoricardo.ch und ricardoshops.ch investiert. Die Werbekampagne für OLX.ch dürfte etliche Millionen Brutto-Werbeleistung verschlingen. Die Transaktion steht unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Eidgenössische Wettbewerbskommission. Wenn die Wettbewerbskommission die digitale Welt mit internationalen Playern und den Herausforderungen der digitalen Transformation versteht, wird sie der Transaktion zustimmen.

Zur Medienmitteilung von Tamedia: http://www.tamedia.ch/de/pressekontakt/medienmitteilungen/2015/pressrelease/tamedia_uebernimmt_ricardo_gruppe/

Ricardo-Gruppe

Nach 2 Monaten bloggen habe ich Erkenntnisse aus meiner Blogstatistik gezogen und kann nun so meine Themenauswahl optimieren. Bei den Suchbegriffen gewann bisher das Stichwort „Ricardolino„. Aus diesem Grund widme ich folgenden Blogpost Ricardolino.

Ricardolino.ch ist eine neu lancierte Inserate/Kleinanzeigen-Plattform der Ricardo.ch. Das Inserieren ist im Vergleich zu Ricardo.ch kostenlos. Auf Ricardo.ch handeln 2 Mio. Mitglieder Waren im Wert von über 600 Mio. CHF jährlich. Ricardo.ch beschäftigt in Zug 140 Mitarbeitende. Zu Ricardo.ch gehört ebenfalls auto.ricardo.ch (für Autos) und shops.ch (Shop von über 50 Schweizer Partner).

Soweit so gut, die Plattform muss natürlich ausprobiert werden. Doch von welchem Gegenstand kann ich mich trennen. Welche Kronjuwelen soll ich verhökern? Das Opfer war schnell gefunden: Ein oranges Buch mit den kreativen Titel „Steuerrecht“. Mit den 1064 Seiten hatte ich im Sommer 2005 eine innige Liebesbeziehung. Doch die Liebe nach Vermögenssteuer, Gewinnsteuer, Kapitalsteuer, Grundstückgewinnsteuer, Mehrwertsteuer und Co. ist in den letzten Jahren abgeflacht. Darum kann ich es psychisch verkraften, mich von diesem Buch zu trennen.

Kurz ein paar iPhone-Bilder vom Buch geschossen, Text eingegeben, Preis festgelegt und fertig war die Sache. Es hat wirklich keine 5 Minuten gedauert. Wow. Doch dann kam die Überraschung. Ich suchte vergebens auf der Seite nach Möglichkeiten, wie ich mein Inserat vergolden kann? Wo kann ich 50 Rappen bezahlen, damit das Inserat einen goldigen oder passend zum Buch orangen Rahmen bekommt und stärker auffällt? Wo kann ich eingeben, dass ich bereit bin, 1.50 CHF zu bezahlen, damit ich 44 Bilder vom Buch hochladen kann? Wo kann ich 1.10 CHF bezahlen, damit mein Buch bei der Suche prominenter platziert wird. Ich fand diese Möglichkeit nirgends.

Aus meiner Perspektive scheint das Geschäftsmodell kompliziert zu sein. Doch häufig sind die komplizierten Geschäftsmodelle auch die spannenden! Oder nicht?

Übrigens, das Buch über Steuerrecht kann unter folgendem Link gekauft werden: https://www.ricardolino.ch/de/bucher/sachbucher/zurich/steuerrecht-von-ernst-hohn-und-robert-waldburgen/332209/

Steuerrecht