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Heute im Fokus: Zusammenfassung aus dem Literature Review über die „Journalistische Rollen im Wandel“

Bardoel und Deuze (2001) haben basierend auf den Schlüsselcharakteristiken des Internet (Interaktivität, individualisierte Inhalte, Hypertext und Multimedialität) die grundsätzlichen Veränderungen im journalistischen Rollenbild beschrieben. Die Funktion als Mittelsmann wird zukünftig abgebaut. Dafür wird vermehrt die Funktion als Netzwerkjournalist eingenommen, welcher den steigen Bedarf nach Orientierung deckt. Bowman und Willis (2003 & 2005) konzentrierten sich auf den Bürgerjournalismus und stellten ihre Erkenntnisse in einem Modell (Media Ecosystem) dar. Sie forderten zusätzlich, dass sich die Ausbildung im Journalismus verändern muss und neue journalistische Fertigkeiten gefragt sind. Sie haben deutlich herausgearbeitet, dass Journalisten verstärkt zu Infrastrukturanbieter werden. Bucher und Büffel (2005) setzen ihren Fokus auf die Veränderung der journalistischen Organisation und journalistischen Prozesse. Am konkreten Beispiel von Weblogs zeigen sie auf, wie ein nicht-institutionalisierter Journalismus entstanden ist. Sie stellen die Organisationsformen der klassischen Medien deren der neuen Medien gegenüber. Quandt (2005) stellt durch eine empirische Beobachtungsstudie bei Journalisten fest, dass Online-Journalisten immer noch journalistisch arbeiten. Er erläutert, dass Online-Journalisten vermehrt zu Distributions-Journalisten werden. Bruns (2009) legt die Veränderung der Rollenbilder anhand der Gatekeeper- und Gatewatcher-Modelle dar. Besonders bei der Eingangsstufe sei das Gatekeeping am meisten bedroht und die Qualitätskontrolle verschiebe sich auf die Ausgangsstufe. Die Rolle der Journalisten sei nicht mehr die des „Öffentlich-Machens“, sondern die des „Öffentlicher-Machens“. Steensen (2009) wendet den „grounded theory“ Ansatz an und identifiziert aus seiner Fallstudie folgende fünf Faktoren, welche bezüglich Innovation in Online Newsrooms relevant sind: Autonomie des Newsroom, Arbeitskultur im Newsroom, Rolle des Management, Relevanz neuer Technologien und innovative Individuen. Neuberger und Quandt (2010) kommen zum Schluss, dass infolge der Knappheit an Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen auf Seiten der Rezipienten die Leistung einer nachträglichen Selektion und Prüfung des bereits Publizierten bedeutender wird. Zudem ermitteln Sie drei Typen öffentlicher Kommunikation: Professionell-redaktioneller Journalismus, partizipativer Journalismus und technische Vermittlungsleistungen. Ebermann et al. (2010) verwenden Netzwerkanalysen als Technik, um herauszufinden, welche Rolle Journalisten auf Twitter spielen. Sie konnten anhand eines Fallbeispiels eines Journalisten zeigen, dass Berufskollegen ihn als Aggregator von spezifischen Quellen verwenden und er für diese Berufsgruppe eine Opinion-Leader-Rolle einnimmt. Mast (2011) fragt direkt bei den Chefredakteuren von Zeitungen nach, wie diese die Veränderungen einschätzen. Die Umfragen stellen fest, dass Zeitungen sich von einem Nachrichtenmedium zu einem Analysemedium verändern. Sie identifiziert vier Dimensionen der publizistischen Leistungen von Zeitungen in der Zukunft: Wächterfunktion, Orientierung, Bündelung und Vernetzung.

Zusammenfassung Literature Review

Journalistische Rollen im Wandel