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Basierend auf der Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung bei Schweizer Newsplattformen und der acht internationalen Newsplattformen (BuzzfeedCircaOzy MediaHuffington PostNowThis NewsQuartzViralNova & Upworthykonnten folgende fünf Erfolgsfaktoren für mobile Newsplattformen identifiziert werden: Boulevard, Viralität, eigene Reichweite auf Social Media, Orginalität und neue Werbeprodukte/Ertragsmodelle. Anbei werden die fünf Erfolgsfaktoren kurz vorgestellt.

Fünf Erfolgsfaktoren Mobile Newsplattformen

1. Erfolgsfaktor: Boulevard

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Die Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung auf Schweizer Newsplattformen hat gezeigt, dass insbesondere Boulevard-Titel über mobile Endgeräte gelesen werden. Der mobile Traffic ist im letzten Jahr bei 20 Minuten und bei Blick prozentual am meisten gewachsen. Im Dezember 2013 kamen bei 20 Minuten bereits 76% aller Visits über den mobilen Kanal. News auf dem Mobile müssen kurz und knackig sein, da die Aufmerksamkeitsspanne der User von mobilen Endgeräten nur sehr kurz ist. Der Boulevard-Aspekt ist auch bei Buzzfeed und Viralnova stark ausgeprägt. Die unterhaltsamen Listicles und Gifs bei Buzzword werden zu 50% über den mobilen Kanal gelesen.

2. Erfolgsfaktor: Eigene Reichweite auf Social Media (owned media)

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Bei Buzzfeed kommt 75% des Traffics über Social-Media-Kanäle. Immer mehr junge Menschen verfolgen nicht mehr aktiv eine Zeitungsmarke, sondern kommen über den Newsfeed auf Social Media auf aktuelle Nachrichten. Für moderne Medienunternehmen ist es daher zentral, auf verschiedenen Plattformen (Facebook, Twitter, Instagram, Vine, Pinterest etc.) eine hohe Reichweite aufzubauen. So hat beispielsweise Upworthy auf ihrer Facebook-Page mehr als 5,6 Millionen Likes. NowThis News wiederum hat über 215’000 Follower auf Vine, über 88’000 Followers bei Instagram, 39’000 Followers bei Twitter und mehr als 149’000 Likes auf ihrer Facebookpage.

3. Erfolgsfaktor: Viralität (earned media)

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Im Zitat von Christopher McCandless alias Alex Supertramp „Happines is only real when shared“ aus dem Film „Into the wild“ steckt viel Wahres drin. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Für das Wachstum von mobilen Newsplattformen ist „Viralität“ ein zentraler Erfolgsfaktor. Leser erzählen ihrem Freundeskreise nur solche Geschichten weiter, welche sie selbst als wertvoll erachten. Gemäss Peretti, dem Gründer von Buzzfeed, erkennt man die Logik menschlicher Interaktionen an der Viralität von Inhalten. Bereits bei Forschungen zu „Word-of-mouth“ wurde deren Relevanz aufgezeigt. So hat beispielsweise Reichheld in seinen Untersuchungen zur Kennzahl „Net Promoter Score“ festgestellt, dass diese Kennzahl besser als alle anderen Kennzahlen mit dem Umsatzwachstum korreliert. Die Kennzahl erhält man auf die sogenannte „Ultimate Question“: „How likely is it that you will recommend company x to a friend or colleague?“. Um wachsen zu können, muss eine mobile Newsplattform den Mechanismus von Viralität verstehen und solche Geschichten erzählen, welche der Leser gerne seinen Freunden und Bekannten weitererzählt. Die Thematik der Viralität beherrschen Buzzfeed, Upworthy und ViralNova am besten.

4. Erfolgsfaktor: Originalität

Originalität

Praktisch niemand würde heute sagen, dass er ein weiteres Newsportal benötigt. In der heutigen Zeit gibt es zu viele Informationen. Neue Newsportale müssen daher einen neuen Weg beschreiten und die Lesenden auf eine andere Art und Weise überraschen. Buzzfeed hat Listicles erfunden, die neue Art über Listen Geschichten zu erzählen. Circa setzt komplett auf den mobilen Kanal und verzichtet auf eine Desktop-Version. Zudem verfolgt Circa konsequent den objektorientieren Journalismusansatz. NowThis News setzt lediglich auf Bewegtbilder. Quartz benutzt ein minimalistisches Design und ermöglicht es dem User, einzelne Sätze oder Abschnitte zu kommentieren. Ozy Media setzt stark auf visuelle Bildelemente. Huffington Post verwendet viele Beiträge von freiwilligen Autoren und ist dadurch eine Kombination aus Blog und klassischem Newsportal.

5. Erfolgsfaktor: Neue Werbeprodukte / Ertragsquellen

Neue Werbeprodukte

Der Blick auf die Werbeprodukte und Ertragsquellen zeigt klar, dass neben oder anstelle von klassischer Bannerwerbung neue Werbeprodukte und Ertragsquellen gefragt sind. Buzzfeed verzichtet komplett auf Bannerwerbung und setzt auf Native Advertising. Auch Quartz platziert klassische Bannerwerbung. Quartz geht davon aus, dass Erträge insbesondere aus Sponsoring und Events generiert werden können. Gesponserter Inhalt kann in den „Editorial-Stream“ eingebaut werden. Bei NowThis News setzt man ebenfalls auf Native Advertising. Upworthy verwendet neue Werbeprodukte wie „Ads We Like“ und „Sponsored Sections“. Klassische Bannwerbung sucht man bei Upworthy vergeblich. Circa versteht sich nicht als Medienunternehmen, sondern als Technologieunternehmen. Es ist durchaus möglich, dass Circa versuchen wird, die Circa-Software als Lizenz zu verkaufen.

Ob die neuen Newsportale auch wirtschaftlich florieren werden, ist momentan noch offen. Einerseits wird Werbung immer da sein, wo sich die Menschen aufhalten. Andererseits gehen die meisten Experten davon aus, dass die Werbepreise im digitalen Bereich massiv unter Druck geraten werden. Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung bei 20 Minuten, bringt dies wie folgt auf den Punkt: „Man sieht sich einer paradoxen Situation gegenüber: Einerseits ist man bei den digitalen Medien am goldrichtigen Ort, andererseits wird das nicht einfach ein Durchmarsch werden.“

Ich bin gespannt auf das Feedback der Blogosphäre. Welche Erfolgsfaktoren habe ich vergessen?

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Nach Buzzfeed, Circa, Quartz, Ozy Media, ViralNova, NowThis News und Huffington Post wird heute zum Abschluss Upworthy vorgestellt. Basierend auf der Analyse der vorgestellten acht internationalen Newsplattformen sowie der Analyse der Mobile-Traffic-Entwicklung bei Schweizer Newsplattformen werde ich an dieser Stelle am Sonntag, 05. Mai 2013, exklusiv meine fünf Erfolgsfaktoren für mobile Newsplattformen vorstellen. Zuerst nun anbei die kurze Vorstellung von Upworty:

At best, things online are usually either awesome or meaningful, but everything on Upworthy.com has a little of both. Sensational and substantial. Entertaining and enlightening. Shocking and significant.“ (Upworthy)

Allgemein

Fastcompany bezeichnet Upworthy im Sommer 2013 als das am schnellsten wachsende Medienunternehmen aller Zeiten. Erst im März 2012 ist die Nachrichtenseite Upworthy gestartet. Das Unternehmen wurde von Eli Pariser und Peter Koechley gegründet. Gemäss einer öffentlichen Twitter-Liste „We Are Upworthy“ beschäftigt das Unternehmen momentan 58 Personen, davon vermutlich viele als Teilzeitbeschäftigte.

Redaktionelles Konzept

Upworthy möchte nicht nur unterhalten, sondern auch anspruchsvolle gesellschaftliche Themen behandeln. Upworthy berschreibt ihr Konzept wie folgt: At best, things online are usually either awesome or meaningful, but everything on Upworthy.com has a little of both. Sensational and substantial. Entertaining and enlightening. Shocking and significant.“ Die Moral spielt bei Upworthy eine grosse Rolle. Der Dienst hat sich linksliberal positioniert. Im Gegensatz zu Buzzfeed werden keine eigenen Inhalte erstellt, sondern es werden lediglich im Internet gefundene Videos, Infografiken und dergleichen kuratiert.

Kommerzielles Konzept

Upworthy setzt bei der Kommerzialisierung nicht auf Displaywerbung. Ein Pfeiler des Geschäftsmodells sind „Ads We Like“. Dabei bezahlt der Werbekunde, dass er einen werblichen Inhalt (Beitrag, Video etc.) auf Upworthy stellen darf. Upworthy evaluiert, ob der Inhalt die Upworthy-Kriterien erfüllt. Bei einer Bejahung wird der Inhalt von Upworthy mit der Community geteilt. Der Werbepartner wird jeweils deutlich gekennzeichnet. So findet man beispielsweise ein von Skype bezahlter Werbespot über die Trennung einer Familie aus Uganda. Eine andere Ertragsquelle ist bei Upworthy „Sponsored Sections“. Mit dem Werbepartner werden die Themen für eine „Sponsored Section“ definiert. Ein Kurator von Upworthy kuratiert anschliessend spannende Geschichten innerhalb der definierten Grenzen. Dabei wird der Werbekunde jeweils auf jeder Seite deutlich gekennzeichnet. So wird beispielsweise die Serie „All 7 Billion“ über globale Gesundheit und Armut von der Bill & Melinda Gates Foundation präsentiert, mit Artikeln wie „The Diversity Of Cancer: A Sobering Map That Shows What Forms Strike Where“. Eine weitere Geldquelle ist die Verknüpfung der Leser über Anmeldeboxen mit sozialen und anderen Organisationen.

Upworthy

Vorstellung weiterer mobiler Newsplattformen: 

ViralNova.com kam aus dem Nichts. Im Mai 2013 startete Scott DeLong mit der Seite, welche aus emotionalen Beiträgen in Form von Bildersammlungen besteht. Der virale Faktor spielt eine zentrale Rolle bei den Geschichten. Die Beiträge sind im Stil von BuzzFeed und Upworthy. Im Mai 2013 war es laut Alexa.com die 443’652 beliebteste Website auf der Welt und heute platziert sich die Seite bereits auf Rang 531 der grössten Plattformen weltweit. Da kann man nur sagen: Wow, was für eine Erfolgsgeschichte.

Ein paar Fakten zu ViralNova.com:

  • Mehr als 100 Millionen Visits sowohl im November als auch im Dezember 2013
  • Über 909’000 Facebook-Likes (Stand 15. Januar 2014)
  • 3 Mitarbeitende (davon 2 Freelancer)
  • 100% der Einkünfte sind von Google Adsense. Mit einem Direktverkauf der Werbung könnten die Einkünfte markant erhöht werden

Gemäss einem Artikel von Business Insider steht nun ViralNova.com zum Verkauf. Zum Grund des Verkaufs sagt Scott DeLong:

Es ist ein bisschen zu viel für mich allein. Ich möchte keine Büroräumlichkeiten mieten und Mitarbeiter anstellen“

Da können wir also gespannt sein, welches Medienunternehmen sich dieses Start-up unter den Nagel reisst und zu welchem Preis.

Viral Nova

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